München - Er war der erste Popstar der Bundesliga, der Inbegriff des modernen Spielmachers und ein Freigeist. Er war Weltmeister, Europameister und Deutscher Meister. Günter Netzer ist in Deutschland eine absolute Fußball-Ikone.

Im vierten Teil des großen Guardiola-Spezial spricht Netzer im bundesliga.de-Interview über Pep Guardiola, den neuen Trainer des FC Bayern München. Der heutige Medienunternehmer erklärt, wieso nicht nur der FC Bayern vom Spanier profitieren wird, warum ausländische Trainer für die Bundesliga so wichtig sind und was die Münchner Mannschaft besonders auszeichnet.

bundesliga.de: Herr Netzer, Pep Guardiola übernimmt am 1. Juli den Trainerposten beim FC Bayern. Was bedeutet das für die Bundesliga?

Netzer: Für die Bundesliga ist es das pure Glück, dass ein Trainer wie Pep Guardiola in die Liga kommt. Er wird nicht nur für den FC Bayern richtungs- und zukunftsweisend sein. Ich bin mir sicher: Die ganze Bundesliga wird von Pep Guardiola profitieren.

bundesliga.de: Was können sich die anderen Vereine denn von Pep Guardiola abschauen?

Netzer: Ich bin der Meinung, wir brauchen hier in Deutschland neue Impulse, neue Ideen. Das kann nur durch ausländische Trainer, die ein anderes System spielen, eine andere Spielphilosophie vertreten, vonstattengehen. Während meiner Zeit als Manager des Hamburger SV wollte ich schon sehr frühzeitig ausländische Trainer in die Bundesliga bringen. Ernst Happel wollte ich zum Beispiel schon drei Jahre früher haben, doch das hat man mir damals nicht gestattet. Aufgrund der fußballerischen Mittel wird natürlich nicht jede Mannschaft so spielen können, wie Guardiola es im Kopf hat, doch er wird definitiv für neue Impulse in der Liga sorgen.

bundesliga.de: Der FC Bayern hat 2012/2013 eine nahezu perfekte Saison gespielt und auch mit seiner Spielweise überzeugt. Kann Pep Guardiola die Münchner überhaupt noch weiterentwickeln, noch besser machen?

Netzer: Ich bin mir sicher, dass Guardiola die Mannschaft weiterentwickeln wird. Doch ich bin sehr gespannt, in welcher Art und Weise er das tun wird. Die Mannschaft hat ein Restpotenzial an Entwicklung, deshalb hat der FC Bayern Guardiola als Trainer verpflichtet. Er wird aber nicht auf die erstklassigen Dinge, die FC Bayern in dieser Saison gezeigt hat, verzichten.

bundesliga.de: Was zeichnet den FC Bayern denn besonders aus?

Netzer: Beim FC Bayern sind nicht nur die Spieler erstklassig, sondern auch deren Charakter. Eine charakterlich einwandfreie Mannschaft ist in der heutigen Zeit fundamental geworden. So etwas führt man als Trainer natürlich sehr gerne weiter. Ich denke nicht, dass Guardiola versucht, ein zweites Barcelona entstehen zu lassen. Dazu sind im Verhältnis zu Barcelona die Fußballcharaktere zu unterschiedlich. Der eine oder andere Spieler wird jedoch Dinge hören, die er noch nie gehört hat. Von daher denke ich, dass er aus dem FC Bayern noch mehr herausholen kann und die Mannschaft sehr von ihm profitiert.

bundesliga.de: Wie wird der FC Bayern unter Guardiola spielen?

Netzer: Guardiola hat beim FC Bayern einen sehr guten Kader, aus dem er auswählen, mit dem er etwas ausprobieren kann. Er hat sicherlich schon seine Ideen, wie er es beim FC Bayern machen wird, doch ich glaube, dass ihm die vielen Charaktere, die beim FC Bayern aufeinander treffen, eine große Möglichkeit bieten, vieles zu entwickeln und auszuprobieren. Es ist für einen Trainer das schönste, wenn er variieren kann. Wie sich das dann auf die Aufstellung und das Spielsystem auswirkt, wird sich zeigen.

Das Gespräch führte Sebastian Dirschl


Guardiola-Spezial

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