Dortmund/München - Es gab Zeiten, da hat die Nationalmannschaft ihre Gegner niedergekämpft. Damals wäre sie mit einem Remis gegen Italien mehr als zufrieden gewesen. Doch das war einmal. Nach dem 1:1 im Freundschaftsspiel gegen den viermaligen Weltmeister konnten sich die Nationalspieler nicht richtig freuen.

"Das war ein Prestigeduell. Wir wollten gewinnen, darum ärgert uns der Ausgleich. Das war leider kein perfektes Spiel", erklärte Mats Hummels, der als einer von drei Dortmundern im heimischen Signal Iduna Park zum Einsatz kam.

Holpriger Rasen

Dabei hatten die Hausherren die Gäste über weite Strecken im Griff, phasenweise war sogar ein Klassenunterschied zu erkennen. Und das, obwohl der ramponierte Rasen ein gefälliges Kombinationsspiel fast nicht zuließ.

"Auf dem Platz war es sehr schwierig. Wir sind eine Mannschaft, die durch ihre technischen Fähigkeiten versucht, das Spiel zu dominieren. Bei den Verhältnissen war es aber einfacher, zu verteidigen", haderte Bastian Schweinsteiger mit den Gegebenheiten

Tempo nicht gehalten

Bundestrainer Joachim Löw machte aber weniger den Spieluntergrund dafür verantwortlich, dass die deutsche Mannschaft den Italien-Fluch mit dem ersten Sieg nach 16 Jahren nicht beenden konnte.

"Wir konnten das Tempo nicht über 90 Minuten umsetzen, wie wir uns das vorgenommen hatten. In der zweiten Halbzeit haben wir es versäumt, mehr zu investieren, um das 2:0 zu machen. Einige Automatismen müssen noch besser werden", analysierte er kritisch.

Klose auf Müllers Spuren

Ähnlich sah es Miroslav Klose, der das DFB-Team mit seinem 59. Treffer im 106. Länderspiel in Führung brachte - noch neun Tore und er zieht mit dem Rekordschützen Gerd Müller gleich.

"Wir konnten das Tempo nicht so gehen, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir wissen, dass wir besser spielen können", sagte Klose, fügte aber hinzu: "Wir integrieren viele junge Spieler, insofern können wir zufrieden sein."

Großes Potenzial

Und genau da liegt das große Plus des deutschen Fußballs. Während bei den Italienern trotz eines großen personellen Umbruchs lediglich zwei Spieler unter 23 Jahren im Kader standen, waren es bei Deutschland fast die Hälfte.

Mit dem 18-jährigen Mario Götze kam auch eines der größten Talente zu seinem zweiten Länderspieleinsatz, an die Leistung aus der Bundesliga konnte der Shootingstar des BVB aber nicht anknüpfen. Unzufrieden war er aber dennoch nicht. "Ich sammele mit jeder Minute Erfahrung und genieße es, in der Mannschaft zu spielen."

Weit vor Italien

Das deutsche Team knüpfte im ersten Länderspiel 2011 insgesamt nahtlos an das erfolgreiche Jahr 2010 an. Da wunderte es auch nicht, dass Schweinsteiger für das nächste Aufeinandertreffern gegen den Erzrivalen große Taten ankündigte.

"Ich habe großes Vertrauen in unsere Mannschaft, dass wir Italien in naher Zukunft schlagen können", meinte der Bayern-Star, der anders als im Verein wieder im defensiven Mittelfeld agierte.

Einem Ritterschlag gleich kam da die Erkenntnis von Italiens Coach Cesare Prandelli: "Wir haben gegen eine der besten Mannschaften der Welt gespielt und uns sehr gut geschlagen. Noch sind wir zwar nicht auf einer Höhe mit der deutschen Elf, aber wir konnten den Abstand verringern." Wie die Zeiten sich ändern.

Michael Reis