Nach dem 1:0 in Köln am 31. Oktober 2009 blieb Hannover 96 über vier Monate ohne Sieg. Nun holten die Niedersachsen in Freiburg und zuletzt gegen Frankfurt zwei "Dreier" in Folge.

"Ein wunderschönes Gefühl", berichtet Christian Schulz erfreut nach der Partie gegen die Hessen. "Das war eine permanente Belastung", beschrieb der 26-Jährige im Gespräch mit bundesliga.de seine Erfahrung aus der monatelangen Durststrecke - zumal der Ex-Bremer als Mitglied des Spielerrats und Kapitän für den verletzten Arnold Bruggink besonders gefragt war.

Auch wenn in den kommenden Wochen die Europapokal-Aspiranten VfB Stuttgart, Hamburger SV und Schalke 04 auf dem Programm stehen, so glaubt Schulz doch fest daran, dass die "Roten" die nötigen Punkte einfahren werden. Wieviele zum Klassenerhalt nötig sind, "ist nicht so wichtig. Wir müssen nicht rechnen, sondern rennen."

bundesliga.de: Herr Schulz, warum spielt Hannover auch in der kommenden Saison in der Bundesliga?

Christian Schulz: Unsere Mannschaft ist deutlich besser, als es der Tabellenplatz zeigt. Wir haben uns nach der langen Negativserie mit den zwei Siegen gegen Freiburg und Frankfurt jetzt neues Selbstbewusstsein geholt. Das wird uns zusätzlich stark machen für die letzten Spiele.

bundesliga.de: Wie haben Sie die monatelange Durststrecke ohne Sieg erlebt?

Schulz: Das war eine permanente Belastung. Die Gedanken um die Niederlagen kamen immer wieder. Wir sind jetzt alle froh, dass wir uns und allen anderen bewiesen haben: Wir wissen noch, wie gewinnen geht.

bundesliga.de: Sie sind stellvertretender Kapitän und trugen zuletzt wegen der Verletzung von Arnold Bruggink die Binde. Gab es besondere Aufgaben abseits des Spielfeldes?

Schulz: Gerade die jungen Spieler brauchen in so einer Situation Unterstützung, aber das machen wir alle untereinander immer wieder. Wir sprechen viel miteinander. Das hat nicht unbedingt etwas mit der Kapitänsbinde zu tun. Zugegeben: Auf dem Platz ist schon etwas mehr Verantwortung zu spüren. Aber das mache ich gern.

bundesliga.de: Die Mannschaft tritt klar ersichtlich als Team auf. Hat die Krise besonders zusammengeschweißt?

Schulz: Stimmt, wir treten jetzt wieder deutlicher als Team auf. Aber ein gutes Mannschaftsklima war immer ein besonderer Teil unserer Stärke. Damit können wir viel bewegen. Jetzt müssen wir als Einheit gemeinsam den Abstieg verhindern.

bundesliga.de: Welchen Anteil hatte die Betreuung durch den Psychologen Dr. Andreas Marlovits?

Schulz: Das kann man pauschal nicht beantworten. Zurzeit greift bei uns vieles erfolgreich ineinander. Das ist gut so - war aber auch dringend nötig.

bundesliga.de: Beschreiben Sie kurz die Tage nach dem Sieg in Freiburg nach über vier Monaten ohne Sieg.

Schulz: Wir haben uns direkt nach Spielende ungeheuer gefreut - das konnte jeder sehen. Die Spieler, Trainer, Betreuer - alle lagen sich in den Armen und mit diesem Glücksgefühl sind wir auch nach Hannover zurückgekehrt. Aber jedem von uns war schnell klar: So leidenschaftlich, engagiert und konzentriert müssen wir jetzt weitermachen. Für einen Sieg in Freiburg gab es schließlich auch nur drei Punkte in der Tabelle.

bundesliga.de: Welchen Anteil haben die Fans an der Leistung der Mannschaft?

Schulz: Unsere Fans sind etwas ganz Besonderes. Sie haben uns nie fallen lassen. Sie haben viel Verständnis für uns und unsere Situation gezeigt. Jetzt wollen wir ihnen etwas zeigen und den Klassenerhalt schaffen.

bundesliga.de: Früher hieß es, 40 Punkte braucht man zum Klassenerhalt. Derzeit könnten 30 genügen. Was meinen Sie, wie viele Punkte 96 am Ende benötigen wird?

Schulz: Das ist mir nicht so wichtig. Es muss reichen, dafür werden wir nicht rechnen sondern rennen, in jedem Spiel, gegen jeden Gegner kämpfen und so die nötigen Punkte holen.

bundesliga.de: Stuttgart, HSV, Schalke, dazwischen Tabellennachbar Köln - kein leichtes Programm in den nächsten vier Partien. Was rechnen Sie sich aus?

Schulz: Wir können gegen jedes Team bestehen. Das haben wir gerade in der vergangenen Saison mehrfach bewiesen, aber auch in der Hinserie 2010. An diese Leistungen müssen wir anknüpfen. Dann geht eine Menge mehr als uns viele zutrauen.

Das Gespräch führte Jürgen Blöhs