Das Original der Meisterschale ist in Wolfsburg, die große Sause vor dem Rathaus bereits organisiert - aber Bayern München und der VfB Stuttgart können die "Wölfe" doch noch zum Heulen bringen.

Mit zwei Punkten Vorsprung auf die beiden Verfolger geht der VfL Wolfsburg am Samstag als Tabellenführer ins Saisonfinale der Bundesliga (ab 15 Uhr im Live-Ticker / Liga-Radio). Ein Remis gegen Werder Bremen dürfte angesichts der Tordifferenz zum Gewinn des ersten Titels der Vereinsgeschichte reichen. Sollte der VfL aber patzen, hat der Sieger des direkten Duells zwischen Bayern und dem VfB beim Abpfiff die Nase vorn.

Wolfsburg zuhause noch ungeschlagen

"Es wird eine haarige Partie, in der wir ein letztes Mal an unsere Leistungsgrenze gehen müssen. Mir wäre es lieber gewesen, Bremen hätte im UEFA-Cup-Finale gegen Donezk gewonnen. Zufriedene Spieler sind manchmal weniger leistungsbereit", sagt Felix Magath.

Wolfsburgs Trainer ist mit seinem Team in der laufenden Saison zuhause noch ungeschlagen und will seine Arbeit beim VfL vor dem Wechsel zu Schalke 04 mit dem Titel krönen.

Bei aller Euphorie im Umfeld warnt auch Aufsichtsrats-Vize Stephan Grühsem vor den Bremern: "Das wird kein Schaulaufen. Das werden die wichtigsten 90 Minuten der Wolfsburger Sportgeschichte." Zumal Werder-Keeper Tim Wiese nach der 1:2-Niederlage im Endspiel des Europacups gegen Schachtjor Donezk versprach: "Ganz Deutschland schaut auf uns. Wir werden bestimmt nichts abschenken."

FC Bayern München - VfB Stuttgart

Bei den Bayern übt man sich derweil in Understatement. "Die Wolfsburger werden sich den Titel nicht mehr nehmen lassen", meint Trainer Jupp Heynckes. Auch Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge fordert von den Spielern vornehmlich Konzentration auf die eigene Situation.

Schließlich geht es gegen Stuttgart nicht nur um den Titel, sondern auch um die Teilnahme an der Champions-League. Sollten die Münchener verlieren und Hertha BSC zeitgleich beim Karlsruher SC gewinnen, könnten die Bayern sogar auf Platz 4 abrutschen.

"Unsere Mannschaft muss gegen Stuttgart alles in die Waagschale werfen, um zu gewinnen", sagt Rummenigge: "Wir müssen an der Champions League teilnehmen und werden den Gegner nicht unterschätzen. Aber es wird schwierig." Auch Heynckes weist auf die Dramatik des Saisonabschlusses hin: "Das wird ein Herzschlagfinale und ist nichts für schwache Nerven."

Babbel plant keinen Ausflug

Beim VfB ist die Gefahr, am Ende ohne die Teilnahme an der "Königsklasse" planen zu müssen sogar noch größer. Schon bei einem Remis in München und einem Sieg der Hertha wäre der Traum geplatzt. Dennoch geben sich die Schwaben betont gelassen.

Der Kampf um den Titel sei "gegessen", meint Teamchef Markus Babbel, verspricht aber zumindest einen heißen Tanz um die Qualifikation für die Champions League: "Das wird eine Herkulesaufgabe. Wir haben die Chance, etwas Außergewöhnliches zu schaffen und fahren nicht da hin, um einen Ausflug zu machen."

Die Berliner, die lange Zeit selbst gut im Rennen um die Meisterschaft vertreten waren, wollen nach dem Duell in München aber in jedem Fall als lachender Dritter dastehen. Wenn es in der Partie zwischen den beiden Konkurrenten keinen Sieger gibt, kann die Hertha die Spielzeit auf Platz 2 beenden. "Dann hätten wir die Krönung einer hervorragenden Saison geschafft", sagt Manager Dieter Hoeneß.