Nach dem wenig glanzvollen 1:1 gegen China begibt sich Bundestrainer Joachim Löw im Interview auf Ursachenforschung.

Außerdem äußerst sich der Trainer zur anhaltenden Torflaute von Mario Gomez im Nationaldress, zur Rückkehr von Robert Huth in die DFB-Elf und zu positiven Effekten der Asien-Reise.

Frage: Wie lautet ihr Fazit nach dem ersten Auftritt einer deutschen Nationalmannschaft in China?

Joachim Löw: Wir haben sicher nicht auf allerhöchstem Niveau gespielt und sind deshalb auch nicht so zufrieden. Unsere Mannschaft wollte, konnte aber nicht. Mangelnde Motivation kann man den Spielern nicht vorwerfen, sie konnten aber die Vorgaben nicht umsetzen. Unser Spiel war nicht dynamisch genug, wir waren vom Handeln her in vielen Situationen zu langsam.

Frage: Sie haben nur mit einer Spitze agiert, war das nicht eine zu vorsichtige Variante?

Löw: In den wenigen Freundschaftsspielen möchte ich einige Varianten testen. Dabei weiß ich vorher, dass nicht immer alles hundertprozentig klappen kann. Wenn es wirklich um die Wurst geht, weiß ich dann, wie ich reagieren kann. Es war gegen China auch nicht geplant, dass Mario Gomez so alleine auf sich gestellt war. Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger sollten ihn in der Offensive viel mehr unterstützen. Auf hohem Niveau greift man mit zehn Mann an und verteidigt mit zehn Mann.

Frage: Gomez wartet in der Nationalmannschaft weiter auf einen Treffer, haben Sie auch weiter Geduld mit ihm?

Löw: Ohne Wenn und Aber, Mario genießt weiter mein hundertprozentiges Vertrauen. Wenn ein Stürmer über längere Zeit in der Liga und in der Nationalmannschaft nicht treffen würde, dann würde ich mir Gedanken machen. Aber Mario schießt in der Bundesliga seit drei Jahren regelmäßig seine Tore, deshalb mache ich mir keine Sorgen und bin sicher, dass schon bald auch in der Nationalmannschaft der Knoten wieder platzt.

Frage: Wie bewerten Sie das Comeback von Robert Huth?

Löw: Wir waren im Angriff aber auch in der Abwehr oftmals gedanklich zu langsam. Viele unserer zweiten Bälle landeten beim Gegner. Robert haben wir nie aus den Augen verloren. Ich kenne seine Qualitäten, er ist kopfball- und zweikampfstark. Deshalb steht er weiterhin auf unserer Liste.

Frage: Philipp Lahm spielte seit längerer Zeit mal wieder auf der rechten Seite. Was hat Sie zu dieser Umstellung bewogen?

Löw: Marcel Schäfer hat mich zuletzt auf der linken Seite beim VfL Wolfsburg überzeugt. Deshalb wollte ich ihm mal eine Chance geben. Zudem war es eine gute Gelegenheit, Philipp mal wieder auf der rechten Seite zu sehen.

Frage: Was war zudem positiv beim ersten Spiel während der Asienreise?

Löw: Alleine die Tatsache, dass einige neue Spieler dabei sind, die in den Kreis der Mannschaft hineinschnuppern können, ist für mich schon von großem Wert. Einige konnten ja auch gegen China ihr Debüt feiern, was für ihre weitere Entwicklung sehr wichtig ist. Ich freue mich schon auf das Spiel am Dienstag gegen die Vereinigten Arabischen Emirate.