München - Fünf Spiele, vier Kandidaten - und mehr zu verlieren als zu gewinnen: Bremen, Düsseldorf, Augsburg und Hoffenheim kämpfen noch um den Klassenerhalt in der Bundesliga. Ein Team steigt zusammen mit Schlusslicht Fürth direkt ab, eines muss in die Relegation. Die beiden anderen dürfen am Ende über den Ligaerhalt jubeln. Spätestens jetzt, am 30. Spieltag, entwickelt sich der Abstiegskampf zum Psychospiel (im Tabellenrechner die heiße Phase simulieren!).

Einer, der das aus Erfahrung kennt, ist Mike Büskens. "An den letzten Spieltagen ist es immer auch eine Sache der Nerven", weiß der ehemalige Trainer der SpVgg Greuther Fürth. "Wenn es um die letzten Plätze geht, verliert die fußballerische Qualität an Bedeutung und die anderen Faktoren werden wichtiger." Büskens kämpfte mit dem "Kleeblatt" bis Februar um den Klassenverbleib, der 45-Jährige kennt die Konkurrenten im Tabellenkeller genau. "Trotz der schwierigen Lage würde ich als Fürther liebend gerne mit einem Club tauschen, der noch Chancen hat", sagt Büskens. Bei bundesliga.de schätzt der Übungsleiter die Situation im Abstiegskampf ein.

Werder Bremen, 32 Punkte

Werder ist seit acht Spielen sieglos, die Konkurrenten rückten zuletzt bedrohlich näher. "Bremen verfügt über hervorragendes fußballerisches Potenzial, die Situation, gegen den Abstieg zu spielen, ist aber ungewohnt", sagt Büskens. "Man weiß nicht, wie sich das auf die mentale Verfassung auswirkt." Nervlich stabil präsentierten sich die Bremer zuletzt nicht immer, kassierten viele Tore kurz nach Anpfiff. "Wir müssen diese Unkonzentriertheiten abstellen", betont Trainer Thomas Schaaf vor dem Duell mit Wolfsburg und Ex-Manager Klaus Allofs. Erfreuliches gab es unter der Woche von der Personalfront: Clemens Fritz, Aaron Hunt, Mehmet Ekici und Lukas Schmitz meldeten sich im Training zurück. Sokratis (Adduktorenprobleme) soll bis zum Spiel fit werden.

Büskens' Prognose: "Mit Thomas Schaaf haben sie einen Trainer, der nicht für Abstiegskampf steht, sondern für Erfolg. Daher glaube ich, dass sich die Bremer am kommenden Samstag mit einem Sieg etwas von den Abstiegsplätzen entfernen können."

Fortuna Düsseldorf, 30 Punkte

Das Team von Trainer Norbert Meier lechzt seit sieben Partien nach einem Sieg. Nun steht das Gastspiel beim HSV an. Beim 2:2 gegen Werder ließen Meiers Jungs reihenweise Chancen aus. Trotzdem ist dem Coach nicht bange. "Die Mannschaft lebt und keiner geht vor Angst in den Keller", meint Meier. Ex-Fortune Büskens traut den Flingerern viel zu: "Sie definieren sich über Einstellung und Kampf. Über ihr schnelles Umschalten kann die Fortuna immer schnell vors gegnerische Tor kommen." Dort angekommen ist vieles Kopfsache - nur zuletzt nicht mehr bei der Fortuna: In der Hinrunde erzielte Düsseldorf sechs Kopfballtore (Anteil von 30 Prozent), in der Rückrunde noch keines.

Büskens' Prognose: "Der Fortuna wünsche ich von Herzen, dass sie sich bald aller Abstiegssorgen entledigt. Ich traue es den Düsseldorfern aber auch zu, weil sie in der Lage sind, die Ärmel hochzukrempeln und zu fighten. Das hat sie in die Bundesliga gebracht und das wird dafür sorgen, dass sie sich über die Ziellinie retten werden."

FC Augsburg, 27 Punkte

Die Schwaben gewannen vier der letzten sieben Spiele und haben nach dem Sieg gegen Frankfurt das Momentum auf ihrer Seite. "Erfolgserlebnisse sind eine Grundvoraussetzung im Abstiegskampf", sagt Büskens. "Solche Erlebnisse brauchst du, damit du auch wieder den Glauben an deine Leistungsfähigkeit bekommst." Mit einem Erfolg am Freitag in Gladbach könnten die Augsburger den Druck auf die Konkurrenten weiter erhöhen - so nah am rettenden Ufer war der FCA zuletzt vor über fünf Monaten. "Das Selbstvertrauen steigt zwar. Aber wir haben noch nichts erreicht", warnt Trainer Markus Weinzierl. Bitter für ihn: Mit Innenverteidiger Ragnar Klavan fehlt eine wichtige Stütze gelbgesperrt. Kevin Vogt soll ihn ersetzen.

Büskens' Prognose: "Sie spielen eine hervorragende Rückrunde und haben sehr, sehr gute Karten, zumindest die Relegation zu erreichen, die ja nach der Hinrunde für sie auch relativ weit weg war."

1899 Hoffenheim, 24 Punkte

Hoffenheim präsentierte sich zuletzt quicklebendig, zwei der drei besten Laufleistungen der Saison lieferte das Team in den zwei Partien unter Markus Gisdol. Die Bild-Zeitung nennt ihn jetzt schon den "Zauberer von Hoffenheim" - dabei ist noch nichts erreicht. Der Coach hält an seiner Aussage fest, wonach ein Abstieg "auch nicht schlimm" wäre - und nimmt seinem Team so den Druck. Ungewöhnlich im Abstiegskampf: Gisdol setzt auf ein offensives 4-4-2 mit Raute, nur knapp schrammte sein Team so am Sieg gegen Wolfsburg vorbei. Der nächste Coup soll nun in Leverkusen gelingen.

Büskens' Prognose: "Mit seiner Aussage will Gisdol den Druck von der Mannschaft nehmen. Im Grunde ist es aber so, dass die Bundesliga das höchste Gut ist und das gilt es zu verteidigen. Von daher haben die natürlich auch nur ein Ziel, das da Relegationsplatz heißt. Und um dieses Ziel wird Hoffenheim bis zum Schluss kämpfen."


Gregor Nentwig / Andreas Messmer