Freiburg - Der SC Freiburg steckt vor dem 32. Spieltag mitten im Abstiegskampf. Ausgerechnet in dieser Situation wurde Nicolas Höfler zum Innenverteidiger umgeschult. Im Interview mit scfreiburg.com spricht Höfler über diese Erfahrung und die kommende Aufgabe gegen den Hamburger SV.

Frage: Herr Höfler, Abstiegskampf ist bekanntlich Kopfsache und mitunter auch mal Glückssache, wie am Sonntagnachmittag beim 1:0-Führungstreffer des HSV beim 1. FSV Mainz 05 zu sehen war, als der Mainzer Julian Baumgartlinger eine Flanke von HSV-Verteidiger Heiko Westermann ins eigene Tor abfälschte.

Nicolas Höfler: In der Bundesliga ist alles so eng beieinander, dass in den meisten Spielen Kleinigkeiten über Sieg oder Niederlage entscheiden. Viele dieser Kleinigkeiten sind Kopfsache. Das Glück kann man auch mal erzwingen, indem alle miteinander für das gleiche Ziel arbeiten, mit oder gegen den Ball.

"So eine Niederlage nagt an mir"

Frage: In den vergangenen zwei Spielen haben Sie auf einer für Sie ungewohnten Position gespielt. Beim 2:2 in Stuttgart haben Sie in der zweiten Halbzeit und gegen Paderborn über die volle Distanz in der Innenverteidigung gespielt.

Höfler: In Stuttgart war es, das mag jetzt zwar blöd klingen, eigentlich leichter für mich. Wir lagen zur Halbzeit 0:2 zurück, sind aus der Kabine gekommen und wussten, dass wir nichts mehr zu verlieren hatten. Also haben wir munter drauflos gespielt und alles probiert, um dem Spiel noch eine Wende zu geben. Was ja ganz gut geklappt hat.

Frage: Ihr Trainer Christian Streich hat nach der 1:2-Niederlage gegen den SC Paderborn 07 (Spielbericht) gesagt, dass "wir jetzt aufstehen und mit solchen Dingen umgehen müssen". Wie haben Sie versucht, den Rückschlag auf dem Weg des Sport-Club zum Klassenerhalt zu verarbeiten?

Nicolas Höfler: Ich beschäftige mich am Abend nochmal intensiv mit unserem Spiel, sowohl mit den guten als auch den schlechten Dingen. So eine Niederlage wie am Samstag nagt natürlich länger an mir und wirft einige Fragen auf.

Frage: Zum Beispiel?

Höfler: Warum wir es in der zweiten Halbzeit kaum noch geschafft haben, unsere Stärken auf den Platz zu bringen? Wir sind nach der Pause zu passiv gewesen und haben nicht das getan, worauf wir uns in der Halbzeit verständigt hatten: weiter mutig Fußball zu spielen. Wir hatten viele Ballverluste und haben zu viel zugelassen. Dadurch haben wir Paderborn wieder aufgebaut.

"Sind überzeugt, dass wir die Qualität haben"

Frage: Wie wollen Mannschaft und Trainerteam die verbleibenden drei Partien angehen?

Höfler: Darüber haben wir am Sonntag beim Ausradeln viel gesprochen. Wir alle wissen, was die Stunde geschlagen hat. Wir sind alle miteinander davon überzeugt, dass wir die Qualität haben, fußballerisch und mental, um im Abstiegskampf zu bestehen. Wir haben festgestellt, dass uns gegen Paderborn in einigen Situationen der Mut zum Risiko und die Entschlossenheit im Spiel nach vorne gefehlt haben. Jetzt geht es in den nächsten Tagen darum, den Kopf frei zu bekommen und uns auf dem Trainingsplatz wieder Selbstvertrauen zu erarbeiten und von diesem Negativerlebnis zu lösen.

Frage: Die nächste Aufgabe im Abstiegskampf steht bereits am kommenden Freitagabend beim Hamburger SV an (ab 20:00 Uhr im Liveticker). Worauf stellen Sie sich ein?

Höfler: Auf ein intensives Spiel bei einem Gegner, der sich wieder berappelt hat. Unter dem neuen Trainer Bruno Labbadia haben sie gerade zwei Mal in Folge gewonnen und werden mit den eigenen Fans im Rücken natürlich Vollgas geben. Der HSV hat richtig viel Qualität in seinen Reihen, konnte die in dieser Saison aber nicht so oft auf den Platz bringen, sonst würden sie ja nicht mit uns da unten drinnen stehen. Ich bin mir sicher: Wir werden uns auch in diesem Spiel Möglichkeiten erarbeiten. Und die wollen wir nutzen, um dieses wichtige Spiel für uns zu entscheiden.

Frage: Das ist dem SC Freiburg in der jüngeren Vergangenheit in Hamburg ziemlich gut gelungen. In den vergangenen fünf Jahren hat der SC an der Elbe nicht verloren. In vier Spielen gab es drei Freiburger Siege und ein Unentschieden.

Höfler: Was in der Vergangenheit war, ist nicht wichtig. Was der SC in den vergangenen Jahren in Hamburg geleistet hat, ist erfreulich, bringt uns aber bei der Vorbereitung auf unsere Aufgabe nicht viel. Wir konzentrieren uns auf die Gegenwart und unsere tägliche Arbeit auf dem Platz. Es geht jetzt darum, dass wir alles ausblenden, was uns bei der täglichen Arbeit ablenken könnte. Damit wir mit einem guten Gefühl nach Hamburg fahren können. Denn dort wollen wir die Grundlage für einen erfolgreichen Endspurt legen.

Das komplette Interview mit Nicolas Höfler finden Sie bei scfreiburg.com.