Unmittelbar nach dem Schlusspfiff herrschte in der Allianz Arena eine leichte Verunsicherung. Hatte man beim 3:0 (2:0)-Sieg in der Champions League gegen den AC Florenz wieder den souveränen FC Bayern München gesehen? Oder war der glatte Erfolg der italienischen Abschlussschwäche geschuldet?

Es war wohl eine gesunde Mischung aus beidem, die den deutschen Rekordmeister wieder in die Erfolgsspur zurückführte.

Lahm hat Fuß in Gips

Für einen sehr faden Beigeschmack sorgte die Verletzung von Philipp Lahm. Der Linksverteidiger wurde wegen eines Schlags auf den rechten Knöchel bereits in der Pause ausgewechselt. Zu Schonung bekam Lahm einen Gips verpasst. "Wir hoffen, dass es nicht so langwierig ist, aber die nächsten zwei, drei Spiele planen wir mal ohne ihn", sagte Trainer Jürgen Klinsmann.

Gegen Florenz stellte Miroslav Klose nach seinem Siegtor in Karlsruhe mit seinem frühen 1:0 (4.) die Weichen auf Sieg und überzeugte danach mit viel Einsatz.

"Ich bringe jetzt wieder meine Leistung und erziele meine Tore. Im Moment bin ich sehr zufrieden", freute sich Klose. Luca Toni bereitete das Klose-Tor per Kopf vor und trug somit aktiv dazu bei, dass die Pfiffe der mitgereisten Tifosi seines Ex-Clubs gegen ihn nicht unbedingt leiser wurden.

"Kaiser" lobt "Schweini"

Der zweite Lichtblick im Team des FCB war einmal mehr Bastian Schweinsteiger. Kämpferisch vorbildlich glänzte "Schweini" gegen die "Fiorentina" auch spielerisch. Nach Zuspiel von Franck Ribery düpierte der Nationalspieler am rechten Strafraumeck zwei Italiener und zirkelte den Ball mit links ins lange Eck (25.). "Besser kann man es nicht machen", lobte Präsident Franz Beckenbauer.

Es überraschte kaum noch jemanden, dass sich Ze Roberto, der seit Wochen die große Konstante im Spiel der Bayern ist, mit seinem Treffer zum 3:0 in der Schlussminute zum in der laufenden Saison erfolgreichsten Münchner Torjäger in der Champions League aufschwang.

Klinsmann war nicht nur mit der Leistung Torschützen sondern mit der der ganzen Mannschaft zufrieden: "Ich habe schon in den ersten zehn Minuten gespürt: Wir sind da, wir sind wach, wir werden die Zweikämpfe suchen und dem Gegner immer wieder Feuer geben."

Selbstkritik und ein sicherer Rensing

Dass die Gastgeber nach der furiosen Anfangsphase der "Fiorentina" das Spiel überließen, dürfte Klinsmann weniger Gefallen haben. Er wusste zwar, "dass Florenz eine sehr spielstarke Mannschaft ist, die nach Ballgewinn sofort umschaltet", begünstigt wurden die Angriffe der Gäste aber von Abstimmungsproblemen in der FCB-Hintermannschaft.

So klar wie es das nackte Ergebnis vermuten lässt, war die Partie nämlich nicht. "Diese Fehler dürfen einfach nicht passieren. Das ganze Verhalten in der Defensive ist noch nicht wo, wie wir uns das vorstellen. Das Spiel hätte sicherlich auch anders ausgehen können", sagte ein selbstkritischer Philipp Lahm.

Insgesamt ließ die Bayern-Abwehr 23 Schüsse zu. Nicht nur Lahm und der Niederländer durften sich sowohl bei den im Abschluss meist unkonzentrierten Gästen als auch bei Michael Rensing bedanken, der alle acht Torschüsse der Italiener abwehrte. Zum Dank machte auch das Publikum dem Nachfolger von Oliver Kahn lautstark Mut.

Vertrauen in Altbekanntes

Trotz der Diskrepanz zwischen Offensive und Verteidigung war den Bayern ein neues Selbstvertrauen anzumerken. "Wir haben ein klares System und jeder weiß, was er tun muss. Es ist eine deutliche Mannschaft zu erkennen", nannte van Bommel einen Grund für den neuen Schwung.

Bemerkenswert ist, dass der Aufschwung aufgrund der Rückkehr zum alten System erfolgte, für das die Rückkehr des Kapitäns ins defensive Mittelfeld sinnbildlich steht. Klinsmann bot gegen Florenz im 4-4-2-System dasselbe Personal auf wie schon beim 1:0 in Karlsruhe, die Rotation macht offenbar Pause.

Dabei stimmte das Team beinahe mit der Formation überein, die im Vorjahr das Double holte. "Wir haben einen anderen Torwart", stellte van Bommel trocken fest, vergaß dabei aber die zweite Veränderung in Person von Massimo Oddo auf der rechten Außenbahn.

Souverän zur Serie

Mit dem Heimsieg sicherten die Münchner die Tabellenführung der Gruppe F und schafften sich eine hervorragende Ausgangsposition für ein Weiterkommen in der "Königsklasse".

"Wir sind zwar noch nicht durch, aber es war ein großer Schritt Richtung Achtelfinale", so Lahm, der den Blick nach dem Motto "Mir san mir" aber auch schon auf den Alltag Bundesliga richtet: "Wir spielen zuhause, sind der FC Bayern und um ganz oben dranzubleiben, müssen wir gegen Wolfsburg nachlegen."

Geht es nach Lahm, soll die phasenweise gezeigte Souveränität in den kommenden Wochen eine Fortsetzung finden und wieder konstanter Bestandteil des Bayern-Spiels werden: "Wir haben jetzt die Chance eine Serie hinzulegen."

Aus der Allianz Arena berichtet Tim Tonner