Zusammenfassung

  • Bernd Hollerbach beerbt Markus Gisdol als Cheftrainer des Hamburger SV

  • Der 48-Jährige stand zuletzt bei den Würzburger Kickers als Coach unter Vertrag

  • Er war sowohl beim HSV als auch beim FC St. Pauli als Spieler aktiv

Hamburg - Bernd Hollerbach ist neuer Trainer des Hamburger SV und beerbt den am Sonntag freigestellten Markus Gisdol. Der 48-jährige Hollerbach erhält einen Vertrag bis 2019 und soll den Bundesliga-Dino von den Abstiegsplätzen führen. Der ehemalige Spieler des HSV steht vor einer Mammutaufgabe und startet am kommenden Samstag seine Mission beim Auswärtsauftritt in Leipzig.

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Fleißig, ehrlich, fair – mit diesen Adjektiven könnte man den Fußballer und Trainer Bernd Hollerbach charakterisieren. Der in Würzburg geborene Schwabe startete seine Spielerkarriere bei den Würzburger Kickers. 1991 wechselte er dann in die Hansestadt und schloss sich dem FC St. Pauli an. Dort wurde Holllerbach schnell zum Publikumsliebling, vor allem weil er immer 100 Prozent gab und durch unbändigen Einsatzwillen auffiel. Er war ein Kämpfer und Arbeiter auf dem Platz, kein filigraner Techniker. In seinen insgesamt 222 Bundesliga-Spielen sah er 95 Mal die Gelbe Karte.

Publikumsliebling beim FC St. Pauli und beim HSV

Nach vier Jahren und 153 Partien für die Kiezkicker wechselte er 1995 zum 1. FC Kaiserslautern. Doch bei den Pfälzern wurde er nicht glücklich und absolvierte im Trikot der Roten Teufel nur zehn Bundesliga-Spiele. Nach nur einer Saison ging er zurück nach Hamburg, doch nicht zum FC St. Pauli, sondern zum HSV, was ihm die eingefleischten St. Pauli-Fans sehr übel nahmen. Aber auch die HSV-Anhänger waren vom Neuzugang zunächst nicht begeistert. Trotzdem stieg der beinharte (Links-)Verteidiger bei den Rothosen schnell zum Publikumsliebling auf. Auf Hollerbach war beim HSV immer Verlass. Er erarbeitete sich mit seiner Spielweise den Spitznamen "Holleraxt". Ein Spruch von damals ist an der Elbe längst Kult: "An mir kommt entweder der Ball vorbei oder der Gegner. Aber niemals beide zusammen."

Als Co-Trainer holte er mit Felix Magath 2009 mit dem VfL Wolfsburg die Deutsche Meisterschaft © imago

Über acht Jahre (1995 – 2004) schnürte er seine Schuhe für die Hanseaten. Unter Trainer Frank Pagelsdorf spielte er mit dem HSV in der Champions League. Hollerbach stand beim legendären 4:4 im Volkspark gegen Juventus eine Halbzeit lang auf dem Platz. Mit dem HSV stand Hollerbach im Gegensatz zur jetzigen Situation nie im Abstiegskampf. 2000 beendete er die Saison mit den Rothosen auf Rang drei. 2004 beendete er seine Karriere als Spieler.

Trainerstart beim VfL 93 Hamburg

Zusammen mit Weltmeister Andreas Möller machte er 2005 seine Fußballlehrer-Lizenz. Hollerbach blieb dann zunächst in der Hansestadt und machte seine ersten Schritte als Trainer beim VfL 93 Hamburg. Danach wurde er Trainer beim Regionalligisten VfB Lübeck, ehe er sich Felix Magath anschloss und mit ihm als Co-Trainer zum Bundesligisten VfL Wolfsburg wechselte. Insgesamt fünf Jahre arbeitete er unter Magath für Wolfsburg und Schalke. Im Juli 2014 kehrte Hollerbach dann in seine Heimat zurück und übernahm die Würzburger Kickers. Den Verein führte er mit minimalem Budget von der Bayern-Liga (Regionalliga) innerhalb von zwei Jahren in die 2. Bundesliga. Nach einer starken Hinrunde im Unterhaus stiegen die Kickers dann mit Hollerbach im Mai 2017 doch noch in die 3. Liga ab. In der Rückrunde gelang den Würzburgern kein einziger Sieg mehr. Der Verein trennte sich von Hollerbach.

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Seitdem war der gelernte Metzgermeister ohne Anstellung, hospitierte aber unter anderem unter Lucien Favre beim OGC Nizza. Jetzt soll er also den Hamburger SV vor dem ersten Abstieg retten. "Wir erhoffen uns, dass er die Verunsicherung lösen kann, unter der die Mannschaft litt", so HSV-Boss Heribert Bruchhagen. Hollerbach hat den Vorteil, dass er den Verein bestens kennt und genau die Mentalität als Spieler und als Trainer an den Tag legt, die die verunsicherte Mannschaft jetzt braucht. Sein Mentor Felix Magath ist sich sicher, dass der HSV mit Hollerbach eine gute Wahl getroffen hat. "Aufgrund seiner Erfahrung als Profi und als Trainer halte ich ihn für genau den Richtigen, um den HSV da unten rauszuführen. Ich gehe sogar davon aus, dass der HSV mit dem Abstiegskampf nichts mehr zu tun haben wird," so Magath bei der Bild-Zeitung.

Alexander Barklage

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