Wroclaw - Vaclav Pilar war ganz gerührt, als ihm die kroatische Fußballlegende Davor Suker Dienstagnacht im Pressekonferenzsaal im Stadion von Wroclaw einen riesigen Pokal als Auszeichnung für den "Spieler des Spiels" übergab. Den hatte sich Pilar durch seine Leistung im Spiel gegen Griechenland aber redlich verdient und damit maßgeblichen Anteil daran, dass sein Team sich nun in einer komfortablen Ausgangssituation in der Gruppe A befindet.

Ein Remis im abschließenden Gruppenspiel am Sonntag in Wroclaw gegen Gastgeber Polen würde zum Einzug ins Viertelfinale gegen einen Gegner aus der deutschen Gruppe genügen.

Pilar zeigt seine ganze Klasse



Unabhänig vom Ausgang des tschechischen EM-Verlaufs kann sich der VfL Wolfsburg in der neuen Saison auf einen vielversprechenden Neuzugang freuen. Schon gegen Russland war der trickreiche Außenstürmer aus Pilsen einer der besten Tschechen. In der furiosen Anfangsphase des zweiten Vorrundenspiels erzielte er mit dem Knie im Fallen nach einer Hereingabe des Rechtsverteidigers Theodor Gebre Selassie das 2:0 schon nach sechs Minuten. "Das war ein wichtiges Tor für mich und vor allem für die Mannschaft", sagte der 23 Jahre alte Pilar stolz.

Das 1:0 nach drei Minuten hatte Petr Jiracek erzielt, als er nach einem Pass von Tomas Hübschman aus 13 Metern den Ball mit seinem starken linken Fuß ins Netz schoss. Mit Jiracek spielte Pilar lange in Pilsen zusammen, nun werden sie in der neuen Saison gemeinsam für den VfL Wolfsburg auflaufen.

Jiracek überzeugt auf ungewohnter Position



Für die beiden Torschützen hatte ihr tschechischer Auswahltrainer Michal Bilek nur Lob parat. Pilar nahm er nach seiner Auszeichnung zum "Spieler des Spiels" warm in den Arm und Jiracek lobte er explizit: "Petr hat ein großes Spiel auf einer ungewohnten Position gemacht. Er ist ein großartiger Fußballer", erklärte Bilek. Er hatte den Linksfuß rechts im Mittelfeld aufgeboten, nicht wie sonst üblich links, weil Bilek dort in Tomas Hübschman eine defensive Sicherung eingebaut hatte.

Das Spiel wurde erst noch einmal spannend, als Tschechiens erfahrener Torwart Petr Czech einen Fangfehler beging, den der eingewechselte ehemalige Bundesligaprofi Theofanis Gekas geistesgegenwärtig zum Anschlusstreffer für die Griechen nutzte. "Das war ein blödes Tor, aber danach haben wir gut verteidigt und verdient gewonnen", kommentierte Pilar, der sich drauf freut, in der nächsten Spielzeit wieder mit Jiracek zusammen zu spielen.

Den Bruch im Spiel der Tschechen erklärte er mit der Auswechslung von Kapitän Tomas Rosicky in der Halbzeitpause. Der Kapitän war wegen einer Achillessehnenverletzung in der Kabine geblieben war und droht gegen Polen auszufallen. "Ihn können wir nicht ersetzten, er ist ein Schlüsselspieler", sagt ePilar über den Regisseur vom FC Arsenal aus London.

"Müssen uns gegen Polen erneut beweisen"



Auch Petr Jiracek wusste: "Wir haben uns in der zweiten Hälfte sehr schwer getan. Es war ein hartes Stück Arbeit." Doch durch den Sieg ist die Zuversicht zurückgekehrt im tschechischen Lager. Am Dienstag kamen außer Pilar und Jiracek noch Michal Kadlec von Bayer Leverkusen und der eingewechselte Tomas Pekhart vom 1. FC Nürnberg aus der Bundesliga zum Einsatz, während beim Gegner Kyriakos Padopoulos vom FC Schalke über die komplette Spielzeit und Kostas Fortounis vom 1. FC Kaiserslautern 70 Minuten auf dem Platz standen.

"Nun geht es gegen die Polen, da müssen wir uns erneut beweisen", sagt Jiracek. Am Samstag hat bestimmt auch wieder Vaclav Pilar ausgeschlafen, der schnelle Dribbler sagte Dienstagnacht: "Ich habe nach Spielen immer Probleme einzuschlafen. Das wird heute nach meinem Tor natürlich nicht anders sein." Wie auch immer: Der VfL Wolfsburg kann sich auf zwei ausgeschlafene Jungs aus Tschechien in der kommenden Saison freuen.

Aus Wroclaw berichtet Tobias Schächter