Freiburg - Goalgetter Nils Petersen entscheidet sich gegen den Wechsel in die Bundesliga und sorgt dafür, dass sie beim SC Freiburg plötzlich wieder an den sofortigen Wiederaufstieg glauben.

Christian Streich hatte das 2:1 im Testspiel gegen den Oberligisten Freiburger FC schnell abgehakt. Wichtiger als das Ergebnis war das, was in der Halbzeitpause verkündet worden war: Dass Nils Petersen weiter beim SC spielen wird. "Er wählt den schwierigsten Weg, die Erwartungen sind riesig hoch", sagte Freiburgs Trainer. "Aber es ist ein Riesentyp, der uns menschlich und sportlich weiterhilft, er wird auch das einordnen können."

So sahen es auch die 4500 Freiburger Fußballfans im Möslestadion, der Heimstatt der "Freiburger Fußballschule". Sie brachen in lauten Jubel aus, als Sportdirektor Jochen Saier in der Halbzeit den Transfer verkündete. Kein Wunder: Petersen, der erst in der Winterpause von Werder Bremen verpflichtet worden war, erzielte schließlich in 12 Spielen für den SC neun Treffer. Am Ende stand dennoch der Abstieg. Doch für die Fans war der mit der Erkenntnis verbunden, dass man ohne die Abschlussqualitäten des Thüringers wohl vor dem letzten Spieltag als Absteiger festgestanden hätte.

Entscheidung eine Überraschung

Dass Petersen, der nun -die Kaufoption war mit dem Abstieg hinfällig geworden - aus seinem Vertrag bei Werder herausgekauft werden musste, von sich aus den Schritt in die 2. Bundesliga mitgeht, ist eine faustdicke Überraschung. Zum einen, weil sein Berater in den vergangenen Wochen immer wieder betont hat, dass sein Schützling Freiburg verlassen werde. Und zum anderen, weil offenbar tatsächlich einige Bundesligisten um ihn gebuhlt hatten. "Wenn drei, vier Bundesligisten parallel anklopfen, ist das nicht ganz so leicht für uns", sagt Saier. Der 26-Jährige selbst lässt sich auf der SC-Homepage mit der Aussage zitieren, er ihm sei "irgendwann klargeworden, dass ich hier längerfristig bleiben möchte, unabhängig von der Ligazugehörigkeit." Er habe "ideale Bedingungen vorgefunden – sowohl was das Umfeld, die Arbeitsweise, als auch die Kollegen und das Trainerteam angeht." Auf seiner Facebook-Seite wird er regelrecht emotional: "Das mit Freiburg und mir, das passt einfach..."

Sofortiger Wiederaufstieg möglich

Schon in den vergangenen Wochen hatte es immer wieder Gerüchte gegeben, der Goalgetter tue sich mit dem Vereinswechsel schwerer als mancher glauben machen wollte. Seine Wohnung in Freiburg hatte Petersen jedenfalls nicht gekündigt. Und dass er fachlich und menschlich innerhalb kürzester Zeit ein exzellentes Verhältnis zu Trainer Christian Streich aufgebaut hat, ist ebenfalls Fakt. Schließlich und endlich scheint es dem Verein auch gelungen zu sein, den Stürmer davon zu überzeugen, dass der neu zusammengestellte Kader das Zeug dazu hat, den sofortigen Wiederaufstieg zu schaffen.

Dabei haben die SC – Fans am Sonntag sehr plastisch vor Augen geführt bekommen, wie radikal der Umbruch im Sommer war. Von den 25 Spielern, die nach dem mühevollen 2:1-Sieg gegen den Stadtrivalen zur Autogrammstunde kamen, erkannten die wenigsten Kinder mehr als das Trainerteam und fünf, sechs Spieler. Kein Wunder, schließlich verließen mit Jonathan Schmid (Hoffenheim), Roman Bürki (Dortmund), Oliver Sorg (Hannover), Pavel Krmas, Felix Klaus (Hannover 96) und Admir Mehmedi (Leverkusen) so gut wie alle Leistungsträger den Verein. Im Gegenzug holte man Tim Kleindienst (Cottbus), Lukas Kübler (Sandhausen), Vincenzo Grifo (Hoffenheim), und Amir Abrashi (Grasshopper Zürich), um den Platz im Tor streiten Alexander Schwolow, der aus Bielefeld zurückkam und Patric Klandt (FSV Frankfurt). Bis Sonntag Nachmittag schien es als sei der SC in allen Mannschaftsteilen gut gerüstet – bis auf den Angriff. Doch nun ist Petersen wieder da.

Aus Freiburg berichtet Christoph Ruf