Köln -  Der VfL Wolfsburg hat André Schürrle vom FC Chelsea verpflichtet. Auf den ersten Blick erschließt sich nicht sofort, warum die Wölfe eine Menge Geld auf den Tisch legen, um den Weltmeister in die Bundesliga zu holen.

Außer einer Investition in die Zukunft, ist Schürrle eine sofortige Möglichkeit, um das Spiel der Wolfsburger flexibler zu machen. Bisher setzt Dieter Hecking auf ein System mit drei Mittelfeldspielern und einem Mittelstürmer. Durch den Abgang von Ivica Olic zum Hamburger SV ist der treffsicherste Angreifer nun weg. Nicklas Bendtner ist in der Hinrunde nicht über den Status des Ersatzspielers hinausgekommen. Bas Dost war lange verletzt, zeigte mit seinem Doppelpack beim 4:1-Sieg gegen Bayern aber deutlich, zu was er in der Lage ist. Der Niederländer scheint in der Sturmspitze momentan gesetzt.

Schürrle ist kein Mittelstürmer

Als Eins-zu-eins-Ersatz für Olic und Konkurrent für Dost wird Schürrle aber eher nicht eingesetzt werden. Der ehemalige Leverkusener ist auf dem Flügel am stärksten. Dort kann er seine Schnelligkeit am besten ausspielen und entwickelt auch die größte Torgefahr. Auf der linken Außenbahn hat sich zuletzt Ivan Perisic etabliert. Er müsste weichen, seinen Stammplatz deswegen aber nicht zwangsläufig aufgeben. Im Gegenteil: Mit Schürrle und Kevin De Bruyne würde Perisic ein extrem flexibles und dadurch sehr gefährliches Offensiv-Trio bilden. Dazu gibt es für das offensive Mittelfeld mit Daniel Caligiuri, Vierinha und Maximilian Arnold weiteres hoch veranlagtes Personal, das in den Startlöchern steht, um in die Startelf aufzurücken

Keine festgelegten Positionen?

Alle genannten Spieler sind auf mehreren Positionen einsetzbar. Vierinha ist noch am ehesten auf die rechte Seite beschränkt, kann aber auch - wie gegen die Bayern erfolgreich praktiziert - als Rechtsverteidiger spielen. Der polyvalente Youngster Maximilian Arnold glänzte gegen den Rekordmeister mit genialen Pässen etwas weiter hinten auf der Sechser-Position. Wer auch immer spielt, viele Rochaden im Angriff sind so oder so möglich.

Ivan Perisic ist kopfball- und abschlussstark und kann somit im Sturmzentrum als Zielspieler fungieren. Er ist auch in der Lage auf die Außen auszuweichen und aus der Tiefe Pässe zu spielen. Kevin De Bruyne kann sowohl beide Außenpositionen, als auch die Zentrale im Mittelfeld besetzen. Und André Schürrle ist ebenfalls dazu fähig auf den rechten Flügel auszuweichen und wenn - auch nur zwischenzeitlich – zentral im Mittelfeld und im Sturm zu agieren. Mit den gesetzten Luiz Gustavo und Joshua Guilavogui hat Wolfsburg dahinter zwei exzellente Aufbauspieler die auch die Defensive absichern können.

Warum holt Wolfsburg Schürrle genau jetzt?

Die Frage, warum Wolfsburg genau jetzt etwas ändern will, drängt sich dennoch auf. Olic abzugeben war keine Notwendigkeit. Offenbar denken die "Wölfe" aber schon weiter in die Zukunft. In dieser Saison sollte die Qualität der Mannschaft ausreichen, um die Champions-League-Qualifikation perfekt zu machen.

André Schürrle jetzt zu holen bietet die Möglichkeit ein neues System in der Rückrunde einzustudieren, dass dann zur kommenden Saison reibungslos funktioniert. Damit könnten die Wölfe nicht nur in der Champions League Erfolg haben, sondern auch in der Bundesliga näher an den FC Bayern rücken. Warum die Wolfsburger Schürrle außerdem jetzt geholt haben, hat möglicherweise einen ganz simplen Grund: Im Winter ist die Konkurrenz auf dem Transfermarkt oft geringer. Die Wölfe haben mit Wechseln in der Pause schon häufiger gute Erfahrungen gemacht.

Sebastian Stenzel