Niklas Süle besiegt mit der TSG seinen künftigen Arbeitgeber - © imago
Niklas Süle besiegt mit der TSG seinen künftigen Arbeitgeber - © imago
Bundesliga

Niklas Süle: "Warum sollten wir jetzt runterfahren?"

Sinsheim - Torschütze Andrej Kramaric ritt auf dem Rücken von Maskottchen "Hoffi" jubelnd vor die Fankurve. So etwas hatte es bei der TSG 1899 Hoffenheim schließlich noch nie gegeben: Im 18. Anlauf schlugen die Kraichgauer erstmals Rekordmeister FC Bayern München und kommen der ersten Europapokal-Teilnahme der Vereinsgeschichte immer näher. Die Champions League ist jetzt ein realistisches Ziel.

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"Wir können schon jetzt von einer erfolgreichen Saison sprechen. Die Frage ist nur: Wie erfolgreich wird sie?", äußerte Manager Alexander Rosen. "Es ist immer die schönste Situation im Leben, wenn man den eigenen Weg selbst bestimmen kann", sagte Trainer Julian Nagelsmann. Seine Akteure übertrafen sich gegen den FC Bayern, suchten mutig und direkt den Weg nach vorne. Die Münchner konnten sich bei Torwart Sven Ulreich bedanken, dass es zur Pause nur 0:1 stand. "Wir haben uns den Sieg nicht ergaunert oder ermauert", freute sich Rosen über den Gala-Auftritt in Halbzeit eins in der ausverkauften Arena. In Halbzeit zwei verteidigte Hoffenheim mit Glück und Geschick, der Sieg im Spitzenspiel war tatsächlich nicht unverdient.

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Zwei Spieler freute der Erfolg besonders: Sebastian Rudy und Niklas Süle genossen den Sieg gegen den Verein, zu dem sie nach der Saison wechseln werden. Süle beschrieb im Gespräch nach der Partie seine Gefühle zum Sieg und bekräftigte, zum Abschied in Hoffenheim Geschichte schreiben zu wollen.

"Ich wollte es unbedingt schaffen"

Frage: Herr Süle, wie fühlt sich ein Sieg gegen die Bayern an?

Niklas Süle: Es ist einfach geil, die Bayern das erste Mal besiegt zu haben. Wir haben es 18 Mal nicht geschafft, bei einigen Versuchen war ich ja auch dabei. Für mich war das enorm wichtig, ich wollte es zuhause im letzten Spiel unbedingt schaffen. Dass es heute geklappt hat, ist natürlich überragend.

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Frage: Ist auch ein weinendes Auge dabei, wenn Sie jetzt gehen? Denn auch mit Hoffenheim könnten Sie ja nächstes Jahr wahrscheinlich Champions League spielen.

Süle: Es war nach der schwierigen Runde letztes Jahr nicht ganz abzusehen, dass es so gut läuft. Aber ich wusste, dass wir in Hoffenheim die Möglichkeit und auch die Fähigkeiten haben, international zu spielen. Von den Typen und den Qualitäten her haben wir einfach das Potential. Mein Wechsel hat damit aber nichts zu tun, ich habe ihn früh genug bekannt gegeben. Es ist für meine Kollegen und den Verein gut, dass jeder früh Bescheid wusste. Und ich denke, dass auch jeder sieht, dass ich mit Sebastian Rudy zusammen hier bis zum Schluss alles gebe - und darum geht es mir.

"Das war richtiger Tempofußball"

"Etwas schaffen, was Hoffenheim noch nie geschafft hat"

Frage: Hoffen Sie, dass sich Bayerns Champions-League-Gegner Real Madrid nicht eure erste Halbzeit anguckt? Das war ja Anschauungsunterricht.

Süle: Nein, ich hoffe stark, dass Bayern sich da dominant durchsetzt - und davon gehe ich auch aus. Das ist natürlich noch einmal ein anderes Niveau, wenn Real Madrid gegen Bayern spielt, das wissen wir auch. Aber, was wir in der ersten Halbzeit gemacht haben, das war richtig gut, das muss man sagen. Hätte jemand gesagt, dass wir in den ersten zwei Spielen nach der Länderspielpause in Berlin und gegen Bayern sechs Punkte holen, dann hätte ich das nicht ganz geglaubt. Aber: Wir haben es geschafft.

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Frage: Wie schafft man es, nach dem Hochgefühl eines Sieges gegen die Bayern die nötige Spannung für das nächste Spiel in Hamburg zu finden? Ist es nicht gefährlich, vielleicht einzustürzen?

Süle: Nein, wir haben jetzt in Berlin, wo es unheimlich schwer ist zu gewinnen, gewonnen. Und sind dann gegen die Bayern direkt wieder aufs Gaspedal gestiegen und haben gewonnen. Warum sollten wir jetzt runterfahren? Wir haben die erstmalige Gelegenheit, etwas zu schaffen, was Hoffenheim noch nie geschafft hat. Das weiß jeder, der in diesem Club arbeitet. Wir wollen uns oben festsetzen. Es sind noch sieben Spiele und wir wollen wahrnehmen, international zu spielen - das haben wir uns hart erarbeitet.

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Frage: Freuen Sie sich auf das Aufeinandertreffen mit dem ehemaligen Trainer Markus Gisdol in Hamburg?

Süle: Ich habe natürlich eine besondere Situation mit ihm. Er hat mich zum Profi gemacht, als er hier war. Es freut mich auch, dass es so gut läuft für ihn in Hamburg. Es ist atemberaubend, was er jetzt schon wieder bewirkt hat. Ich wusste, dass er ein sehr guter Trainer ist. Ich freue mich darauf, mit ihm nach dem Spiel ein paar Worte auszutauschen. Aber davor sind wir Gegner und ich versuche natürlich, unser Tor zu verteidigen.

Aus Sinsheim berichtet Tobias Schächter