Neuer Lebensabschnitt für den "weißen Brasilianer"

Am Samstagabend stand Bernd Schneider noch einmal im Mittelpunkt. Zunächst wurde der 35-Jährige vor dem Länderspiel zwischen der deutschen Nationalmannschaft und Südafrika (2:0) in seiner Wahlheimat Leverkusen offiziell als Nationalspieler verabschiedet, nach dem Match analysierte er im "ZDF-Sportstudio" die Leistung seiner langjährigen Weggefährten.

"Das ist ein ganz besonderer Tag für mich", sagte der 81-malige Nationalspieler, ehe er durch DFB-Präsident Theo Zwanziger und Generalsekretär Wolfgang Niersbach für seine Verdienste um den deutschen Fußball gewürdigt und mit einem Geschenk sowie einem Blumenstrauß in den Ruhestand als Profifußballer geschickt wurde.

Unter dem tosenden Applaus der rund 30.000 Zuschauer, von denen viele dem Publikumsliebling mit Spruchbändern dankten, überreichte zudem DFB-Kapitän Michael Ballack seinem langjährigen Weggefährten ein Bild als Erinnerung an dessen rund zehnjährige Nationalmannschaftskarriere.

Viel Lob von allen Seiten

"Er war nicht nur ein herausragender Fußballer, sondern auch menschlich ein Vorbild", lobte Zwanziger den in Jena geborenen Schneider, und Liga-Präsident Reinhard Rauball sprach von einem "Musterprofi mit Vorbild-Charakter".

Dass die Fans in Leverkusen, wo er für Bayer genau ein Jahrzehnt gespielt hat, den Publikumsliebling noch einmal hochleben ließen, verstand sich von selbst. Und auch Bundestrainer Joachim Löw betonte diese Tage noch einmal, dass Schneider "eine unserer Leitfiguren auf und außerhalb des Platzes war, der auch menschlich ein Vorbild ist".

Einblick in das Umfeld des DFB-Teams

Schneider, der aufgrund einer Rückenmarksverletzung im Juni seinen Rücktritt vom Profifußball bekannt geben musste, hatte am Donnerstagabend die sportliche Leitung der DFB-Auswahl unter Bundestrainer Joachim Löw bei einem Nobelitaliener zum Essen eingeladen.

Bei seinem Ausstand lotete er auch aus, ob die Möglichkeit bestehe, bei der Nationalmannschaft mal einige Tage zu hospitieren. "Ich stehe in einem neuen Lebensabschnitt und möchte vor allem das Umfeld der Nationalmannschaft mal genauer kennenlernen", berichtete "Schnix" über seine Zukunftspläne.

Beim DFB wird er mit offenen Armen empfangen. In den kommenden Monaten wird er in der Verbands-Zentrale Einblick nehmen in die Arbeit des Büros Nationalmannschaft, der medizinischen und auch der Medien-Abteilung.

Für Bayer und Jena tätig

Nach wie vor wird Schneider aber auch seinem Heimatclub FC Carl Zeiss Jena als Berater zur Seite stehen und auch weiterhin in verschiedenen Abteilungen bei Bayer Leverkusen arbeiten, darunter in den Bereichen Scouting und Jugend.

"Das sind alles Aufgaben, die mich weiterbringen. Irgendwann werde ich dann sehen, was ich letztendlich machen werde. Klar ist aber, dass ich dem Fußball erhalten bleiben will", sagte Schneider, der vor allem wegen seines Auftritts im WM-Finale 2002 in Yokohama gegen Brasilien (0:2) der "weiße Brasilianer" genannt wurde.

Abschied hat schon geschmerzt

Der 296-malige Bundesligaspieler, der oft überdurchschnittliche 15 Kilometer während eines Spiels zurücklegte, hat sein ungeplantes und plötzliches Karrierende gut verkraftet, zumal er ohnehin nie ein großer Freund von Glamour und Klatschspalten war.

"Ich genieße es, mehr Zeit für meine Familie und Freunde zu haben und wenn das Wetter schön ist, kann ich jetzt auch mal in einem Biergarten haltmachen", sagte Schneider, der sich zudem auch gerne auf der Pferderennbahn unter ganz normale Leute mischt.

Dass der Abschied von der großen Bühne zunächst geschmerzt hat, gibt Schneider aber zu: "Das war alles nicht einfach für mich, denn Fußball ist für mich Leidenschaft. Aber der Schritt musste leider sein, schließlich trage ich auch Verantwortung für meine Familie." Auf seine Profilaufbahn blickt er zufrieden zurück, auch wenn ihm ein großer Titel verwehrt geblieben ist.

"Glücklich über meine Karriere"

"Ich bin trotzdem glücklich über meine Karriere", sagte der Vater zweier Kinder, der eigentlich vor hatte, im kommenden Sommer mit einigen Kumpels aus seinem Skatclub zur WM nach Südafrika zu fahren. Wegen der unklaren Sicherheitslage wurde dieser Plan aber zunächst mal verworfen.

"Vielleicht machen wir jetzt eine Bootstour in Schweden oder Norwegen. Vielleicht machen wir mit unserer Kasse aber auch weiter und fahren zu einer anderen Weltmeisterschaft", sagte Schneider der "Kölnischen Rundschau".