Stuttgart - Von wegen Urlaub. Als die Verantwortlichen des VfB Stuttgart am Pfingstmontag im gut gefüllten Presseraum der Mercedes-Benz-Arena Platz nehmen, sind sie weiter voll im Arbeits-Modus.

Eine brutal schwere Saison ist am vergangenen Samstag , in den kommenden etwa 60 Minuten aber wird klar: Der Nichtabstieg heilt nicht alle Wunden beim schwäbischen Traditionsverein. Zu viel lag in dieser abgelaufenen Spielzeit im Argen, so viel, dass sich die Bosse der Stuttgarter in den letzten Monaten, quasi parallel zum sportlichen Kraftakt Klassenerhalt, zu einem umfassenden Maßnahmenpaket entschlossen haben. Alles auf Neu also am Neckar, für eine sportlich vielversprechendere Zukunft.

Zorniger folgt auf Retter Stevens

"Unser Bundesligaverbleib ist auch ein Auftrag", legt VfB-Präsident Bernd Wahler am Montagmittag gleich einmal die Marschroute fest. "Der Verein präsentierte sich zuletzt völlig inhomogen und in einzelne Teile zerlegt", so Wahler in deutlichen Worten. "Der Stolz der Fans ging verloren und das wollen wir jetzt ändern." Selten erlebte man Wahler in seiner durchaus als schonungslos zu bezeichnenden Analyse so klar und strukturiert, da war die Rede von "fehlender Strategie", "keinem Plan" und vielen Steinen, die es jetzt umzudrehen gelte. 

Bauleiter der neuen, besseren VfB-Zukunft ist in erster Linie Robin Dutt. Dem Sportdirektor, dessen Berufung Wahler als richtige Entscheidung einstufte, ist es in den letzten Wochen im Hintergrund gelungen, wichtige personelle Weichen zu stellen.

An vorderster Front bei der Trainerfrage. Am 29. Juni nimmt Ex-Leipzig-Coach Alexander Zorniger in Cannstatt seine Arbeit auf (Meldung) und folgt damit auf den "VfB-Jahrhundertretter" Huub Stevens, dem sie auch am Montag nicht genug danken konnten. "Für Zorniger sprichen seine Spielphilosophie und seine Bindung zum VfB", begründete Dutt die Auswahl. VfB-Assistenz-Coach war Zorniger bereits, Bundesliga-Erfahrung als Chefcoach hat der 47-Jährige bislang allerdings keine. Zornigers Assistent soll André Trulsen werden.

Einbindung bekannter Namen

Aber auch in anderen Bereichen krempelt Dutt den VfB Stuttgart um. Der Sportpsychologe Philipp Laux, ehemals auch bei Bayern München in dieser Funktion aktiv, soll den Trainerstab erweitern. Mit VfB-Legende Guido Buchwald und Ex-1860-Trainer Alexander Schmidt wird das Scouting verstärkt, Schwaben-Urgestein Günther Schäfer wird Teammanger.

Bekannte Namen also, die vor allem zwei Voraussetzungen erfüllen: Sportkompetenz und Lokalkolorit. "Als ich hier angefangen habe, gab es viel zu wenig fachliche Qualität", legte Dutt die Missstände offen.

Besonders bei der Verknüpfung von Profis, Jugend und Scouting sieht Dutt erhebliche Mängel: "Wir haben keine einheitliche Spielkonzeption über alle Mannschaften." Das müsse sich schnellstens ändern. Aber auch in puncto Kaderplanung stieß Dutt offenbar auf jede Menge Baustellen. "Für viele Spieler gibt es keinen Markt", so Dutt. Eine "One-Man-Show" werde es bei Verpflichtungen jedenfalls nicht mehr geben, stellte Dutt weiter klar, der auch mit einem engen finanziellen Spielraum zu kämpfen hat. Mit dem Heidenheimer Linksverteidiger Philip Heise (23) steht nun der erste Neuzugang fest, auch der ausgeliehene Kevin Stöger kehrt aus Kaiserslautern zurück.

Stars halten für "gesicherten Mittelfeldplatz"

Wie genau steht es um die VfB-Zukunft? Einen "gesicherten Mittelfeldplatz" hat Dutt als Ziel für die kommende Spielzeit ausgegeben, einen Platz, der den "VfB in Ruhe perspektivisch arbeiten lässt".

Zum Abschluss einer aufschlussreichen Pressekonferenz brachte es Wahler auf den Punkt: "Insgesamt machen wir einen Neustart" so der Präsident: "Wir haben verdammt viel zu tun, nun gilt es, gemeinsam anzupacken." Wichtig dabei: der Verbleib von Leistungsträgern wie Daniel Ginczek, Filip Kostic oder Martin Harnik. Aber auch hier blieb Dutt deutlich: "Solche Anfragen landen nicht einmal auf meinem Schreibtisch." Klare Worte - wie in den gesamten gut 60 Minuten zuvor. 

Aus Stuttgart berichtet Jens Fischer