München - Als plötzlich alle Journalisten die Chance erkannten, Mitte der 2. Halbzeit im Testspiel der Bayern in Unterhaching ein Foto von Matthias Sammer zu schießen, ging es auf dem Spielfeld richtig zur Sache. Erst Xherdan Shaqiri und im Anschluss Dante hatten für ihr überhartes Einsteigen die Gelbe Karte von Schiedsrichter Robert Hartmann gesehen. Und diese hatten Folgen.

Direkt nach ihren Vergehen gaben Dante und Shaqiri den etwas müde wirkenden Kollegen lautstark zu verstehen, dass das Spiel noch 20 Minuten dauern würde und man als FC Bayern nicht mit einem 0:0-Unentschieden in die Saisonvorbereitung startet . Prompt fiel der Siegtreffer durch David Alaba.

Sehenswerter Einstand



Der FC Bayern hat vor allem mit Dante einen neuen Lautsprecher in der Verteidigung hinzugewonnen. "Wir haben konzentriert gespielt, aber natürlich können und müssen wir noch besser spielen. Wir müssen schon im Training alles geben und dürfen auch in so einem Test nichts schleifen lassen", sagt der brasilianische Innenverteidiger nach dem Spiel im Interview mit "SPORT1" und fügt an: "Jeder muss merken, dass wir der FC Bayern sind."

Obwohl Daniel van Buyten mit der Kapitänsbinde ausgestattet die Mannschaft des FCB in den Hachinger Sportpark führte, war es Dante, der seine Mitspieler über die gesamte Spielzeit dirigierte und motivierte. In der Offensive sorgte der Linksfuß mit seinen Kopfbällen für Gefahr und war bei Standardsituationen ein steter Unruheherd im Strafraum des Drittligisten. Ein rundum gelungener Einstand für den Mann, der gekommen ist, um Titel zu gewinnen.

"Es herrscht ein harter Wettbewerb"



Ebenfalls auf sich aufmerksam machte Neuzugang Mitchell Weiser, der auf der rechten Außenbahn zum Einsatz kam. Trotz der anstrengenden Trainingstage zeigte der 18-Jährige gerade in der 1. Halbzeit oftmals seine außerordentliche Schnelligkeit mit und ohne Ball. Bei seiner auffälligsten Aktion blitzte zudem das technische Können des Nachwuchsmannes auf, der einen langen Ball von David Alaba in voller Geschwindigkeit an- und mitnahm und daraufhin seinen Gegenspieler gekonnt per Körpertäuschung ins Leere grätschen ließ.

Die hinzugewonnene Breite im Kader der Bayern wird die etablierten Spieler, anders als in den vergangenen Jahren, in allen Mannschaftsteilen permanent unter Druck setzen. "Schon seit dem ersten Trainingstag herrscht ein harter Wettbewerb unter den Spieler", sagte Torwart Tom Starke nach der Partie.

Dante denkt wie Sammer



Zusätzliche Motivation sitzt in Person von Matthias Sammer auf der Bayern-Bank. Der Sport-Vorstand hat seit seinem Amtsantritt an der Säbener Straße kein Training seines neuen Teams verpasst. Er versucht möglichst nah beim Team zu sein und die Kommunikation untereinander zu stärken. Immer im Hinterkopf, dass nur mit einer geschlossenen Einheit der angestrebte Erfolg möglich ist.

"Seine Anwesenheit strahlt schon etwas aus. Und seine Kabinenansprache an seinem ersten Tag war sehr eindrucksvoll. Da hört jeder genau hin. Sammer ist ein Vollprofi, der alles gewinnen will", sagte Dante. "Er will den maximalen Erfolg und den wollen die Jungs und ich auch."

Vom Ergebnis her hat dieser maximale Erfolg schon einmal mit dem ersten Sieg im ersten Spiel einen guten Anfang genommen. Und spätestens wenn die Nationalspieler zurückkehren und der Kampf um die Startplätze vollends beginnt, wird sich das mediale Interesse schon wieder weg von der Trainerbank auf den Rasen und die Protagonisten dort richten.

Steffen Hoss