Hamburg - Den Spielern und Verantwortlichen des Hamburger SV stand die Enttäuschung nach dem Schlusspfiff am Freitag gegen den FC Bayern München ins Gesicht geschrieben. Die "Rothosen" wollten sich als Verfolger des Spitzenduos aus Dortmund und Mainz etablieren - das 0:0 war da aber eher ein Rückschritt.

"Wir wussten, dass es ein guter Zeitpunkt ist, um mit einem Sieg gegen die Bayern den Anschluss nach ganz oben herzustellen. Und deshalb sind wir schon sehr enttäuscht, dass es nicht mit dem 'Dreier' geklappt hat", erklärte Arbeitsbiene Tomas Rincon gegenüber bundesliga.de.

"Es bleibt der FC Bayern"

Dass der Rekordmeister in der Imtech Arena eher mit einer stark ersatzgeschwächten Elf angetreten ist, wollte Joris Mathijsen nicht als Entschuldigung für den Auftritt der Münchener in Hamburg nehmen.

"Wir dürfen nicht vergessen, dass wir gegen den FC Bayern München gespielt haben und nicht gegen irgendein Team. Auch wenn den Bayern einige Stammspieler gefehlt haben, es bleibt am Ende immer noch der FC Bayern", erklärte der niederländische Nationalspieler.

Veh freut sich über die Null

Mathijsen hatte großen Anteil daran, dass die Hanseaten zum zweiten Mal in Folge ohne Gegentor blieben - an den ersten sieben Spieltagen kassierte der HSV immer mindestens einen Treffer. "Wir haben wieder zu Null gespielt und das freut mich als Trainer natürlich sehr. Erst in Mainz und jetzt gegen einen Gegner wie Bayern, der enorme Qualität besitzt", stellte Trainer Armin Veh zufrieden fest.

Auch Collin Benjamin war maßgeblich an der guten Abwehrleistung beteiligt. Der Namibier kam rechts in der Viererkette zu seinem ersten Spiel in der HSV-Startelf seit dem 23. Mai 2009. Seinen Auftritt wollte der Routinier aber nicht überbewerten. "In der Bundesliga muss man in jedem Spiel an die Grenze gehen. Ist doch klar, dass ich gebrannt habe", sagte Benjamin.

Drobny feiert Premiere

Einziger Wermutstropfen für die Hausherren am Freitagabend war die Verletzung von Torwart-Ikone Frank Rost. Nach einem Zusammenprall mit Bastian Schweinsteiger musste Rost mit einer Bänderverletzung am Knie ausgewechselt werden. Jaroslav Drobny kam zu seinem ersten Bundesliga-Spiel im Trikot mit der Raute auf der Brust.

"Es ist natürlich schade, dass Frank sich verletzt hat und ich so zu meinem ersten Einsatz gekommen bin. Dennoch habe ich mich über mein Debüt gefreut", sagte Drobny nach seiner Premiere: "Vor dieser tollen Kulisse in so einem Klassiker reinzukommen - es war ein tolles Erlebnis."

"Wir haben großes Potenzial"

Doch wie ist das Remis gegen die Bayern für den weiteren Saisonverlauf zu bewerten? Trainer Veh schaute positiv in die Zukunft: "Ich habe immer gesagt, dass auch wir großes Potenzial haben. Wir besitzen viele gute Einzelspieler, müssen unsere Leistung jedoch immer als Team abrufen. Mit sieben Punkten aus den letzten drei Spielen können wir zufrieden sein, darauf lässt sich aufbauen."

Das sieht Rincon, der zum zweiten Mal in Folge als "Sechser" im 4-4-2-System mit Raute agierte, ähnlich: "Es hätte vielleicht ein bisschen mehr sein können. Aber wir sind stark genug, um in der Spitzengruppe mitzuspielen. Und dafür werden wir auch weiterhin alles geben."

Pitroipa mit Nachholbedarf

Chancen, wie die von Jonathan Pitroipa kurz vor dem Ende gegen die Bayern, dürfen die Hamburger dann aber nicht mehr auslassen. Der Flügelflitzer setzte ein tolles Zuspiel von Mladen Petric völlig freistehend an den Pfosten. Schon am Mittwoch im DFB-Pokal kann Pitroipa aber beweisen, dass er es besser kann.

"Die Chance von Pitroipa war sicherlich die entscheidende Szene - beziehungsweise sie hätte es werden können. Wenn er den Ball reinmacht, gewinnen wir das Spiel, da bin ich mir ganz sicher", meinte Piotr Trochowski: "Doch das ist kein Problem, im Pokal gegen Frankfurt macht er ihn einfach rein."

Aus der Imtech Arena berichtet Michael Reis