München - Zwölf Monate sind für die meisten Menschen keine sonderlich lange Zeit. In der schnelllebigen Welt des Fußballs kann innerhalb eines Jahres dagegen schon alles komplett anders sein, das erfährt Markus Rosenberg momentan am eigenen Leib.

Bei Werder Bremen geriet der Schwede nach einem "Seuchenjahr" im vergangenen Sommer ein wenig ins Abseits, der Verein entschied sich zu einem Ausleihgeschäft mit Racing Santander. In Spanien knüpfte der Stürmer wieder an die alte Leistungsstärke an - und kehrt darum nun als neuer Hoffnungsträger in die Hansestadt zurück.

Bilanz spricht für Rosenberg

Für die Verantwortlichen an der Weser war schon vor Wochen klar, dass Rosenberg künftig wieder für das Team von Trainer Thomas Schaaf auflaufen soll. Der 28-Jährige habe bei seinen 33 Partien für den Tabellenzwölften der Primera Division (neun Tore) "gute Leistungen" gezeigt, bekundete Geschäftsführer Klaus Allofs.

Zumal es am Potenzial des Nationalspielers sowieso kaum einen Zweifel geben konnte. Die stolze Bilanz von 30 Treffern und 16 Torvorlagen in 90 Bundesliga-Spielen für die "Grün-Weißen" spricht im Grunde für sich. Vor Jahresfrist wurde Rosenberg angesichts der prominenten Konkurrenz zur Randfigur. Nun hat sich das mannschaftsinterne Rennen um die Plätze in Werders Angriff verändert.

Neues Selbstbewusstsein

Kam Rosenberg während seiner Krisensaison 2009/10 (17 Spiele, ein Tor) nur selten an seinen Konkurrenten vorbei, ist der Mann aus Malmö jetzt nach dem verletzten Sturmführer Claudio Pizarro (Innenbandriss) schon der international erfahrenste Kandidat - und wenn das Pech weiter so zuschlägt auch demnächst der einzige, immerhin sind Sandro Wagner (Sprunggelenksverletzung) und Denni Avdic (Beckenprobleme) ebenfalls angeschlagen.

Nicht nur seine Einsatzchancen sind also gestiegen, auch Rosenbergs Selbstbewusstsein ist während seines "Exiljahrs" sichtlich gewachsen: "Ich hatte ein Superjahr in Spanien, habe eine Saison lang gut gespielt - eine gute Erfahrung. Santander wollte mich auch behalten, aber es war ein finanzielles Problem", sagte der pfeilschnelle Angreifer der "Syker Kreiszeitung".

"Schön wieder hier zu sein"

"Meine Familie und ich haben uns in Bremen immer sehr wohl gefühlt. Es ist schön, wieder hier zu sein", freute sich Rosenberg daher über die Rückkehr nach Deutschland. Dabei musste der Schwede allerdings eine wenig erfreuliche Entdeckung machen: Sein Landsmann und Rivale Avdic hatte sich mittlerweile nicht nur "sein" Trikot mit der Nummer neun, sondern auch gleich sein Haus unter den Nagel gerissen.

"Er hat mir alles genommen. Mein Haus, meine Nummer", nahm der Vater einer Tochter den Verlust der alten Pfründe mit Humor - und zog erst einmal in ein Hotel. Rosenberg will sich mit solchen Nebensächlichkeiten nicht aufhalten, sondern einfach spielen, egal mit welcher Nummer. Und in einem Jahr sieht die Fußball-Welt gewiss schon wieder ganz anders aus.

Stefan Missy