Im ersten Pflichspiel der neuen Saison tritt die deutsche Nationalmannschaft in der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) in Vaduz gegen Liechtenstein an.

Liechtenstein, der kleinste Fußballverband in Europa, trifft auf den größten, Deutschland - ein Duell David gegen Goliath. Der fußballerische Unterschied könnte kaum deutlicher sein. Lediglich sieben Fußball-Vereine existieren in Liechtenstein, in denen rund 1.700 Fußballer aktiv sind und im Meisterschaftsbetrieb der Schweiz mitspielen.

Erstmals ausverkauft

"Ich will Liechtenstein nicht stark reden, aber sie haben zu Hause gegen große Mannschaften wie England oder Spanien nur knapp verloren und auch mal in Portugal ein Unentschieden erreicht", hat Bundestrainer Joachim Löw gewissen Respekt vor dem Gegner.

Der 130. der FIFA-Weltrangliste hat in der Quali zur EURO 2008 zwei seiner vier Heimspiele gewonnen. Gegen Lettland glückte ein 1:0, gegen Island fiel der Erfolg recht deutlich aus (3:0).

Ein Deutscher auf der Bank

Deutschland empfängt man das erste Mal in Liechtenstein. Das Rheinparkstadion in Vaduz wird mit 6.128 Plätzen erstmals ausverkauft sein. Bei den Gastgebern sitzt mit Co-Trainer Josef Weikl sogar ein Deutscher auf der Bank. Der gebürtige Bayer lebt seit über einem Jahrzehnt in dem kleinen Fürstentum, wo er als Junioren-Coach und als Co-Trainer der Nationalmannschaft tätig ist.

"Das wird ein ganz besonderes Spiel. Wir hatten uns in der Qualifikation einen Gegner wie Italien oder Deutschland gewünscht. Dieser Traum ist in Erfüllung gegangen. Wir wissen aber, dass wir nur Außenseiter sind", berichtete der 54-Jährige, der 303 Mal für Fortuna Düsseldorf in der Bundesliga gespielt hat und mit den Rheinländern 1979 und 1980 den DFB-Pokal gewann.

17 Gegentreffer

Chancenlos sei seine Mannschaft gegen den Vize-Europameister aber nicht. "Wir haben in der Vergangenheit schon des Öfteren einen Großen geärgert. Das wollen wir auch diesmal schaffen", berichtet Weikl.

In den bisherigen beiden Duellen gegen die DFB-Auswahl musste Liechtenstein allerdings 17 Gegentreffer hinnehmen. Im Juni 1996 siegte Deutschland 9:1, vier Jahre später in Freiburg mit 8:2. Einer erinnert sich an das Spiel im Breisgau gerne zurück.

Frick ist besonders heiß

Der 33-jährige Italien-Legionär Mario Frick (AC Siena) traf damals zum zwischenzeitlichen 2:2. "Das Tor war einer meiner schönsten Momente in meiner Länderspielkarriere. Ich werde alles daransetzen, um den Erfolg zu wiederholen", scheint Mario Frick besonders heiß.

Einen Tag vor seinem 34. Geburtstag wird der Angreifer sein 80. Länderspiel bestreiten. Zu Ruhm gelang Frick, als er als erster Liechtensteiner in der italienischen Serie A debütierte (26. August 2001), in welcher er sieben Tore für Hellas Verona erzielte.

Respekt vor der Kopfballstärke

Wie man die Löw-Elf ärgern kann, hat sich Hans-Peter Zaugg, der seit Dezember 2006 Nationaltrainer in Liechtenstein ist, schon ausgemalt. "Im Verhalten Mann gegen Mann in der Defensive müssen wir uns deutlich verbessern. Wenn uns das gelingt, sieht unser Spiel sofort anders aus. Es wäre natürlich erleichternd, wenn wir wieder einmal in Führung gehen würden", sieht Zaugg die Taktik.

Respekt zeigt Zaugg vor allem vor der Kopfballstärke der Deutschen. "Wir wissen, über welch extreme Kopfballstärke Klose verfügt. Mit dem groß gewachsenen Gomez oder selbst Kuranyi, sowie den Verteidigern, besitzt Deutschland große Möglichkeiten. Wir müssen in der Lage sein, dieser deutschen Stärke Paroli zu bieten. Das wird wichtig sein."

"Träume von Riesenüberraschung"

Dem aktuellen Kader Liechtensteins gehören neun Profis, ein Halbprofi und vier Ex-Profis an. Torhüter Peter Jehle (FC Tours), Martin Stocklasa (SV Ried), Martin Büchel (FC Zürich) und Michele Polverino sind neben Mario Frick die Leistungsträger. Der Einsatz von Mittelfeldmann Polverino ist wegen einer Knieverletzung aber noch fraglich. "Wir wissen nicht, ob es für Samstag reicht", macht sich der Trainer Sorgen.

Da die Erwartungshaltung gering ist, kann Liechtenstein ohne jeglichen Druck ins Spiel gehen. "Unser Ziel lautet, möglichst lange ohne Gegentreffer zu bleiben. Wenn eine Überraschung drin ist, umso besser. Angst werden wir keine haben.", geht der Jungnationalspieler optimistisch in das Spiel.

In den Mittelpunkt will auch Mathias Christen rücken. Der Stürmer vom FC Will ist gut in Form und traf in den ersten sechs Partien der Schweizer Challenge League bereits vier Mal. Gute Vorraussetzungen also, um den Traum des Trainers umzusetzen. "Vielleicht läuft das Spiel für uns. Als Trainer träumt man von einer Riesenüberraschung."

Das Aufgebot Liechtensteins:

Tor: Peter Jehle (FC Tours), Benjamin Büchel (FC Widnau)

Abwehr: Fabio D'Elia (USV Eschen/Mauren), Yves Oehri (FC St. Gallen), Marco Ritzberger (FC Vaduz), Martin Stocklasa (SV Ried), Franz-Josef Vogt (FC Balzers)

Mittelfeld: Martin Büchel (FC Zürich), Ronny Büchel (USV Eschen/Mauren), Stefan Büchel (USV Eschen/Mauren), Roger Beck (FC Balzers), Christoph Biedermann (USV Eschen/Mauren), Franz Burgmeier (Darlington FC), Michele Polverino (FC Vaduz), Andreas Gerster (USV Eschen/Mauren), Raphael Rohrer (USV Eschen/Mauren)

Angriff: Mario Frick (AC Siena), Thomas Beck (FC Hard), Beni Fischer (FC Vaduz), Mathias Christen (FC Wil), David Hasler (FC Basel)