Dortmund - Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Und die will man beim BVB jetzt offenbar auch auskosten. Nachdem das so lange verpönte, magische M-Wort endlich ausgesprochen ist, bekennt man sich bei Borussia Dortmund mit genau so viel Lust zum Titel wie zum fulminanten Offensivfußball.

"Wenn man so viele Spieltage an der Spitze steht, dann will man es auch schaffen", lässt Kapitän Roman Weidenfeller keinen Zweifel. Auch der Sportdirektor hat spätestens nach dem Sieg gegen völlig überforderte Kölner seine verbale Zurückhaltung abgelegt. "Wir wollen Meister werden", erklärt Michael Zorc, "bei dem Vorsprung wäre es albern, wenn wir nicht Erster werden wollten."

"Keiner kann uns halten"

Die Fans vernehmen es gerne und spielen mit Mannschaft und Verein Doppelpass. "Auf dem Weg zum Ziel - keiner kann uns halten!" verkündeten die Anhänger beim Sieg gegen Köln in großen Lettern Schwarz auf Gelb per Mega-Transparent.

Hätte es noch eines Beweises bedurft, wie richtig diese Aussage ist, dann lieferte der BVB ihn gegen den 1. FC Köln. Wer auch immer gedacht haben mochte, nach dem epochalen Erfolg in München würden die Borussen einen Gang zurückschalten, sah sich getäuscht. Mit Spielfreude und Leidenschaft, mit Lust und Willen brannten die Dortmunder einmal mehr ein Offensivfeuerwerk ab.

Die Prüfung bestanden

"Einige haben gedacht, wir würden uns damit schwer tun, nach dem Sieg in München die Aufgabe gegen Köln anzunehmen, aber das war überhaupt nicht so", stellte Roman Weidenfeller zufrieden fest. Und Nuri Sahin freute sich, "dass wir gegen Köln unsere Prüfung bestanden haben."

Das Ergebnis war "eines der verdientesten 1:0 aller Zeiten" wie Jürgen Klopp es formulierte - und ganz nebenbei schon das zwölfte Saisonspiel ohne Gegentor. Denn es ging mit Hochgeschwindigkeitsfußball Richtung Kölner Tor. Mit brandgefährlichen Ecken und Freistößen. "Unser bestes Spiel nach Standardsituationen", lobte Klopp. Mit 27 Torschüssen, von denen ein halbes Dutzend allein dank der Reflexe von Michael Rensing nicht im Gehäuse landete. Mit Dominanz. Und "mit Riesenherz und Tempo. Die Mannschaft hat sich nicht zurückgenommen und weiter ihr Ding durchgezogen", freute sich der Trainer.

"Wir haben den Sieg in München vergoldet. Und wir haben der Konkurrenz gezeigt, dass wir noch nicht satt sind, und jedes Mal aufs Neue alles geben", schickte Sven Bender nach dem Erfolg schöne Grüße an die Verfolger und die nächsten Konkurrenten. Die Gier auf Erfolg, die Klopp der Mannschaft eingeimpft hat, lebt.

Rekordmarken im Visier

Und es gibt ja auch noch einiges zu gewinnen. Nicht nur, dass den Dortmundern nur noch fünf Siege bis zur Meisterschale fehlen. 61 Punkte nach 25 Spieltagen - in der Bundesliga-Geschichte war keine Mannschaft zu diesem Saisonzeitpunkt besser. Der BVB ist auf bestem Wege, den Liga-Rekord der Bayern einzustellen oder sogar zu knacken, die zwei Mal (1972/73 und 2002/03) bereits nach dem 30. Spieltag als Meister feststanden.

Aber neben dem Titel des Deutschen Meisters gibt es noch mehr Ruhm und Ehre zu ernten in Form von Allzeit-Bestmarken, die man sich als Zusatzlorbeer an das Trikot heften kann. So wie jene - umgerechnet - 79 Punkte, die Bayern München bei seinen Meisterschaften 1972 und 1973 auf dem Konto hatte.

Oder zwölf Auswärtssiege in einer Saison. Diesen Rekord kann der BVB schon am nächsten Samstag schaffen. Mit einem Sieg bei 1899 Hoffenheim würde Borussia Geschichte schreiben. Der Gegner jedenfalls sollte sich schon einmal warm anziehen, kündigt Neven Subotic an: "Wir sind in Topform! Und wir zeigen das Woche für Woche!"

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte