München - Christoph Daums Karriere als Trainer begann 1986 beim 1. FC Köln. Nach 25 Jahren mit insgesamt neun Stationen im In- und Ausland nimmt er als Trainer-Oldie noch einmal eine Herausforderung beim abstiegsbedrohten Traditionsverein Eintracht Frankfurt an: "Für mich schließt sich in einer gewissen Weise der Kreis, wo ich groß geworden bin. Jetzt will ich auf der Zielgeraden meiner Trainerlaufbahn noch einmal alle Erfahrungen in die Bundesliga mit einbringen."

Christoph Daum gilt als einer der erfolgreichsten, aber auch außergewöhnlichsten Trainer in der Bundesliga-Geschichte. Hier erfahren Sie mehr von seiner aktiven Laufbahn, seinen extravaganten Motivationsmethoden, seiner zweiten Heimat und seinen Erfolgen als Trainer.

Geboren in der DDR, aufgewachsen im Pott

Daum wurde am 24. Oktober 1953 in Zwickau geboren und verließ mit sechs Jahren das Erzgebirge in Richtung Ruhrpott. Seine Eltern hatten Zwickau bereits drei Jahre vorher verlassen, weil sein Vater in Duisburg eine Arbeit als Hauer unter Tage gefunden hatte. Daum lebte in der Zeit von drei bis sechs Jahren bei seiner Großmutter und wurde dann von seiner Mutter nach Duisburg geholt. Nur von seiner Mutter, denn sein Vater war bei einem Arbeitsunfall ums Leben gekommen.

Karriere als Aktiver

In Duisburg verbrachte Daum seine Jugendzeit und war dort auch für verschiedene Vereine aktiv. Er spielte für die Stadtvereine DJK Viktoria Beeck, VfB Ruhrort-Laar und Hamborn 07. Seine Seniorenlaufbahn begann bei Hamborn 07 und Eintracht Duisburg. 1975 wechselte er mit Anfang 20 in die Oberligamannschaft des 1. FC Köln, mit der er 1981 deutscher Amateurmeister wurde. Seine Karriere als Spieler beendete Daum im Alter von 27 Jahren.

Hang zur Psychologie

An der Sporthochschule in Köln studierte Daum Sportwissenschaften. Parallel dazu besuchte er an der Universität auf eigene Initiative Veranstaltungen. Besonders faszinierte ihn die Psychologie, bei Vorlesungen in diesem Fach nimmt seine bis heute andauernde Beschäftigung mit Persönlichkeitsbildung und Willensschulung ihren Anfang. Auch seine Diplomarbeit "Die Wichtigkeit und Bedeutung von pädagogischen und psychologischen Maßnahmen eines Fußballtrainers" dokumentiert Daums Fokussierung auf einen bis dato eher unterentwickelten Bereich im Alltag des Fußballs.

Geldscheine und Scherbenhaufen

Seine ungewöhnlichen Motivationsmethoden stießen bei Trainerkollegen und in der Öffentlichkeit häufig auf Unverständnis. Dennoch beharrte er auf seinen Überzeugungen. Beim 1. FC Köln klebte er in der Saison 1988/89 40.000 DM an die Kabinentür, um seinen Spielern die Meisterschaftsprämie visuell zu verdeutlichen. Daum gewann zwar das darauffolgende Auswärtsspiel mit 2:1, wurde mit den "Geißböcken" am Ende aber nur Vizemeister . Mit Spielern von Bayer Leverkusen lief Daum über einen Scherbenhaufen, um ihnen zu zeigen, was mit gedanklichen Kräften alles möglich ist. Diese Erkenntnis sollten die Akteure dann auf den Sport übertragen.

Daum, der Meistertrainer

Daums Karriere als Trainer begann 1986 beim 1. FC Köln. Bei seinen neun Trainerstationen im In- und Ausland holte er bis heute fünf Mal den Meistertitel und wurde sieben Mal Vizemeister. Seine einzige Deutsche Meisterschaft feierte er 1992 mit dem VfB Stuttgart. Als Trainer von Bayer 04 Leverkusen verpasste er gleich drei Mal, nämlich 1997, 1999 und 2000 die Meisterschaft. Im Jahre 2000 war das Szenario an Dramatik nicht mehr zu überbieten: Leverkusen verspielte seinen Punktevorsprung auf Bayern München am letzten Spieltag durch eine 0:2-Niederlage bei der SpVgg Unterhaching.

Zweite Heimat

Einen nicht unerheblichen Teil seiner Vita füllen Daums Trainerstationen in der Türkei. Insgesamt war der 57-Jährige acht Jahre lang in der Türkei in istanbul aktiv, jeweils zwei Mal für Besiktas und Fenerbahce. Und das auch mit Erfolg: Er holte 1995 mit Besiktas sowie 2004 und 2005 mit "Fener" drei Mal die türkische Meisterschaft. Daum war von der herzlichen und freundlichen Art der Menschen in der Türkei und deren Begeisterung für den Fußball sehr beeindruckt. Während seines ersten Engagements bei Fenerbahce spielte Daum sogar mit dem Gedanken, die türkische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Diesen verwirft er aber, da er dafür die deutsche aufgeben hätte müssen.

Der "blaue" Daum

In seinen Jahren als Trainer fiel Daum auch durch extravagante Kleidung. In der Saison 2000/01 stand er beim 2:0-Sieg über den VfL Wolfsburg mit einem kobaltblauen Anzug an der Seitenlinie. "Diese Farbe strahlt positive Energie aus. Wie man sieht, hat das heute genutzt. Es gab ja schon mal den blauen Pullover von Udo Lattek, der hat auch Glück gebracht", konstatierte er nach dem erfolreichen Auftreten seiner Mannschaft. Manager Reiner Calmund nahm den schillernden Auftritt seines Cheftrainers mit Humor: "Ich war überrascht, dass er wie ein moderner Elvis Presley aussah. Es hat nur ein bisschen Glitzer gefehlt."

Absolut reines Gewissen?

Im Jahr 2000 unterschrieb Daum - damals Trainer in Leverkusen - einen Vertrag mit dem DFB, um im Sommer 2001 neuer Bundestrainer zu werden. Zu dieser Zeit kursierten Gerüchte über einen eventuellen Drogenkonsum Daums. Unter dem wachsenden öffentlichen Druck unterzog sich Daum im Oktober 2000 freiwillig einer Haarprobe, auch mit der Begründung: "Ich tue das, weil ich ein absolut reines Gewissen habe." Die Haarprobe fiel positiv aus, sein DFB-Vertrag wurde aufgelöst und Bayer Leverkusen kündigte ihm.

Verträge vorzeitig beendet

Keines von Daums Trainerengagements in der Bundesliga endete turnusgemäß. Im Juli 1990 wurde er vom 1. FC Köln ohne offizielle Begründung entlassen, 1993 in Stuttgart wie auch 2001 in Leverkusen musste er während der laufenden Hinrunde gehen. Sein zweites Engagement in Köln endete vorzeitig, als Daum nach Ende der Saison 2008/09 von einer Kündigungsklausel in seinem Vertrag Gebrauch machte.