Giovane Elber kam 1994 in die Bundesliga. Er spielte drei Jahre beim VfB Stuttgart, doppelt so lange beim FC Bayern München und 2005 kurze Zeit für Borussia Mönchengladbach. In 260 Bundesliga-Spielen erzielte der Stürmer 133 Tore und ist damit der beste ausländische Torschütze aller Zeiten in der Bundesliga.

Im Januar 2006 kehrte Elber zurück nach Brasilien, musste aber ein halbes Jahr später verletztungsbedingt seine aktive Karriere bei Cruzeiro Belo Horizonte beenden. Seit September 2007 ist er als Spielerscout für den FC Bayern München tätig und sichtet in Absprache mit Chefscout Wolfgang Dremmler den südamerikanischen Markt.

Im Interview mit bundesliga.de erklärt er, wie er bei seinen Spielerbeobachtungen vorgeht, gibt Tipps, was Südamerikaner bei einem Wechsel nach Deutschland beachten sollten und verrät, ob er derzeit einen Geheimtipp auf den Zettel für den FC Bayern hat.

bundesliga.de: Herr Elber, beim aktuellen Tabellenführer spielen seit Beginn dieser Saison zwei weitere Brasilianer. Kennen Sie Thiago Neves und Alex Silva?

Giovane Elber: Ja sicher, Neves hatte ich auch auf meiner Liste für den FC Bayern. Aber der Junge ist noch nicht reif für einen Wechsel an die Säbener Straße. Für ihn war es besser, dass der HSV ihn haben wollte, denn dort kann er befreiter aufspielen und in Ruhe arbeiten. Beim FC Bayern bekommst du als Neuer kaum Eingewöhnungszeit, jeder erwartet, dass man sofort einschlägt. Doch Südamerikaner brauchen ihre Zeit.

bundesliga.de: Was genau braucht denn ein Südamerikaner, um sich auf das Leben in Deutschland und den Fußball in der Bundesliga einzustellen?

Elber: Das Wichtigste ist, die Sprache zu erlernen. Außerdem müssen sich die Spieler mit der Kultur und der Mentalität des Landes beschäftigen, denn so kann man vieles besser verstehen. Spielerisch gibt es nicht viel zu verbessern, das sind alles Klassefußballer und meistens Nationalspieler in ihren Ländern. Aber oft machen die Spieler auch Fehler, wenn sie nach Deutschland kommen.

bundesliga.de: Welche Fehler?

Elber: Sie denken, der deutsche Fußball sei locker und das schaffe man mit links. Doch das ist nicht so! Man muss hart arbeiten, nicht nur im Spiel, sondern auch im Training. Dort fängt alles an. Die Südamerikaner sind etwas bequem, wollen im Training ihren Spaß haben und steigern sich erst im Spiel. Aber in Deutschland geht das nicht. Du musst schon im Training zeigen, dass du beißen kannst und unbedingt spielen willst. Nur dann kann der Trainer auf dich zählen.

bundesliga.de: Neves stand auf Ihrer Liste - welche Spieler haben Sie aktuell noch auf dem Zettel für den FC Bayern?

Elber: Naja, wir schauen uns hier in Südamerika jede Menge Spieler an und haben auch viele auf dem Zettel. Aber es braucht Zeit, bevor man sagen kann: Das ist einer für den FC Bayern. Wir versuchen genau zu verfolgen, wie die Entwicklung verläuft. Viele Spieler, die ich schon beobachtet habe, machen zwei, drei hervorragende Spiele, und dann sieht man sie drei Monate lang überhaupt nicht mehr. Ein vorschnelles Urteil kann also sehr gefährlich sein. Von heute auf morgen entscheiden wir gar nichts, sondern wir verfolgen die Leistung über einen längeren Zeitraum.

bundesliga.de: Kriegen Sie denn genaue Anweisungen, für welche Position Sie nach Neuverpflichtungen Ausschau halten sollen?

Elber: Nein, ich beobachte ganz allgemein. Wenn ein Spieler mir gefällt, schreibe ich ihn auf meinen Zettel. Danach wird er weiter beobachtet und bekommt einen Haken oder ein Kreuz. Haken bedeutet: Der Spieler muss weiter beobachtet werden; Kreuz bedeutet: Nein, den brauchen wir nicht.

Das Gespräch führte Denis Huber