Stuttgart - Es war ein knapper, aber verdienter 1:0-Sieg gegen den FC Getafe in der Europa League. Ein Erfolg, der allerdings nur Bedeutung hat, wenn der VfB Stuttgart nun auch national durchstartet. Da wartet nun der FC St. Pauli, nicht gerade ein Selbstläufer für die labilen Schwaben.

Zu später Stunde hatte Fredi Bobic dann doch noch gute Laune. Dafür mussten allerdings schon die Erinnerungen an frühere Zeiten herhalten. Er habe "früher auch nicht jedes Ding rein gemacht", diktierte der VfB-Sportdirektor den Journalisten in die Notizblöcke, viel wichtiger sei es doch "sich die Chancen erst einmal zu erarbeiten".

Fahrlässige Chanceverwertung

In diesem Punkt hatte Bobic sicherlich nicht unrecht, allerdings war es teilweise fast schon fahrlässig, wie leichtfertig die VfB-Stürmer mit ihren Gelegenheiten umgegangen waren. So stand es am Ende nur 1:0 für die Schwaben gegen einen schwachen Gegner aus Getafe, ein knapper Sieg in der Europa League, der dem VfB fast schon das Weiterkommen sicherte.

Lange dauerte es allerdings nicht, bis nahezu alle Beteiligten auf den kommenden Bundesliga-Gegner FC St. Pauli richteten. Die zuletzt so starken Hamburger sind am Sonntag zu Gast in der Mercedes-Benz Arena, eine Partie, die die kriselnde Mannschaft von Neu-Trainer Jens Keller unbedingt gewinnen muss, um auch national wieder neue Hoffnung zu schöpfen.

Zittern in den Schlussminuten

"Gegen St. Pauli wollen wir am Sonntag ein ähnliches Spiel wie heute abliefern, nur unsere Chancen müssen wir besser nutzen", sagte VfB-Torwart Sven Ulreich und sprach damit das große Manko an. Viel zu überhastet wirkten Ciprian Marica, Pavel Pogrebnyak und Co. vor dem spanischen Tor, so dass der VfB wieder bis zum Ende zittern musste. Dabei hat Keller innerhalb weniger Tage bereits einiges bewirkt.

Nicht nur, dass er seinen mental angeschlagenen Kickern neuen Mut eingeflößt zu haben scheint, auch spielerisch haben sich die Schwaben im Vergleich zu den letzten Wochen deutlich verbessert. Ganz besonders zwei Maßnahmen lösten dabei einen enormen Effekt aus.
Zum einen die Versetzung von Christian Träsch ins zentrale Mittefeld, wo er auch gegen Getafe bis zu seiner verletzungsbedingten Auswechslung ein bärenstarkes Spiel ablieferte. Zum anderen gibt Cacau unter Keller ein Art Spielmacher, eine Rolle, die er selbst "am liebsten" spiele, wie er gegenüber bundesliga.de versicherte.

"Ein Muskel am Po", der zumacht

Auffällig ist auch, dass die gesamte Mannschaft kompakter steht und in der Defensive nur wenige Chancen zulässt. Die beiden "Aushilfs-Innenverteidiger" Georg Niedermeier und Khalid Boulahrouz zeigten gegen Getafe eine mehr als solide Vorstellung. Und auch die Außenverteidiger Stefano Celozzi und Arthur Boka erfüllten ihre Aufgaben mit viel Engagement.

Ganz glücklich allerdings wird VfB-Coach Keller nicht nach Hause gefahren sein, muss er doch vor dem richtungweisenden Duell gleich um mehrere Spieler bangen. "Ein Muskel am Po" habe bei ihm während des Spiels "zugemacht", erklärte Träsch seine Auswechslung. Boulahrouz musste mit einer Oberschenkelverletzung das Feld verlassen.

Verletzungssorgen vor dem Sonntagsspiel

So plagen Keller speziell in der Abwehr große Verletzungssorgen, zumal auch Serdar Tasci (Adduktorenprobleme) für Sonntag fraglich ist und Kapitän Matthieu Delpierre wegen einer Rotsperre ganz sicher ausfallen wird. Gegen Getafe musste Youngster Mamadou Bah einen Part in der Innenverteidigung übernehmen.

Klar ist nach dem ersten Sieg unter Trainer Keller allerdings: Der VfB verspürt merklichen Rückenwind. Allerdings gilt es nun den Sieg gegen Getafe in der Bundesliga zu bestätigen. Sollte gegen St. Pauli wieder nicht gewonnen werden, ist der "Keller-Effekt" bereits wieder verpufft. Zu wackelig ist derzeit noch das Gesamtgebilde VfB Stuttgart - Getafe hin oder her.

Aus Stuttgart berichtet Jens Fischer