Hamburg – Mit seinen Sprints und vielen Tempodribblings ist Nicolai Müller schnell zur unverzichtbaren Waffe im Spiel des Hamburger SV geworden. Der Sommerneuzugang vom 1. FSV Mainz 05 konnte im Nordderby gegen Werder Bremen zwar keinen Treffer zum 2:0 beisteuern, er hatte mit seiner Laufarbeit aber dennoch entscheidenden Anteil daran, dass die „Rothosen“ am 12. Spieltag die Abstiegsränge verlassen konnten.

Im Interview spricht Müller über die Partie gegen den Erzrivalen aus der Nachbarstadt, die Torflaute bis dahin beim HSV und die anstehende Aufgabe in Augsburg.

bundesliga.de: Herr Müller, wie groß ist die Freude über einen am Ende vielleicht etwas glücklichen Erfolg?

Nicolai Müller: Es gibt auch für so einen Sieg nur drei Punkte. Und die haben dieses Mal wir geholt. Sie waren aber auch extrem wichtig für uns.

"Rafa ist auf dem Platz enorm wichtig"

bundesliga.de: Was war der Schlüssel zum Sieg gegen den Erzrivalen?

Müller: Wir haben sofort gut ins Spiel gefunden und wollten spielerisch Akzente setzen. Wir haben es leider nicht so richtig geschafft, uns im Strafraum gute Chancen herauszuspielen. Aber wir waren dominant, haben gedrückt und wurden dafür spät belohnt. Das sind die schönsten Siege.

bundesliga.de:Haben Sie die Bremer so defensiv eingestellt erwartet?

Müller: Ja, eigentlich schon. Das hat sich in den vergangenen Spielen schon abgezeichnet, in denen sie auch relativ tief agiert haben. Wir haben sie so erwartet und diese Spielweise angenommen.

bundesliga.de: Was sagen Sie zum Auftritt von Mohamed Gouaida, dem fünften Debütanten aus der U 23 unter Joe Zinnbauer?

Müller: Das finde ich total schön, dass die jungen Leute eine Chance bekomme und dann noch so ein Topspiel abliefern. Ich glaube, dass Mohamed vor dem Spiel aber auch tierisch nervös war.

bundesliga.de: Inwieweit hilft da ein Spieler wie Rafael van der Vaart, der zuletzt mehr aus der Defensive heraus die Fäden beim HSV zieht?

Müller: Für uns ist es enorm wichtig, wenn Rafa auf dem Platz steht. Mit seiner Erfahrung und seiner Präsenz hilft er uns immer weiter.

bundesliga.de: Lediglich vier Saisontore hat der HSV vor dem Sieg gegen Werder geschossen. Wie sind Sie als Offensivspieler damit umgegangen?
 
Müller: Natürlich spielt der Kopf immer mit und eine große Rolle. Die Leichtigkeit fehlt uns zurzeit vor dem Tor. Aber vielleicht war es mal gut, dass wir gleich zwei Treffer erzielt haben.

"Eine Serie täte uns jetzt gut"

bundesliga.de: Der HSV ist mit dem Dreier wieder auf einen Nichtabstiegsplatz geklettert. War der Sieg gegen Bremen ein großer Schritt in die richtige Richtung?

Müller: Ich schaue gar nicht so sehr auf die Tabelle. Ich möchte mit dem HSV einfach nur Punkte sammeln. Denn schließlich sieht man ja, wie schnell es gehen kann: Mit einem Erfolg ist man über dem Strich, bei der nächsten Niederlage vielleicht schon wieder unten drin. Eine Serie täte uns jetzt sicherlich gut.

bundesliga.de: Was muss dafür anders werden?

Müller: Wir müssen endlich auch auswärts Konstanz in unser Spiel bekommen. Und deshalb wollen wir unbedingt in Augsburg punkten, um nicht wieder in die Situation wie vor dem Werder-Spiel zu geraten.

bundesliga.de: Und wie sehen Sie die Chancen auf einen Sieg in Augsburg?

Müller: Die Partie in Augsburg gehört wohl zu den schwierigsten Auswärtsspielen. Denn der FCA zählt zu den heimstärksten Clubs in der Bundesliga. Aber wir werden uns jetzt gut vorbereiten und dann schauen wir mal, was dabei herauskommt.

Das Gespräch führte Michael Reis