Zusammenfassung

  • Niko Kovac ließ bei Frankfurt zumeist mit Dreierkette spielen
  • Das Bayern-Spiel könnte in der Offensive durch intensives Gegenpressing einen neue Facette bekommen
  • Der Coach setzt auf Einsatzfreude und Teamspirit, seine Elf leistete sich 2017/18 aber auch die meisten Verwarnungen

Köln – Das erste Pflichtspiel des neuen Bayern-Coaches Niko Kovac hätte kaum besser laufen können. Im Supercup sicherte sich der FC Bayern München durch einen souveränen 5:-Erfolg gegen seinen ehemaligen Club Eintracht Frankfurt den ersten Titel der Saison. Die Premiere ist also geglückt, aber wie könnte Kovac das Spiel der Bayern langfristig verändern? bundesliga.de macht die Analyse.

>>> Niko Kovac startet beim FC Bayern

In den letzten beiden Jahren bei Eintracht Frankfurt galt bei Niko Kovac stets die Devise "Safety first": Eine stabile Defensive war ohne Zweifel der Schlüssel zum Erfolg, der 2017/18 mit Platz acht in der Bundesliga und dem Pokalsieg belohnt wurde. Die Mannschaft ließ nur 32 Großchancen zu (hier war nur Hertha besser), kassierte nur 36 Torschüsse nach Kontern (drittbester Wert) und provozierte durch geschicktes Stellungsspiel hinter den Top-Clubs Bayern, Leipzig und Dortmund die meisten Fehlpässe beim Gegner.

Video: Frankfurts Erfolgstaktik 2017/18

Die taktisch perfekt abgestimmte Abwehrreihe um die Routiniers David Abraham, Marco Russ, Simon Falette und die beiden WM-Fahrer Carlos Salcedo und Makoto Hasebe ließ die Gegner 109 Mal ins Abseits laufen. Hier war nur noch Dortmund besser. Insgesamt kassierte Niko Kovac in seinen 77 Bundesliga-Spielen mit der Eintracht gerade einmal 100 Gegentore. Der Durchschnittswert von 1,3 pro Spiel wird von allen Frankfurt-Trainern mit mindestens 34 Bundesliga-Spielen nur von dem überaus erfolgreichen Dragoslav Stephanovic unterboten. Und auch 2017/18 hatte Frankfurt mit 45 kassierten Treffern die fünftbeste Defensive der Bundesliga.

Dreierkette bevorzugt

Um diese starken Werte zu erreichen setzte Kovac taktisch auf eine Dreierkette, die sich in der Rückwärtsbewegung meist zu einer Fünferkette formierte. Auf dem Papier agiert seine Elf in der letzten Saison in 30 Bundesliga-Spielen in einem 3-5-2 oder einem 3-4-3, nur viermal ließ er mit Viererkette spielen.

© imago

>>> Heiß auf Titel: Gnabry greift bei Bayern an

Ob Kovac dieses System auch beim FC Bayern spielen lässt? Zwar hätten die Außenverteidiger Joshua Kimmich und David Alaba dann wesentlich mehr Freiheiten nach vorne, es darf jedoch bezweifelt werden, dass er bei Bayern einen Mittelfeldspieler zugunsten eines weiteren Innenverteidigers opfert. Schließlich hat Bayern in nahezu allen Bundesliga-Spielen weit mehr Spielanteile als der Gegner und muss vor allem Lösungen finden, um vor dem gegnerischen Tor zum Abschluss zu kommen. Fast folgerichtig verteidigte sein Team im Supercup mit Viererkette.

Neue Aufgaben für Robben, Ribery und Co.

Das insgesamt sehr Ballbesitz orientierte Spiel der Münchner könnte aber auch neue Facetten unter Kovac bekommen. Etwa ein intensives Gegenpressing, für das die Eintracht in den letzten beiden Jahren durchaus berüchtigt war. Nur fünf Teams trafen letzte Saison kurz nach gegnerischen Ballverlusten häufiger. Speziell auf die Außenstürmer wie Arjen Robben, Franck Ribery, Serge Gnabry und Kingsley Coman dürften also auch neue Aufgaben hinzukommen.

Video: Die schönsten Tore von "Robbery"

Natürlich funktionieren all diese Attribute nur mit der entsprechenden Disziplin. Niko Kovac hat es bei Frankfurt verstanden, aus einem international zusammengewürfelten Haufen eine imposante Einheit zu formen, die sich vor allem durch Einsatzfreude, Laufstärke und Teamspirit hervortat. Bei Bayern muss er nun auch den richtigen Ton bei den längst etablierten Stars vom Format Weltklasse finden.

>>> Video auf FC BAYERN.TV: Ein Jahr James beim FC Bayern

Es wird also keine leichte Aufgabe für den 46-Jährigen beim Rekordmeister. Dabei sollte er, was die Motivation angeht, auch nicht über das Ziel hinausschießen. Seine Mannschaft war in der Saison 2017/18 mit 74 Gelben Karten immerhin die meistverwarnte Elf der Bundesliga. Der Supercup hat aber gezeigt, dass Kovac mit seinen neuen Schützlingen schon auf einem sehr guten Weg ist.

Karol Herrmann