Sinsheim - Am Ende war die Luft ein bisschen raus und der Sieg etwas schmeichelhaft. Mit dem 2:1 gegen Uruguay hat die deutsche Nationalmannschaft aber den Fluch, in Freundschaftsspielen nicht mehr gewinnen zu können, besiegt. Dabei knüpfte die DFB-Elf in den ersten 45 Minuten nahtlos an die Gala-Vorstellungen bei der WM 2010 an.

"Mir hat vieles sehr gut gefallen, vor allem in der ersten Halbzeit. In dem Spiel war viel Tempo. Das konnte man nicht unbedingt erwarten. In der zweiten Halbzeit haben wir ein paar kleinere Fehler gemacht, da war der Spielfluss auch bedingt durch die vielen Wechsel nicht mehr so vorhanden", analysierte Bundestrainer Löw die Neuauflage des kleinen Finals der vergangenen Weltmeisterschaft.

Schürrle überzeugt

Viel wichtiger als das Ergebnis war die Tatsache, dass Löw aus diesem Test wichtige Erkenntnisse für die Zukunft, und somit für die anstehenden EM-Qualifikationsspiele in Österreich und Aserbaidschan, sammeln konnte.

So zeigte der (Noch-)Mainzer Andre Schürrle, dass er auf der linken Seite mehr als eine Alternative für Lukas Podolski sein kann. Immer anspielbar, mit viel Zug zum Tor, bestätigte Schürrle seine tollen Leistungen aus der Bundesliga. Mit dem 2:0 krönte er seinen dritten Auftritt im Trikot mit dem Adler auf der Brust.

Einzelleistung sorgt für Führung

"Ich freue mich über mein erstes Tor. Wenn ich meine Chance bekomme, will ich meine Leistung bringen und dem Bundestrainer das in mich gesetzte Vertrauen zurückzahlen", erklärte der 20-Jährige diplomatisch.

In der Offensive überzeugte zudem Mario Gomez, der zum zweiten Mal in Folge den Vorzug vor seinem Vereinskollegen Miroslav Klose bekam. Gleich fünf Mal schoss der Torschützenkönig der Bundesliga aufs Tor, nach einer energischen Einzelleistung brachte er Deutschland - wie schon beim letzten Spiel gegen Australien - in Führung.

Ein Rückkehrer und ein Debütant

"Wir haben gut angefangen und viel Tempo nach vorne gemacht. Wir haben zwei schöne Tore geschossen, hätten aber mehr machen müssen", zeigte sich Gomez nach Spielschluss gewohnt nüchtern und zurückhaltend.

Positiv an diesem Abend waren zudem die Rückkehr des Leverkusener Kapitäns Simon Rolfes ins DFB-Team nach 19 Monaten und die Premiere von Bendikt Höwedes. Der Schalker geht damit als 46. Debütant der Ära Löw in die Geschichtsbücher ein, konnte sich in der kurzen Zeit nach seiner Einwechselung aber nicht wirklich empfehlen.

In Wien gegen Österreich

"Die Messlatte liegt nach unseren guten Turnieren in der Vergangenheit sehr hoch. Es reicht für einen Spieler nicht mehr, nur eine gute Saison in der Bundesliga zu spielen. Sie müssen sich auch international beweisen", meinte Löw.

Am Freitag steht das nächste Pflichtspiel auf dem Programm. In Wien will Deutschland seiner Favoritenrolle gerecht werden. Im Hinblick auf die EM 2012 wird der Bundestrainer weiter Erkenntnisse sammeln können - dieses Mal aber unter "echten" Wettkampfbedingungen.

Michael Reis