Bei Schachtjor Donezk konnte er nie richtig Fuß fassen. Jetzt setzt Werder Bremens erster Neuzugang Marcelo Moreno alles auf einen Neubeginn an der Weser.

Für seine Teamkollegen war es der Abend der Abende - für Marcelo Moreno der Endpunkt einer konstanten Fehlentwicklung: Während seine Mitspieler auf dem Rasen den vielleicht größten Triumph ihrer Karriere besiegelten, musste der torgefährliche Südamerikaner das Finale des UEFA-Cup 2009 in Istanbul - wie so viele Spiele des ukrainischen Vizemeisters - von der Bank aus verfolgen.

Kein Glück in Donezk

Aber der Blick auf den Platz des Sücrü-Saracoglu-Stadions gab dem Talent auf dem Abstellgleis dennoch Anlass zur Hoffnung - und die strahlte in Grün-Weiß.

Bereits ein Jahr zuvor hatte sich der Finalgegner der Ukrainer, Werder Bremen, um die Verpflichtung des 21-jährigen Sohns eines brasilianischen Vaters und einer bolivianischen Mutter bemüht. Vergebens. Der hoffnungsvolle Angreifer zog die ukrainische Industriestadt Donezk vor und unterschrieb dort einen Fünfjahresvertrag.

Ein Fehler, wie sich bald herausstellte. Unter Trainer Mircea Lucescu konnte er sich nie etablieren und kam immer weniger zu Einsätzen. "Ich hatte keine Spielpraxis und meine Stärken eingebüßt", erklärt Moreno rückblickend: "Schritt für Schritt habe ich mein Selbstvertrauen verloren. Ich habe die Logik des Trainers nie verstanden". Er habe sich in Donezk mehr und mehr "wie ein Fremder gefühlt" - das verpasste UEFA-Cup-Finale wurde zum traurigen Symbol einer gescheiterten Zusammenarbeit.

Bremen ruft zum zweiten Mal

Der erneute Ruf aus Bremen kam für den Stürmer wie eine Erlösung: "Ich bin sehr glücklich und dankbar, dass Werder mir eine zweite Chance gibt", erklärte Moreno. In Bremen hat man den Glauben an Morenos Talent nie verloren, das er vor dem Wechsel in die Ukraine in seiner südamerikanischen Heimat regelmäßig unter Beweis gestellt hatte.

Bei seinem ersten Proficlub, dem brasilianischen EC Vitoria, erzielte er in 36 Spielen stolze 24 Tore. Bei seiner nächsten Station, dem Cruzeiro EC, traf er in 32 Begegnungen 19 Mal und in der bolivianischen Nationalmannschaft glänzte er mit sieben Treffern in zwölf Spielen.

Bescheidene Ziele

An diese Leistungen will Moreno nach dem verlorenen Jahr in Donezk nun in Bremen anknüpfen. Seine Ziele für seine erste Saison an der Weser steckt Moreno sehr bescheiden: "Das Wichtigste für mich ist, erstmal im Team anzukommen und mich dort gut einzubringen. Ich möchte mich außerdem natürlich beim Trainer für die erste Elf anbieten. Ich hoffe, meine Arbeit gut zu machen, schnell das Vertrauen der Mannschaft zu gewinnen und dem Team auf dem Spielfeld helfen zu können", sagte Moreno.

Die Zähler stehen also wieder auf Null für Marcelo Moreno. Die Aussichten auf einen erfolgreichen Neustart unter Thomas Schaaf stehen gut. Und vielleicht erlebt der Stürmer dann doch noch seinen persönlichen Abend der Abende. Aber diesmal in seiner Farbe der Hoffnung - in Grün-Weiß.

Norbert Obkircher