Wolfsburg - Der Hamburger SV erzielte durch Nicolai Müller am Samstag beim 1:1 in Wolfsburg bereits sein 19. Saisontor. In der vergangenen Spielzeit erreichte der HSV diese Marke erst am 30. Spieltag beim 3:2-Heimsieg gegen den FC Augsburg. Besonders in der Offensive ist ein klarer Fortschritt beim Team von Bruno Labbadia zu erkennen.

Beim Branchenführer FC Bayern München sah man vor der Saison auf den Außenbahnen im Mittelfeld Bedarf und verpflichtete mit Douglas Costa und Kingsley Coman zwei schnelle Flügelflitzer. Die beiden Neuzugänge der Bayern starteten in dieser Saison voll durch und sind Shootingstars der Bundesliga.

Der HSV konnte in der Sommerpause naturgemäß nicht so tief in die Tasche greifen, musste sich auf das vorhandene Personal auf der Außenbahn verlassen und tat gut daran. Sowohl Ivo Ilicevic als auch Ex-Nationalspieler Nicolai Müller spielen eine starke Hinrunde und rufen endlich ihr wahres Potenzial bei den Hanseaten ab.

Labbadia schenkt neues Vertrauen

Für beide Offensivspieler verlief die vergangene Saison alles andere als zufriedenstellend. Zu oft saßen sie auf der Bank und wurden nur sporadisch eingewechselt. Doch ein versöhnliches Ende sollte es sowohl für Ilicevic als auch für Müller geben. Nach dem Trainerwechsel von Peter Knäbel zu Bruno Labbadia änderte sich Ausgangslage.

Besonders der Kroate Ilicevic, der zuvor unter Knäbel und auch Zinnbauer keine große Rolle spielte, blühte unter Labbadia auf. Den 29-Jährige kannte Labbadia bereits aus der gemeinsamen Zeit in Darmstadt und Fürth. Labbadia gab den beiden Dribbelkünstlern neues Selbstbewusstsein und vertraute ihnen. Das sollte sich auszahlen, denn sowohl Ilicevic als auch Müller erzielten für den HSV in den beiden Relegationsspielen gegen den Karlsruher SC zwei immens wichtige Tore und retteten den Verein vor dem Abstieg in die 2. Bundesliga.

Ilicevic: "Ich will mich weiter verbessern"

In der aktuellen Saison sind beide Offensivspieler aus der ersten Elf der Rothosen nicht mehr wegzudenken. Ilicevic bestritt bisher alle 16 Bundesliga-Spiele und auch Müller stand 14 Mal in der Bundesliga auf dem Platz. "Ich bin erst einmal zufrieden, dass ich alle Partien gemacht habe und immer auf dem Platz stand. Trotzdem will ich mich weiter verbessern und mit Toren und Vorlagen dem Team helfen", sagte Ilicevic nach dem Remis in Wolfsburg.

Zusammen mit Müller ist er ein Sinnbild für den neuen HSV unter Labbadia, der besonders in der Offensive eine positive Wandlung vollzogen hat. Unter Labbadia entwickelt sich der HSV spielerisch und vor allem im Angriffspiel weiter. Während der HSV in der vergangenen Saison offensiv harmlos war, steht er nach 16 Spieltagen schon bei 19 Toren, dafür brauchten die Rothosen in der abgelaufenen Serie noch bis zum 30. Spieltag.

Müller: "Wir spielen einfach cleverer"

Für die Tore war in der Saison 2014/15 fast ausschließlich Stürmer Pierre-Michel Lasogga verantwortlich. In dieser Serie hat der Angreifer des HSV zwar ebenfalls die meisten Treffer im Team auf dem Konto (sechs), doch Ilicevic (zwei) und Müller (drei) entlasten den Torjäger. "Wir haben beide eine gewisse Qualität, wir sind beide schnelle wendige Spieler, die Eins-gegen-Eins-Situationen suchen. Nach vorne entwickeln wir viel Druck. Das klappt im Moment wirklich gut", freut sich Ilicevic. Teamkollege Müller fügt hinzu: "Wir nutzen diese Saison unsere vorhandenen Räume einfach besser. Es macht momentan richtig Spaß."

Bestes Beispiel für neue Torgefährlichkeit des HSV-Duos war das 1:0 in Wolfsburg. Stürmer Lasogga erkämpfte sich dank eines starken Pressings gegen VfL-Verteidiger Dante den Ball und scheiterte im ersten Versuch an Keeper Diego Benaglio. Der nachrückende Müller ließ dem Schweizer im Nachschuss dann keine Chance.

Drei seiner vier Treffer erzielte der 28-Jährige übrigens auswärts. "Wir spielen jetzt einfach in der Offensiver cleverer als noch in der vergangenen Saison", erläutert Müller, der am liebsten in seiner jetzigen Form noch lange weiterspielen würde. Doch auch für die Hanseaten steht nur noch ein Spiel auf dem Programm, am nächsten Samstag gegen den FC Ausgburg. "Klar könnte ich noch weiterspielen, aber der Spielplan ist halt so. Ich freue mich aber auch sehr über eine Woche Urlaub mit meiner Familie. Die Partie gegen Augsburg wird ähnlich wie die gegen Mainz. Wir müssen noch mal alles raushauen", so Müller. Angesprochen auf seine neue Torgefährlichkeit antwortete der Ex-Mainzer nur lapidar: "Das wurde ja auch langsam Zeit."

Aus Wolfsburg berichtet Alexander Barklage