Zwei Hobbys unterscheiden Andreas Beck vom "normalen" Fußballprofi: Der 21-Jährige fährt ein Auto, das fast so alt ist wie er, und schmökert gerne in Büchern, vorzugsweise von Friedrich Nietzsche oder Fjodor M. Dostojewski.

Im Interview mit bundesliga.de begründet der in West-Sibirien geborene, aber in Deutschland aufgewachsene Rechtsverteidiger, warum er vom VfB Stuttgart zu 1899 Hoffenheim gewechselt ist.

Außerdem spricht er über seinen Beinahe-Transfer zu Spartak Moskau, verrät, worin der Wahnsinn beim Aufsteiger besteht und warum ein zukünftiges Kräftemessen auf Augenhöhe mit dem FC Bayern "nicht utopisch" ist.

bundesliga.de: Herr Beck, wie verliefen Ihre ersten Tage im neuen Club? Welche Unterschiede konnten Sie bislang zum VfB Stuttgart ausmachen?

Andreas Beck: Es ist alles sehr spannend, ich lerne viele neue Ansätze kennen, gerade hatten wir zum Beispiel ein Gespräch mit der Ernährungsberaterin. Im Vergleich zum VfB ist das Umfeld in Stuttgart turbulenter, sowohl was die Presse als auch die Fans betrifft. Von der Intensität und Qualität der Trainingseinheiten her gibt es aber kaum Unterschiede. Es wird viel Wert auf spielerische Qualität gelegt, das gefällt mir.

bundesliga.de: Eigentlich hatten Sie sich zum Ziel gesetzt, beim VfB Stammspieler zu werden, nun wechselten Sie nach Hoffenheim. Halten Sie es mit Friedrich Nietzsche, der sagte: "Der denkende Mensch ändert seine Meinung"?

Beck: Auf jeden Fall! Ich habe grundsätzlich den Antrieb, in der Bundesliga eine feste Größe zu sein, egal ob beim VfB oder mit Hoffenheim. Jetzt bin ich hier und will dieses Ziel verwirklichen.

bundesliga.de: War Ihnen die Konkurrenz zu groß in Stuttgart?

Beck: Nein, ich bin auch in Stuttgart auf meine Einsätze gekommen, wenn ich fit war. Aber ich möchte jetzt einfach den nächsten Schritt machen und in meiner persönlichen Entwicklung vorankommen. Das sehe ich hier in Hoffenheim mit dem Trainerstab, dem jungen Team und den sonstigen Rahmenbedingungen gegeben.

bundesliga.de: Haben Sie in den Gesprächen mit Trainer Ralf Rangnick und Manager Jan Schindelmeiser eine Stammplatzgarantie bekommen?

Beck: Nein, überhaupt nicht, ich muss mich hier auch der sportlichen Konkurrenz stellen. Ich habe einfach gemerkt, dass sie mich unbedingt nach Hoffenheim holen wollten. Die Gespräche liefen schon sehr lange, das Interesse von Ralf Rangnick besteht seit über eineinhalb Jahren. Diese Hartnäckigkeit hat mich beeindruckt und schließlich überzeugt.

bundesliga.de: Nietzsche hat auch gesagt: "Wahnsinn bei Individuen ist selten, aber in Gruppen, Nationen und Epochen die Regel." Welcher Wahnsinn herrscht bei 1899 Hoffenheim?

Beck: Wie ich das in dieser kurzen Zeit mitbekommen habe, arbeitet hier jeder wahnsinnig an sich. Es ist geradezu eine Selbstverständlichkeit, alles aus sich herauszuholen. Jeder gibt hier unheimlich Gas, das finde ich sehr gut.

bundesliga.de: Apropos Gas geben: Während andere Fußballprofis gerne teure Sportwagen fahren, cruisen Sie mit Ihrem alten Saab 900, Baujahr 1989, herum. Haben Sie den in Hoffenheim schon herumgezeigt?

Beck: Nein, noch nicht. Im Moment fahre ich einen Mietwagen, weil ich derzeit in Heidelberg im Hotel wohne und jeden Tag pendeln muss. Beim Saab besteht doch die Gefahr, dass er ab und zu mal stehen bleibt, außerdem hat er keine Klimaanlage. Aber ich möchte ihn auf jeden Fall behalten.

bundesliga.de: Sie hatten in der Winterpause auch ein Angebot von Spartak Moskau vorliegen. War der Grund für Ihre Absage, dass Ihr Saab die 2.600 Kilometer bis dorthin nicht mehr geschafft hätte?

Beck: (lacht) Nein! Es stimmt, dass ich im Winter eigentlich schon mit einem Bein in Moskau war. Das Angebot von Spartak hat mich sehr geehrt, denn mir bot sich die Chance, international zu spielen. Und beim VfB hatte ich bis dato so gut wie keine Einsätze. Aber da ich ab November doch regelmäßig in Bundesliga und Champions League gespielt hatte, schob der VfB den Riegel vor. Mein Bauchgefühl hat mir außerdem geraten, die Rückrunde noch in Stuttgart zu bleiben und alles zu geben.

bundesliga.de: Hoffenheim hat eine junge Mannschaft, in der abgelaufenen Saison betrug das Durchschnittsalter 23 Jahre. Glauben Sie, dass die Jugend ein Vorteil für die kommende Bundesliga-Saison ist?

Beck: Ich denke, das junge Alter muss zumindest kein Nachteil sein. Klar sind hier viele junge Spieler, aber wir haben auch erfahrene Leute wie Francisco Copado, Selim Teber oder Jochen Seitz. Die fehlende Erfahrung müssen wir mit einem taktischen Plan im Hinterkopf und mit Kreativität gemeinsam als Mannschaft wettmachen. Dafür haben wir die richtigen Akteure im Kader, die einen gepflegten Fußball spielen können.

bundesliga.de: Viele Fans und Experten glauben, dass Hoffenheim mit der Unterstützung von Dietmar Hopp in Zukunft dem FC Bayern München Konkurrenz machen kann. Sie auch?

Beck: Das habe ich auch schon oft gelesen und gehört. Aber darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Es wäre schön, wenn das Ganze irgendwann mal diese Entwicklung nehmen könnte. Die Betonung liegt auf "könnte", aber utopisch ist es sicherlich nicht.

Das Gespräch führte Denis Huber