Zusammenfassung

  • Niko Kovac hat die Eintracht zum Bewerber um die Europapokalplätze entwickelt

  • Der 46-Jährige hat sich als Trainer in der Bundesliga etabliert

  • Kovac ist nicht nur ein harter Arbeiter, er ist auch ein Stratege und Taktiker

Frankfurt - Als „One-Night-Stand“ bezeichnete Sportvorstand Fredi Bobic launig den zwischenzeitlichen Sprung von Eintracht Frankfurt auf den zweiten Tabellenplatz nach dem 2:0-Heimsieg vergangenen Freitag gegen Borussia Mönchengladbach. In der Auswärtstabelle der Bundesliga führt die Eintracht mit dem Platz des ersten Verfolgers der Bayern in dieser Saison aber eine Langzeitbeziehung: 21 Punkte holten die Hessen in dieser Saison in bisher zehn Partien auf fremdem Platz, nur die Bayern holten einen Zähler mehr. In Augsburg wollen die Frankfurter am Sonntag ihre Auswärtsstärke weiter bestätigen und somit auch Champions-League-Rang vier in der aktuellen Tabelle.

Zwar sprechen sie bei der Eintracht derzeit gerne noch von einer „Momentaufnahme“, aber die Konkurrenz hat längst großen Respekt vor der Leistung der Frankfurt. Gladbachs Trainer Dieter Hecking erklärte, die Frankfurter spielten aktuell zu Recht um die Europapokalplätze mit. Und das ist vorranging der Verdienst von Trainer Niko Kovac.

"Niko hat auf jeden Fall Fähigkeiten, irgendwann große Klubs zu trainieren." Peter Fischer, Präsident Eintracht Frankfurt

Als Kovac im März 2016 in Frankfurt antrat, als Nachfolger übrigens von Armin Veh, befand sich die Eintracht in einer schweren Krise, der Abstieg drohte. Wieder einmal. In dieser Situation einem Bundesliga-Newcomer zu vertrauen, stieß nicht bei jedem auf bedingungslose Zustimmung. Mittlerweile wird Sportdirektor Bruno Hübner für seine mutige Wahl von damals gefeiert. Kovac sicherte über Relegationsspiele gegen den 1. FC Nürnberg der Eintracht den Klassenerhalt. Und nach einer Saison mit Höhen und Tiefen, in der die Teilnahme am Pokalendspiel (Niederlage gegen Dortmund) die schlechte Rückrunde kaschierte, erlebt Kovac nun das, wovon Trainer träumen, wenn sie einen Job antreten: Spieler, eine Mannschaft, einen Verein, ja eine ganze Stadt zu elektrisieren.

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Applaus von den Eintracht-Mitgliedern

Als der 46-Jährige vergangenen Sonntag auf der Mitgliederversammlung von Präsident Peter Fischer für seine gerade eingegangene lebenslange Mitgliedschaft symbolisch einen Eintracht-Schal überreicht bekam, jubelten die anwesenden Anhänger euphorisch. Kovac geht es nach knapp zwei Jahren in Frankfurt nun so wie seiner Mannschaft: Man traut ihm mehr zu. Die Eintracht hat sich zu einem ernstzunehmenden Europapokalkandidat entwickelt. In Bezug auf Kovac ist sich der Eintracht-Boss sicher: „Niko hat auf jeden Fall Fähigkeiten, irgendwann große Klubs zu trainieren.“ Derzeit, und noch ein Weilchen länger, soll Kovac aber noch die Eintracht ein bisschen größer machen.

Dieser Trainer ist ein pedantischer Prediger von Arbeitsmoral, Disziplin und Fitness, er ist fordernd und unnachgiebig im Umgang mit den Spielern auf dem Trainingsplatz. Aber ihn drauf zu reduzieren, wäre falsch. Als Spieler war er einst unter anderem beim FC Bayern und in der kroatischen Nationalmannschaft gleichsam Wadenbeißer und Stratege im Mittelfeld. Auch als Trainer erweist er sich ebenso als Arbeitstier wie als flexibler Taktiker.

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Taktische Umstellungen greifen

Der Kniff, den etatmäßigen Rechtsverteidiger Timothy Chandler nach dessen Rückkehr aus einer langen Verletzung auf der linken Seite spielen zu lassen, macht die Mannschaft besser. Mit Marius Wolf rechts und Chandler links verfügt die Eintracht nun auf den Außenbahnen über zwei schnelle Spieler mit Offensivdrang, Chandler bereitete beispielsweise mit einem energischen Sprint gegen Gladbach die Führung vor.

Niko Kovac im Gespräch mit Kevin-Prince Boateng. Der Mittelfeldstratege blüht unter dem Trainer auf
Niko Kovac im Gespräch mit Kevin-Prince Boateng. Der Mittelfeldstratege blüht unter dem Trainer auf © gettyimages / Boris Streubel

Und Kovac entwickelt Spieler wie Gacinovic, Wolf, Chandler, Rebic oder Jovic nachhaltig weiter. In der Vorrunde erkämpfte sich die Eintracht vorwiegend durch ihre physische Spielweise Punkte und Respekt. Seine Elf auch spielerisch voranzubringen, setzte sich Kovac für die Rückrunde als Ziel, im Trainingslager in Spanien lag da der Schwerpunkt. Mittlerweile spielt diese Eintracht tatsächlich phasenweise ansehnlichen Kombinationsfußball.

Arbeit im Trainingslager zahlt sich aus

„In Spanien hat es klick gemacht“, sagt Kovac. Die spielerische Verbesserung hat aber auch mit der Rückkehr des famosen Omar Mascarell, 24,  im zentralen Mittelfeld zu tun, die Vorrunde hatte der Spanier verletzungsbedingt verpasst. Nun ordnet der technisch gute Aufbauspieler fast fehlerlos den Spielaufbau. Und in Marco Fabian drängt schon bald ein kreativer, offensiver Mittelfeldspieler nach langer Verletzung in die Startelf.

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Kovac bewies nach dem Umbruch im Sommer erneut, dass er aus vielen neuen Spielern schnell eine Mannschaft und auch schwierige Charaktere formen kann. Besonders die Verpflichtung des 33 Jahre alten  Kevin-Prince Boateng  wurde damals kritisch kommentiert. Längst aber ist Boateng kraft seiner Persönlichkeit und seiner fußballerischen Klasse unumstrittener Anführer. In seinem Alter brauche man einen Trainer, der einen pushe wie Kovac, sagt Boateng. Im Gegenzug pusht Boateng die Mannschaft.

"Wer träumt, wird überholt." Niko Kovac, Trainer Eintracht Frankfurt

Die Perspektiven geben Hoffnung, auch im DFB-Pokal ist die Eintracht ja noch dabei, nächsten Mittwoch empfangen die Frankfurter im Viertelfinale zum Derby Mainz 05.

Niko Kovac gab nach dem Erfolg gegen Gladbach zu, die aktuelle Situation zu genießen, aber dann rief er seinen Spielern bis zum Trainingsstart am Dienstag hinterher: „Wer träumt, wird überholt.“ Solche Sätze prägen Kovac. Er lebt sie, seine Spieler wissen das. Und er ist längst wieder im Arbeitsmodus. Unnachgiebig.

Tobias Schächter