Köln - Beim Hamburger SV schöpft man aus dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt neue Hoffnung. Viele gute Ansätze waren zu sehen, das Scheitern wird auf verpasste Chancen und Pech zurückgeführt. Für das kommende Spiel gegen Dortmund kehren zwei Leistungsträger zurück. Aber es gibt auch neue Verletzungssorgen und weitere Themen, die für Unruhe sorgen.

"Ich glaube, es ist es einfacher, sich in Bremen zurückzuziehen und seine Probleme zu lösen, weil man dort mehr Intimität und nicht den Glamourfaktor wie in den großen Städten hat", sagte Hamburgs Sportdirektor Peter Knäbel unter der Woche. Nach dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt wird sich der eine oder andere HSV-Protagonist möglicherweise wünschen, etwas mehr Ruhe zu bekommen.

Denn nachdem der nachvollziehbare Frust von der 1:2-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt (Spielbericht) verraucht ist, müssen sich die Hamburger auf den nächsten Gegner Borussia Dortmund vorbereiten. Und wie beinahe immer wird das nicht ohne Unruhe im Umfeld des Vereins gehen.

Gute Leistung, fehlendes Ergebnis

"Wir hätten uns Luft verschaffen können - das ist bitter", sagt Maximilian Beister nach dem Spiel. Kapitän Johan Djourou sieht ebenfalls viel Positives: "Wir haben nicht so schlecht gespielt, das müssen wir aus diesem Spiel mitnehmen. Wir hatten eigentlich gut angefangen", findet Djourou. "Nur das Tor hat uns gefehlt. Ich würde sagen, dass Frankfurt am Ende nicht der verdiente Sieger war."

Das kennzeichnet Teams im Abstiegskampf häufig. Die Leistungen sind in Ordnung, das letzte Quäntchen fehlt aber. Sowohl Glück, als auch Sicherheit und der letzte Wille. "Wir hatten gute Möglichkeiten, haben die Tore aber nicht gemacht", stößt Trainer Joe Zinnbauer ins selbe Horn. "Wir haben auch mit zehn Mann weiter nach vorne gespielt, sind aber dafür nicht belohnt worden." Was Spieler und Verantwortliche außerdem eint, ist der Blick nach vorne. "Wir geben weiterhin Gas und haben es noch selbst in der Hand", sagt Zoltan Stieber. Maxi Beister ergänzt: "Wir bereiten uns nun auf Dortmund vor. Es geht weiter."

Stieber ist einer der neuen Hoffnungsträger beim HSV. Seitdem er im zentralen Mittelfeld eingesetzt wird, läuft er zu Topform auf. In den letzten fünf Spielen erzielte er drei Tore und war auch gegen Frankfurt ein Aktivposten. Weitere Hoffnung geben die Rückkehrer Valon Behrami und Ivica Olic.

Besonders Behrami wurde schmerzlich vermisst. Ein Fighter auf der Sechs, ein Spieler, der mit kämpferischer Leistung vorweg geht. Der fehlte beim HSV in den letzten Spielen. Ivica Olic, der ebenfalls mit seinem Einsatz mitreißen kann, fehlte ebenfalls und kehrt nun zurück. Dafür fällt mit Slobodan Rajkovic ein Innenverteidiger aus. Ersetzt wird er wahrscheinlich von Cleber Reis oder von Heiko Westermann. Womit man bei den Baustellen ist, die den Verein auch in der nächsten Zeit nicht zur Ruhe kommen lassen.

Wirbel um Rafael van der Vaart

Die Verträge einiger Spieler laufen aus. Neben Westermann sind das Marcell Jansen und Rafael van der Vaart. Besonders um Letzteren gibt es derzeit medialen Wirbel, weil eine Delegation des MLS-Teams Sporting Kansas City in Frankfurt gewesen sein soll, um van der Vaart zu beobachten.

Selbst wenn das nicht stimmt, ist das Thema nun in der Welt und könnte bis zum 15. April, wenn die Wechselfrist in den USA endet, ein Störfaktor sein. Derweil fordern momentan viele ehemalige Spieler Veränderungen im Kader. "Dass ein Umbruch kommen muss, darüber sind sich alle einig", sagt etwa HSV-Legende Uwe Seeler. Nur, wo wird dieser Umbruch stattfinden? Und mit wem? Fragen, die nicht dazu beitragen, dass Team und Trainer in Ruhe arbeiten können.

Abstiegs-Spirale aufhalten, egal wie

"Wir müssen in den nächsten Spielen Punkte holen, egal wie der Gegner heißt", sagt Zoltan Stieber. Der HSV hat das Potenzial um zumindest zwei Teams hinter sich zu lassen. Aber dafür müssen Ergebnisse her. "Wir sind im Abstiegskampf und brauchen jeden Punkt", gibt Stieber weiter zu Protokoll. Und das muss bei allen Beteiligten ankommen. Die typische Abstiegs-Spirale aus guten Leistungen und fehlenden Ergebnissen muss der HSV nun durchbrechen. Die Rückkehrer sind dafür enorm wichtig - wenn sie bis zum Saisonende fit bleiben.

Der Fall Rajkovic zeigt, dass der HSV selbst in dieser Beziehung vom Pech verfolgt wird. Und um auf Peter Knäbel zurückzukommen: Nach Bremen muss der HSV in dieser Saison auch noch. Am 29. Spieltag steht das Nordderby an. Dass der Club bis dahin zu Ruhe gefunden hat, wäre wünschenswert.

Sebastian Stenzel