Mainz - "Ha Ho He Hertha BSC",€œ schallte es nach dem Abpfiff aus dem Berliner Block. Die vielen Hertha-Fans feierten ihre Mannschaft nach dem 2:0-Auswärtssieg beim 1. FSV Mainz 05. Sie hatten ja auch endlich wieder einen Grund dazu, mit dem Erfolg verlieren die Hauptstädter den Abstiegsrang 17 und verkürzten mit nun 21 Zählern den Abstand auf die Mainzer auf einen Punkt.

Es war ein Ende einer englischen Woche, die bis dahin zwei Niederlagen und die Entlassung von Trainer Jos Luhukay geliefert hatte, ein Sieg, der Hoffnung gibt. Am Samstag stand Luhukays Nachfolger Minuten nach dem Abpfiff inmitten seiner Spieler und feierte den Erfolg bei seinem Debüt als Bundesligatrainer vor der Fankurve: Pal Dardai, 38, Rekordspieler der Berliner (286 Einsätze) stellte aber klar: "Ich bin kein Zauberer."

Neuer Trainer - Neuer Schwung

Nur zwei Tage hatte der Ungar mit der Mannschaft arbeiten können. "Spaß und Leichtigkeit", habe der neue Trainer versucht zu vermitteln, erzählte Jens Hegeler. Auf fünf Positionen hatte Dardai gegenüber der letzten Partie die Anfangsformation verändert. Der gelernte Mittelfeldspieler Hegeler zum Beispiel spielte für den gesperrten Sebastian Langkamp in der Innenverteidigung.

Er blieb cool, als er in der 35. Minute den Foulelfmeter zum 1:0 verwandelte. Der Mainzer Torwart Loris Karius hatte Valentin Stocker gefoult und wurde mit der roten Karte vom Platz gestellt. Hegeler lief auch deswegen an, weil Ronny als erster Elfmeterschütze auf der Bank saß. Das sei noch die alte Abmachung unter Luhukay gewesen, erklärte Hegeler. "Ab dem Elfmeter und dem Tor ist es dann für uns in die richtige Richtung gelaufen", analysierte Hegeler. Und da Roy Beerens noch vor der Pause das 2:0 erzielte, schien die Partie für die Hertha zur Hälfte bereits gelaufen zu sein.

"Da Spielt auch die Angst eine Rolle"

Pal Dardai würdigte die Leistung seiner neuen Mannschaft und sprach ihr ein "Riesenkompliment" aus. Besonders die "Lauf- und Kampfbereitschaft" seiner Spieler hatten es ihm angetan. Doch Grund zur Kritik gab es dennoch. Kapitän Fabian Lustenberger wurde nach zwei unnötigen Fouls innerhalb von wenigen Minuten in der 59. Minute mit gelb-roter Karte vom Platz gestellt. Der Vorteil der Überzahl war dahin.

Doch die Herthaner verteidigten gut und ließen die Mainzer nicht mehr herankommen. Luhukay bemängelte vor allem das Spiel seiner Mannschaft in Überzahl und in der zweiten Halbzeit, als sie kaum noch zu Torchancen kam. "Wenn man so weit unten steht, ist es schwer, das alles wegzustecken. Da spielt auch die Angst eine Rolle", analysierte Dardai.

Dardai freut sich auf kommende Aufgaben

"Der Trainer hat es geschafft, uns heiß zu machen", berichtete Nico Schulz, der einst noch mit Dardai zusammen gekickt hatte: "Uns war allen klar, worum es geht, wir wollten als Team auftreten." Das ist den Berlinern endlich mal wieder gelungen. Mit dem Sieg in Mainz ist wieder Zuversicht gewachsen bei der Hertha. Dardai, der in seiner Heimat gerade die Trainerausbildung macht und neben seinem Job in Berlin auch noch die Nationalmannschaft Ungarns trainiert, freut sich nun auf die kommende Woche.

Dann kann er mit seinem Assistenten Rainer Widmayer ausführlich taktische Dinge mit der Mannschaft trainieren. Und er werde vor dem Spiel am kommenden Wochenende gegen den SC Freiburg auch noch viel besser schlafen als vor der Partie in Mainz, glaubt Dardai. Zwei Tage seien doch ein bisschen kurz für die Vorbereitung auf ein Spiel mit einer neuen Mannschaft, erklärte er sich seine Nervosität vor dem Anpfiff. Aber in Mainz haben zwei Tage mit der Mannschaft für diesen Trainer zum Sieg gereicht. Man darf gespannt sein, wie nachhaltig es in Berlin mit der Hertha weitergeht.

Aus Mainz berichtet Tobias Schächter