Köln - Im siebten Anlauf konnte die TSG 1899 Hoffenheim beim 3:1-Auswärtssieg in Augsburg ihren ersten Saisonsieg landen. Mit vier Punkten aus den letzten beiden Spielen gehen die Kraichgauer nun optimistisch ins Baden-Württemberg-Derby gegen den VfB Stuttgart. Im Interview mit bundesliga.de spricht Hoffenheims Innenverteidiger Niklas Süle über den Umbruch in Hoffenheim, sein Comeback nach langer Verletzung und das Derby gegen den VfB.

bundesliga.de: Niklas Süle, wie gut hat der erste Saisonsieg am vergangenen Wochenende getan, wie groß ist die Erleichterung in Hoffenheim?

Niklas Süle: Der Sieg war für uns schon eine Riesenerleichterung, weil wir in der Tabelle unten drin steckten, obwohl wir in den ersten Spielen gute Leistungen gezeigt und auch etwas hätten holen können. Leider hat es da aber noch nicht so richtig geklappt. Jetzt haben wir in Augsburg vielleicht mal nicht so gut gespielt, aber dafür die Punkte mitgenommen. Deswegen waren wir alle sehr glücklich.

bundesliga.de: Glauben Sie, dass der Knoten jetzt geplatzt ist?

Süle: Ja, schon gegen Dortmund (beim 1:1-Unentschieden drei Tage zuvor, die Red.) haben wir eine ansprechende Leistung geboten. Mit ein bisschen Glück hätten wir da vielleicht auch drei Punkte holen können. Mit den vier Punkten aus den beiden letzten Spielen haben wir nun eine kleine Serie gestartet, die wir nach Möglichkeit am Samstag fortsetzen wollen. Ich bin zuversichtlich, dass wir gegen Stuttgart die drei Punkte holen können.

bundesliga.de: Erstaunlich war in den ersten Spielen dieser Saison, dass der Mannschaft oft eine 1:0-Führung keine Stabilität gegeben hat. Woran hat das gelegen?

Süle: Wir haben nach jedem Spiel eine Videoanalyse gezeigt bekommen, in der der Trainer die Dinge angesprochen hat, die gut oder nicht gut gelaufen sind. Wir haben die Tore oft kurz vor dem Halbzeitpfiff oder wie gegen die Bayern vor dem Abpfiff bekommen. Wir müssen einfach cleverer sein. In Augsburg sind wir wieder in Führung gegangen und haben dann vor der Halbzeit aufgehört, Fußball zu spielen. Aber wir sind dann stark in der zweiten Halbzeit aufgetreten, haben nur noch Weitschüsse zugelassen und unsere Konter gut gefahren. Diesen Weg müssen wir weiter einschlagen: defensiv als Mannschaft unsere Aufgaben erledigen und mit unsere schnellen Spielern vorne unsere Konter gut ausspielen und nutzen. Wenn wir gegen den VfB so auftreten wie gegen Augsburg, haben wir gute Chancen, die drei Punkte zuhause zu behalten.

"Ich musste mich nach der Verletzung wieder beweisen"

bundesliga.de: Sie selbst haben nach langer Verletzungspause wegen eines Kreuzbandrisses in dieser Saison eine Art Neustart gemacht. Wie sind Sie mit der Verletzung umgegangen, wie geht es Ihnen persönlich?

Süle: Es ist für mich sehr erfreulich, dass in dieser Saison noch keine Minute verpasst habe. Als ich mich verletzt hatte, war es von Anfang an mein Ziel, dass ich in dieser Saison wieder voll da bin. Das ist mir ganz gut geglückt. Es war eine lehrreiche Zeit für mich, die auch vor allem am Anfang nicht leicht war. Für mich war es eine neue Situation, bei den Spielen verletzt auf der Tribüne im Stadion zu sitzen und der Mannschaft zuzuschauen. Das Gefühl kannte ich noch nicht, weil ich immer fit war. Während der Reha habe ich neue Leute kennengelernt, die mir auch in Zukunft helfen werden. Es war nicht alles schlecht an der Verletzung, weil ich dadurch auch ein Stück weit professioneller geworden bin. Sie war aber auch nicht einfach. Ich bin froh, dass ich jetzt wieder dabei bin.

bundesliga.de: Und der Trainer setzt auf Sie und hat Sie in jeder Partie durchspielen lassen. Wie gut tut dieses Vertrauen und diese Wertschätzung?

Süle: Sehr. Ich konnte nach der Reha in der Vorbereitung wieder voll einsteigen und wollte mich direkt empfehlen. Ich musste mich wieder beweisen, anscheinend hat das ganz gut geklappt. Ich bin wieder im Team, und das freut mich natürlich.

bundesliga.de: Nach Ihrer Verletzung im vergangenen Dezember ging es mit der TSG Hoffenheim sportlich in der Rückrunde bergab. Auch der Start in die neue Saison verlief nicht optimal. Wie ist dieser Rückschritt nach der starken Vorrunde in der Vorsaison zu erklären?

Süle: Ich sehe das nicht als Rückschritt. Wir hatten einen großen Umbruch im Kader und haben jetzt eine sehr junge Mannschaft. Viele Spieler, die hier jahrelang gespielt und den Verein ein Stück weit getragen habe, sind nicht mehr hier. Man denke nur an Andreas Beck oder Sejad Salihovic. Es ist dann normal, dass sich eine Mannschaft mit vielen Neuzugängen erst finden muss. So schlecht hat das gar nicht funktioniert, wenn ich an unsere Spiele in Leverkusen oder gegen die Bayern denke (die beide nach Führung knapp mit 1:2 verloren wurden, die Red.). Wir hatten diese zwei schweren Gegner direkt zum Start, hinzu kam die unglückliche Pokalniederlage bei 1860 München. Es kam viel zusammen und hätte auch anders laufen können. Nach diesen drei Niederlagen zum Start ist es nicht so leicht, aus der Situation wieder herauszukommen. Dann steigt der Druck. In den letzten Spielen haben wir versucht, den Druck beiseite zu schieben und uns nur auf unsere Aufgaben zu konzentrieren. Wenn wir Stuttgart am Samstag schlagen, sieht es wieder ganz anders aus.

"Es wird ein kampfbetontes Derby"

bundesliga.de: Für Sie steht am Samstag ein Jubiläum an.

Süle: Richtig, ich bestreite mein 50. Bundesliga-Spiel.

bundesliga.de: Das ist für jemanden, der erst vor drei Wochen zwanzig Jahre alt geworden ist, bereits eine stattliche Anzahl.

Süle: Dafür, dass ich auch ein halbes Jahr verletzt war, ist das schon okay.

bundesliga.de: In Ihrem Jubiläumsspiel treffen Sie im Baden-Württemberg-Derby auf den VfB Stuttgart. Beide Mannschaften hinken trotz guter Leistungen den Erwartungen tabellarisch hinterher. Wie schwer wird die Aufgabe?

Süle: Auch Stuttgart hat bisher einen guten Fußball gespielt. Der VfB hat in der Offensive mit Spielern wie Didavi, Ginczek oder Werner viel Qualität. Da wird einiges auf uns zukommen. Wir müssen versuchen, hinten gut zu stehen und mit nach den guten letzten Spielen mit breiter Brust auftreten. Wir werden uns nicht verstecken und wollen unsere Chancen gut ausspielen. Es wird ein kampfbetontes Derby, in dem es um viel geht. Wir sind alle heiß.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski