Ein Trainerwechsel soll stets neue Erfolge bringen - am besten sofort. Dieses Ziel haben wohl alle Bundesligisten, wenn sie ihren Übungsleiter austauschen.

Richtig gut geht dieser Plan aktuell beim VfB Stuttgart auf. Seit Anfang Dezember steht Christian Gross bei den Schwaben in der sportlichen Verantwortung und hat der Mannschaft - ja vielleicht dem ganzen Club - neues Leben eingehaucht.

Gross noch ungeschlagen

Der Schweizer ist mit der Ausbeute von drei Siegen - einer davon in der Champions League - und einem Remis nach vier Pflichtspielen immer noch ungeschlagen mit dem VfB. Und auch ins neue Jahr hat Stuttgart den Schwung mitgenommen. Der Rückrundenauftakt ist mit dem 3:1 gegen Wolfsburg geglückt.

"Es ist unheimlich wichtig für uns, zu Punkten zu kommen", sagte Gross nach dem "Dreier" am Samstagabend: "Es gibt aber noch viel zu tun." Übernommen hatte er den VfB auf dem Relegationsplatz, jetzt ist der Club immerhin schon Zwölfter.

Wohin genau Gross' Reise mit Stuttgart geht, lässt sich natürlich noch nicht sicher beantworten. Die Ziele des Trainers sind aber ambitioniert. "Mittelmaß ist mir zu langweilig. Diese Grauzonen hasse ich. Ich will dort sein, wo sich etwas bewegen lässt. Ich möchte möglichst um Titel spielen", gab er bei seiner Vorstellung zu Protokoll.

Funkel: "Situation bleibt weiter schwer"

Zwei Trainer-Kollegen, die zwar schon ein bisschen mehr Zeit mit ihrer neuen Mannschaft hatten, aber ebenfalls mit viel Schwung in die Rückrunde gestartet sind, sind Friedhelm Funkel und Heiko Herrlich.

Funkel, seit Anfang Oktober bei Hertha BSC im Amt, feierte in Hannover seinen ersten Bundesligasieg mit den Berlinern. "Ich bin froh, dass wir die guten Eindrücke aus der Vorbereitung bestätigen konnten. Wir waren spielerisch stark und haben gut nach vorne gespielt", sagte Funkel nach dem überzeugenden 3:0-Erfolg. Aber auch beim Haupstadtclub müssen weitere Schritte folgen, wenn der Traum namens Klassenerhalt noch in Erfüllung gehen soll. Acht Punkte beträgt immer noch der Abstand auf den Relegationsplatz. "Die Situation bleibt weiter schwer, die Mannschaft muss weiter konzentriert und konsequent arbeiten", weiß Funkel.

Bochumer Auswärtsstärke

Den Blick für die Realität hat auch Bochums Herrlich nicht verloren, trotz des perfekten Starts mit dem 2:1-Sieg in Gladbach. "Wir freuen uns heute über die drei Punkte, aber nach Siegen ist immer so eine Gefahr, dass man große Fehler macht", sagte der 38-Jährige: "Wir müssen ganz bescheiden und demütig bleiben, denn die Situation ist nach wie vor brenzlig."

Das Zwischenzeugnis fällt aber gut aus: Elf seiner 19 Zähler holte der VfL unter Herrlichs Leitung, vor allem auswärts trumpfte das Team mit zuletzt zwei Siegen in Serie auf.

Hecking sieht positive Ansätze

Der dienstjüngste Bundesliga-Trainer durfte zwar zum Einstand nicht einmal einen einfachen Punktgewinn bejubeln, der 1. FC Nürnberg zeigte beim 0:1 auf Schalke aber eine ansprechende Leistung. Verantwortlich dafür zeichnet Dieter Hecking, erst seit dem 22. Dezember "Club"-Trainer.

"Wir haben richtig gut gespielt, hatten die klareren Torchancen. Das ist sehr ärgerlich", analysierte Hecking sein Debüt und benannte die positiven Ansätze: "Mich freut vor allem, dass wir nicht nur defensiv gut gestanden haben, sondern immer wieder Nadelstiche gesetzt haben."

Wie viele Erfolgserlebnisse aber auch noch kommen mögen, irgendwann heißt es auch in Stuttgart, Berlin, Bochum und Nürnberg wieder: Der Nächste bitte...

Tim Tonner