Dortmund - Niklas Süle erging es nach der knappen 1:2-Niederlage bei Borussia Dortmund wie jedem anderen Spieler der TSG 1899 Hoffenheim. Auch der Abwehrspieler haderte mit dem Ergebnis, war aber trotzdem hochzufrieden mit der Leistung. Im Interview nach der Partie sprach der 21-Jährige über die Gründe für die Niederlage und den Kampf um Platz drei, zog ein erstes Saisonfazit und blickte voraus auf seinen bevorstehenden Abschied aus dem Kraichgau.

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Frage: Niklas Süle, wie ordnen Sie das Spiel ein und wie gehen Sie mit dieser Niederlage um?

Niklas Süle: Wir wollten dieses Spiel auf jeden Fall gewinnen. Wir sind es so angegangen wie jede andere Partie auch – so, dass wir am Ende als Gewinner vom Platz gehen. Leider hat es aus verschiedenen Gründen nicht gereicht. Wir hatten einen guten Plan, den wir uns die ganze Woche über zurecht gelegt haben. Wir mussten diesen Plan dann umkrempeln, weil wir schon früh unglücklich in Rückstand geraten sind. Wir mussten Dortmund unter Druck setzen, haben später auch einen Abwehrspieler für einen Stürmer geopfert. Aber der BVB ist konterstark und macht schließlich das zweite Tor – wenn auch aus meiner Sicht nicht verdient.

Frage: Warum bewerten Sie den Dortmunder Sieg als unverdient?

Süle: Wir hatten die ganze Zeit die Kontrolle über das Spiel, hatten viel mehr Ballbesitz, auch eine bessere Passgenauigkeit. Daher ist die Niederlage schon bitter.

"Es war ein hitziges Spiel"

Frage: Es war ein hektisches, unruhiges Spiel – auf dem Platz und auch auf den Rängen. Wie haben Sie es wahrgenommen?

Süle: Es war ein hitziges Spiel. Gern gesehen waren wir in Dortmund eh‘ nie. Aber wir haben versucht, das für uns positiv umzumünzen und so ein paar mehr Prozent rauszuholen. Ich glaube, wir hatten noch nie mehr Ballbesitz in Dortmund als in diesem Spiel. Wir hatten sie wirklich komplett unter Kontrolle. Umso ärgerlicher, dass wir am Ende mit leeren Händen dastehen.

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Frage: Es wirkte so, als wenn der BVB Ihnen im Spielverlauf bewusst mehr Ballbesitz überlassen hat, weil das der TSG nicht unbedingt entgegen kommt.

Süle: Ich finde, wir haben in dieser Beziehung in den letzten Monaten einen riesigen Schritt nach vorne gemacht. Unser Spiel ist im Ballbesitz richtig gut geworden. Wir konnten uns allerdings nicht so viele Torchancen erspielen, weil Dortmund es defensiv sehr gut gemacht hat. Auf der anderen Seite haben wir auch nicht viel zugelassen, vor allem in der ersten Halbzeit. Das haben wir gut gemacht gegen eine der besten Offensivreihen der Liga. In der zweiten Hälfte wurde es dann zunehmend schwieriger, auch wenn wir permanent versucht haben, den Ball nach vorne zu treiben.

"Unser Plan ist trotzdem aufgegangen"

Frage: Hat der TSG im Offensivspiel das Zwingende im letzten Drittel gefehlt?

Süle: Wie gesagt, Dortmund hat es defensiv wirklich gut gemacht. Wir sind eigentlich davon ausgegangen, dass uns der BVB volles Brett anläuft. Das haben sie nicht gemacht. Unser Plan ist trotzdem aufgegangen, aber wir haben den letzten Pass vermissen lassen, um richtig gefährlich zu werden. Aber es war auch klar, dass es ganz schwer wird, sich viele Chancen herauszuspielen, wenn Dortmund so defensiv spielt.

Frage: In Dortmund war vorher von einer Art Endspiel um den dritten Platz die Rede. Hatte es für Sie auch diese Bedeutung?

Süle: Wir haben noch zwei Spiele. Ich weiß nicht, wie man da von einem Endspiel sprechen kann. Es war ein Top-Spiel, das sich beide Mannschaften verdient haben. Wir haben in diesem Jahr schon so viel erreicht. Wir können sehr zufrieden sein mit unserer Saison. Wir haben dieses Spiel genossen. Ich persönlich finde es auch immer richtig geil, in Dortmund zu spielen.

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Frage: Wie schätzen Sie jetzt die Chance ein, dass Hoffenheim doch noch Dritter wird und sich somit direkt für die Champions League qualifizieren kann?

Süle: Die Chance ist immer noch da. Wir haben es allerdings nicht mehr in der eigenen Hand, sondern müssen jetzt darauf hoffen, dass die Dortmunder noch Punkte liegen lassen. Aber hätte uns vor der Saison einer gesagt, dass wir zwei Spieltage vor Saisonende so weit oben in der Tabelle stehen, hätte ich das direkt unterschrieben. Das hätte keiner geglaubt. Wir müssen für uns jetzt das Positive aus diesem Spiel ziehen. Und dann geben wir weiter Gas!

"Darauf können wir alle stolz sein"

Frage: Wie wichtig ist es Ihnen persönlich, sich mit der Champions League aus Hoffenheim zu verabschieden?

Süle: Der vierte Platz ist uns sicher, an der Qualifikationsrunde für die Champions League führt also kein Weg mehr vorbei. Allein die Tatsache, dass wir schon nach dem Spiel in Köln am 30. Spieltag die Qualifikation für die Europa League fest gemacht haben, ist für uns ein Riesenerfolg gewesen. Darauf können wir alle stolz sein. Das haben wir uns hart erarbeitet und dazu hat jeder seinen Teil beigetragen. Das macht mich glücklich! Wird es dann am Ende der vierte Platz, ist das auch okay. Ich bin dann trotzdem riesig zufrieden mit meinem Abschied.

Frage: Es sind nur noch zwei Spiele für die TSG, dann wechseln Sie zu den Bayern.

Süle: Damit werde ich mich in den nächsten zwei Wochen auch noch intensiver beschäftigen müssen. Ich merke jetzt langsam, dass es bald vorbei ist. Das ist für mich auch nicht leicht. Aber ich bin einfach froh, dass ich mich mit einer solchen Saison verabschieden kann.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte