Freiburg - Trainer Thomas Tuchel hatte sich längst auf den Weg zum Mannschaftsbus gemacht, da stand Manager Christian Heidel immer noch im Medienraum des Freiburger Stadions - umringt von 20 Journalistinnen und Journalisten, die erfahren wollten, wie die Mainzer Offiziellen die vergangenen 90 Minuten gesehen hatten.

War wirklich der Elfermeterpfiff spielentscheidend, den Papiss Demba Cisse zum einzigen Treffer des Spiels (64.) verwandelte und mit dem Tuchel doch ein bisschen haderte? Schließlich habe Niko Bungert seinen Gegenspieler Oliver Barth allenfalls "zwei Hundertselsekunden lang" geklammert. Heidel war da vorsichtiger und prägte ein schönes Bonmot: "50 Prozent der Schiedsrichter pfeifen das, 50 Prozent nicht - und alle haben sie Recht."

"Waren nicht so wild und aggressiv"

Überhaupt wollte er die Gründe für die Niederlage lieber in der eigenen Leistung suchen. "Wir waren nicht so wild und aggressiv wie zu Beginn der Saison", sagte Heidel, "und haben aus dem Spiel heraus keine einzige Torchance gehabt." Spieler wie Lewis Holtby und Andre Schürrle, der am Samstag seinen 20. Geburtstag feierte, träten derzeit nicht mehr ganz so unwiderstehlich auf wie zu Saisonbeginn.

Leistungsschwankungen seien bei jungen Spielern allerdings so sensationell wie der Wechsel der Jahreszeiten: "Es ist doch klar, dass die nicht in jedem Spiel die Note eins bekommen." Heidel bat also darum, das Große und Ganze zu sehen. Acht Siege - und drei Niederlagen, von denen die letzten zwei an aufeinander folgenden Spieltagen zu beklagen waren. Eine Krise? "Wer dachte, dass wir 34 von 34 Spielen gewinnen, kennt sich in Mainz nicht aus."

Zwei taktisch bestens eingestellte Teams

Recht hatte er, der Mann im blauen Pullover, der kurz darauf ironisch fortführte, er werde nun "zur Krisensitzung" gehen. Das aber immerhin als Manager eines amtierenden Tabellen-Zweiten. Und auch wenn nicht zu übersehen war, woran es im Mainzer Spiel klemmte (fehlender Zug zum Tor, keine Torchance aus dem Spiel heraus), es war eben auch zu sehen, warum es kein Zufall ist, dass der 1. FSV Mainz 05 "kein Überraschungsteam, sondern eine richtig gute Mannschaft" (SC-Coach Robin Dutt) ist. So war es regelrecht beeindruckend zu sehen, wie konsequent die ganze Mannschaft gegen den Ball arbeitete. Die erste Hälfte war auch deshalb nicht sonderlich attraktiv, weil sich zwei taktisch bestens eingestellte Teams wechselseitig neutralisierten.

Und auch wenn die taktische Marschroute der Freiburger diesmal aufging - der SC zerstörte das Spiel der Mainzer, indem er selbst in deren Hälfte attackierte - das muss kein Modell für kommende Spieltage sein. Schließlich war bislang eine der herausragenden Mainzer Stärken, dass sie ihr System jederzeit ändern können. Wird Mainz also nervös? "Unsinn", sagte Geburtstagskind Schürrle, "wir haben überhaupt keinen Druck gespürt. Es ist eben nur verdammt schwer, gegen einen Gegner zu spielen, der einen so konsequent zustellt wie die Freiburger das getan haben." Es werden, prophezeite Schürrle, schon bald wieder bessere Zeiten kommen. Und schlechtere Gegner. Das wiederum hat Schürrle diplomatischer ausgedrückt: "Wir haben gegen eine gute Mannschaft verloren."

Christoph Ruf