Hamburg - Es sollte das große Schaulaufen im Kampf um die Tickets für die EURO 2012 in Polen und der Ukraine werden. Doch der so genannte zweite Anzug der deutschen Nationalmannschaft präsentierte sich im Testspiel in Basel in Abwesenheit der Bayern-Spieler desolat. Beim 3:5 gegen keineswegs übermächtige Schweizer klappte so gut wie nichts. Am Spielfeldrand sah man den Bundestrainer Joachim Löw deshalb auch so aufgeregt und zornig wie lange nicht mehr.

"Das hätten wir nicht gedacht. Über das Ergebnis kann man sich nicht freuen. Es war eine gefährliche Phase in der Vorbereitung. Nach vielen intensiven Einheiten hat die Konzentration gefehlt. Es sind viele Fehler passiert", analysierte Löw die zwölfte Niederlage in seiner Ära. Es war die zweite in Folge nach dem 1:2 Ende Februar gegen Frankreich.

Galgenhumor bei den Spielern



Doch trotz des mageren Auftritts hielt sich die Enttäuschung bei den meisten Spielern und Verantwortlichen irgendwie in Grenzen - das Debakel wurde eher mit einem Schuss Galgenhumor genommen.

"Es hat recht wenig gepasst in der Defensive. Das Spiel war geprägt von Unsicherheiten. So etwas passiert leider, aber besser jetzt als am 9. Juni gegen Portugal", sagte Mats Hummels. Und Abwehrchef Per Mertesacker meinte: "Wir haben zum Glück noch ein wenig Zeit. Das ist die beste Erkenntnis aus diesem Spiel."

Nur Reus mach Spaß



Eine andere Erkenntnis ist aber auch, dass sich von den vermeintlichen Wackelkandidaten für den Kader, den Löw am Dienstag benennen wird, nur wenige Spieler nachdrücklich empfehlen konnten. Einzig positiv präsentierte sich nach seiner Einwechslung nur der künftige Dortmunder Marco Reus (XL-Galerie: DFB-Stars in der Einzelkritik).

Gladbachs Torhüter Marc-Andre ter Stegen hatte überraschend im Tor gestanden - erwischte aber wie so viele andere einen Tag zum Vergessen. Fünf Gegentreffer beim Debüt, das hatte sich der 20-Jährige wohl auch anders vorgestellt. Julian Draxler konnte sich trotz eines erfrischenden Auftritts auch nicht so recht über sein erstes Länderspiel freuen.

Letzter Test gegen Israel



Routinier Miroslav Klose, der das Team als Kapitän aufs Feld geführt hatte, fand zum Auftritt der Mannschaft kritische Worte, Entschuldigungen ließ er nicht gelten: "So eine Leistung ist nicht erklärbar. Wir sollten nicht nach Ausreden suchen. Das ist reine Kopfsache. Wir haben mit der ganzen Mannschaft nicht gut gestanden."

Besser machen kann es der endgültige Kader schon am Donnerstag gegen Israel, im letzten Test vor dem EURO-Auftakt. Dann sind auch wieder die Spieler des FC Bayern München dabei, die nach den strapaziösen Wochen mit DFB-Pokal- und Champions-League-Finale in Basel geschont und schmerzlich vermisst wurden.

Hitzfeld macht Mut



"Einige Spieler haben gefehlt, die unser Spiel prägen. Mit den Bayern-Spielern gehen wir zur Normalität über. Ab Montag beginnt die Vorbereitung auf die EM. Wir haben noch zwei Wochen Zeit, die Abstimmung wird besser werden - ich habe keine Bedenken", sagte Löw aus voller Überzeugung.

Löws Schweizer Gegenüber Ottmar Hitzfeld pflichtete dem Bundstrainer bei und zog nach dem Coup seiner Mannschaft auch noch ein nicht ganz abwegiges Fazit. "Ich glaube, das ist ein gutes Omen. Wir haben bei der WM in Südafrika als einziges Team gegen Spanien gewonnen, und die sind dann Weltmeister geworden. So kann es Deutschland bei der EM jetzt auch gehen", erklärte er.

Michael Reis