Hamburg - Angst hatte er nicht, im Gegeneil: "Ich habe mich schon die ganzen Tage darauf gefreut", beschrieb Aaron Hunt seine Gefühle, wie die Fans des Hamburger SV das ehemalige Urgestein des großen Nordrivalen Werder Bremen, für den er 13 Jahre lang die Stiefel geschnürt hatte, bei dessen ersten Auftritt für die Hamburger im Volksparkstadion wohl empfangen würden.

Das Gefühl sollte den 28-Jährigen nicht täuschen. Mit freundlichem Applaus wurde Hunt von den Anhängern der Rothosen empfangen. "Es hat Spaß gemacht", resümierte der Offensivspieler nach dem 0:0 gegen Eintracht Frankfurt.

Hunt "hat gezeigt, was in ihm steckt"

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Schon beim 3:0 in Mönchengladbach hatte Hunt Werbung in eigener Sache betrieben und gezeigt, dass er dem HSV weiterhelfen kann. Und nach dem 0:0 gegen Eintracht Frankfurt war er einer der Profis, die Bruno Labbadia aus einer "geschlossenen Mannschaftsleistung" hervorhob.

"Er hat gezeigt, was in ihm steckt. Er hat klug und sehr mannschaftsdienlich gespielt", so der HSV-Trainer. Dass Hunt, wie alle Akteure der Gastgeber, gegen Ende der Partie abbauten, war ihm nicht zum Vorwurf zu machen. "Das lag daran, dass uns dann insgesamt die Klarheit im Spiel gefehlt hat“, so Labbadia. "Wir haben nur noch auf den zweiten Ball geschielt. Das ist nicht das Spiel von Aaron.

Der Gelobte war mit seiner Leistung weniger zufrieden. "Ich werde noch ein paar Spiele brauchen, um da zu sein, wo ich hin will“, gibt sich Hunt ehrgeizig. Die HSV-Anhänger werden das mit Freuden zur Kenntnis nehmen.

Labbadia hat "drei exzellente Torhüter"

Neben dem Angreifer konnten sich zwei Defensivspieler über Lob vom Trainer freuen. Ersatztorwart Jaroslav Drobny erhielt selbst von den Gästen Anerkennung. "Die Hamburger können sich bei ihm bedanken, dass für sie die Null steht", so Frankfurts Marco Russ (Interview: Marco Russ nach dem Spiel beim Hamburger SV).

"Rene (Adler; die Red.) hat nach seiner Verletzung nur zwei Mal mit der Mannschaft trainiert. Da hab' ich mich für Jaro entschieden", so Labbadia, der sich darüber freut, "dass ich mit Rene, Jaro und Andreas Hirzel drei exzellente Torhüter zur Verfügung habe. Eine komfortable Situation. Kopf und Bauch entscheiden, was zurzeit das Beste für das Team ist."

Der Lobeshymne für Drobny lauschte Armin Veh mit einem weinenden und einem lachenden Auge. "Umsonst habe ich ihn ja damals nicht geholt. Er ist ein guter Keeper mit einem guten Charakter", erinnert der Frankfurter Trainer daran, dass er es war, der den Tschechen an die Elbe gelotst hat.

Ohne Djourou kann der HSV nicht gewinnen

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Dritter im Bunde der Gelobten war Johan Djourou. Der Kapitän erweist sich in der Defensive als Turm in der Schlacht und sorgt auch nach vorne für Gefahr. Nach zehn Minuten hatte der 28-jährige Innenverteidiger Pech, als sein Schuss aus gut sechs Metern von der Latte zurück ins Feld sprang.

Wie wichtig Djourou für den HSV ist, zeigt ein Blick in die Statistik. 15 Spiele verpasste der Ex-Hannoveraner seit seinem Wechsel von der Leine an die Alster, keine dieser Partien konnte der HSV gewinnen (14 Niederlagen, ein Remis).

"Wir sind gefestigter"

Beim HSV ist man nach zwei Zitterjahren mit der späten Rettung in der Relegation auf einem guten Weg. "Wir sind gefestigter als in den letzten Jahren", so Dennis Diekmeier. Der Außenverteidiger ist sicher: "Letztes Jahr hätten wir so ein Spiel wohl noch verloren." So aber gab es eine gerechte Punkteteilung, wie sich alle Beteiligten einig waren.

Nach dem Abpfiff von Schiedsrichter Wolfgang Stark erhielt Hunt dann doch noch eine Lektion dafür, was es bedeutet ein Hamburger zu sein. Der späte Treffer von Ingolstadt zum 1:0-Erfolg in Bremen wurde im Volkspark orkanartig bejubelt. Daran muss sich der Ex-Bremer wohl noch gewöhnen.

Aus Hamburg berichtet Jürgen Blöhs