Köln - Heiko Herrlich heißt der neue Mann, der Bayer 04 Leverkusen zukünftig zu sportlichen Erfolgen führen soll. Dass er zu großen Dingen in der Lage ist, hat er zuletzt beim SSV Jahn Regensburg gezeigt, den er geradewegs von der Regionalliga in die 2. Bundesliga geführt hat. Dabei geholfen hat ihm sein unvergleichlicher Optimismus. Positiv denken ist auch bei der Werkself jetzt gefragt, die Herrlich nach einem völlig verkorksten Jahr wieder an die Spitzenplätze heranführen soll. Erstmals seit acht Jahren konnte sich Leverkusen nicht für den internationalen Wettbewerb qualifizieren.

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Die schwerste Aufgabe seines Lebens hat Herrlich bereits erfolgreich geschafft: Im Oktober 2000, damals war er Spieler bei Borussia Dortmund, erhielt der Stürmer die Diagnose Krebs. Ein Hirntumor wurde bei ihm entdeckt, eine Chemotherapie war unumgänglich. "Es war die schlimmste Zeit meines Lebens", erklärt er. Herrlich kämpfte sich durch und besiegte den Krebs. Ein Jahr später - im Derby gegen Schalke - feierte er sein Comeback.

Auch deswegen haut den einstigen Torschützenkönig der Bundesliga (1994/95 bei Borussia Mönchengladbach) und Champions-League-Sieger (1997 mit dem BVB) so schnell nichts um. "Es stirbt ganz sicher niemand, wenn mal ein Spiel verloren geht", weiß er. Diese Lockerheit im Fußball und die Dankbarkeit gegenüber dem Leben half ihm auch in den Jahren nach seiner Erkrankung, als er nicht mehr zu alter Form zurück fand. Über die zweite Mannschaft des BVB ließ er seine Karriere ausklingen. Herrlich war gerade 32 Jahre.

Video: Herrlichs Traumtor für Bayer

Duell mit Oliver Kahn

Im Gedächtnis geblieben aus seiner aktiven Zeit als Fußballer ist seine Begegnung mit Oliver Kahn, der in Suarez-Manier zum Biss bei seinem Gegenspieler ansetzte. Kahn war damals, 1999, seit 722 Minuten ohne Gegentreffer gewesen und stand kurz vor einem Bundesliga-Rekord. Doch im Spiel gegen Dortmund traf Herrlich zwei Mal, was dem Torhüter des FC Bayern nicht so gut gefallen hatte. "Beim zweiten Treffer machte Kahn keine gute Figur. Vielleicht hat ihm das den letzten Nerv geraubt. Er kam auf mich zu und drückte seine Nase an meinen Hals. Gebissen hat er mich nicht, aber ich jubelte innerlich, weil dieser Ausnahmesportler eine Schwäche gezeigt hat", erinnerte sich Herrlich einmal bei der "Welt".

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Diesen Ehrgeiz und Erfolgshunger hat ihm auch der Krebs nicht nehmen können und treibt ihn heute als Trainer noch an. "Wenn ich auf den Platz gehe, will ich unbedingt gewinnen", sagt er. Mit 45 Jahren blickt der gebürtige Mannheimer, der in Leverkusen 1989 seine erste Station als Profi-Fußballer antrat und 1993 den DFB-Pokal gewann, bereits auf eine lange Trainerkarriere zurück. Unter anderem trainierte er die U19 des BVB, Nachwuchsmannschaften des DFB, hatte ein Gastspiel beim VfL Bochum in der Bundesliga oder betreute die U17 des FC Bayern in der Junioren-Bundesliga. Außerdem stand er beim der SpVgg Unterhaching in der dritten Liga an der Seite.

Offensive Spielweise

Überzeugt hat der Trainer Herrlich, der als Spieler insgesamt 258 Spiele (74 Tore) in der Bundesliga bestritt, die Leverkusener mit seiner attraktiven, aggressiven und aktiven Art Fußball zu spielen. Er war eben selbst Stürmer und weiß, was für eine offensive Spielweise wichtig ist. Angriffsfußball ist seine Devise, den will er jetzt auch in Leverkusen zeigen. Sein Statement zum Dienstantritt bei Bayer 04: "Wir werden alles dafür tun, nächstes Jahr ein besseres Ergebnis zu erzielen. Nach oben gibt es keine Grenzen." Herrlich weiß eben, wie man schwierige Aufgaben erfolgreich meistert.

Kristina Jäger

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