Drei Niederlagen in Folge, drei Punkte nach vier Spielen und damit auch nur Relegationsplatz 16. Hertha BSC ist nach diesem holprigen Start unter Zugzwang und hat auch gleich klar gemacht, dass man nicht tatenlos auf die besseren Zeiten wartet: Drei Spieler wurden am letzten Tag der Transferperiode verpflichtet.

Adrián Ramos, Cesar und der in der Bundesliga bekannteste Mann dieses Trios, Florian Kringe, heißen die Last-Minute-Verstärkungen der "Alten Dame". bundesliga.de weiß, was die Neuen leisten sollen, und wo bei der Hertha schon wieder Licht am Ende des Tunnels zu erkennen ist.

Angriff kommt in Fahrt

Die auffälligste Baustelle der Berliner ist der Angriff. Bisher konnte noch kein Stürmer des Hauptstadtclubs den gegnerischen Keeper überwinden. Diese Statistik empfindet nicht nur Arne Friedrich als "frustrierend". Wer keine Tore schießt, kann auch nicht gewinnen. Genau hier hat die Vereinsführung angesetzt. Adrián Ramos, vergangene Saison mit 21 Toren in 44 Spielen für América de Cali in Kolumbien, soll den Sturm beleben und wieder für Jubel bei den Fans sorgen.

Hoffnungen in Sachen Torausbeute und Chancenverwertung macht das jüngste Resultat - wenn auch nur in einem Testspiel bei Amateuren. Gegen TuS Altenberge konnte Cesar, der zweite Neue, zwei Mal einnetzen.

Auch Rückkehrer Artur Wichniarek zeigte sich zielsicher und netzte sogar drei Mal ein. U-19-Stürmer Tim Scheffler stach besonders hervor, als er in 13 Minuten einen Hattrick hinlegte. Und als ob das noch nicht genug sei, kam von der Länderspielreise noch die Meldung von Valeri Domovchiyski in die Haupstadt, der für Bulgarien gegen Montenegro erfolgreich war. Das Motto der Offensive lautet also: Warmschießen für die Bundesliga.

Cesar erhöht Konkurrenzkampf

Die zwei Cesar-Tore zum Einstand waren gewiss kein Zufallsprodukt. Der brasilianische Neuzugang kam beim FC Zürich in der Schweiz immerhin auf 28 Tore in 94 Spielen. Wenn man nun bedenkt, dass der 30-jährige hauptsächlich im Mittelfeld agiert, ist dies schon eine beachtliche Bilanz.

Michael Preetz hatte indes betont, dass die Neuzugänge nicht nur zur Hertha gekommen sind, um den Kader in der Breite besser zu bestücken. Jeder einzelne hat das Potenzial, "die Hertha besser zu machen". Konkurrenzkampf hat schließlich noch keiner Mannschaft geschadet.

Kringe für Europa

Florian Kringe, als Leihgabe von Borussia Dortmund gekommen, "steht voll im Training" (Preetz) und soll der Hertha wieder in die Erfolgsspur der Vorsaison verhelfen. Der vielseitige Mittelfeldakteur sieht noch keinen Anlass zur Panik und empfindet es durchaus als realistisch, dass die Mannen von der Spree auch dieses Jahr "die internationalen Ränge erreichen" können.

Das dies kein einfaches Unterfangen wird, war Lucien Favre schon vor der Saison klar. "Die Meriten der letzten Spielzeit zählen nicht mehr", sagte der Schweizer. Daran nun gemessen zu werden, macht es aber eben auch nicht einfacher.

Gojko Kacar der Hoffnungsträger

Wer im Umfeld der Berliner nach ersten positiven Erscheinungen der aktuellen Saison sucht, landet immer wieder bei einem Namen: Gojko Kacar. Das 22-jährige Talent hat in dieser noch jungen Spielzeit schon eine beachtliche Bilanz vorzuweisen. In sieben Pflichtspielen traf der Serbe vier Mal selbst und bereitete weitere drei Treffer vor.

Kacar selbst bleibt völlig auf dem Boden und findet in Bezug auf die ersten Wochen nur "wichtig, dass die Mannschaft in die Gruppenphase (der Europa League, Anm.d.Red.) eingezogen ist".

Was der Mittelfeldmann so nebenbei erwähnt, war wohl das wichtigste kurzfristige Ziel, das der Club erreichen wollte oder sogar musste. Denn nur mit den "Millionen aus Europa" können die Verantwortlichen nun wieder etwas beruhigter planen und vielleicht den bescheidenen Saisonstart schon bald vergessen machen.

Norman Thalwitzer