München - Null Punkte, 1:6 Tore, Platz 17: Nach den ersten beiden Spielen steht 1899 Hoffenheim so schlecht da wie noch nie in seiner jungen Bundesliga-Geschichte. Dabei hatte Trainer Markus Babbel vor Saisonbeginn die Europa League als ehrgeiziges Ziel ausgegeben. Woran liegt es, dass der 40-Jährige aus dem Kader um die neuen, großen Namen wie Tim Wiese, Matthieu Delpierre und Eren Derdiyok bislang keine erfolgreiche Mannschaft formen konnte?

Mit dem klangvollen Trio sowie zuletzt noch Patrick Ochs wechselte eine Reihe neuer Hoffnungsträger in den Kraichgau. Doch bisher konnten die Neuen noch nicht überzeugen - sofern sie überhaupt zum Einsatz kamen. "Gerade in schwierigen Situationen braucht man erfahrene Spieler. Davon hat die TSG genug", sagte Ochs, für den der aktuelle Tabellenplatz "nur eine Momentaufnahme" ist.

Personalentscheidungen greifen noch nicht



Die Wolfsburger Leihgabe wartet bislang noch auf seinen ersten Einsatz für 1899. Dabei hapert es vor allem in der Hoffenheimer Defensive. Torhüter Wiese, den Babbel Anfang August zum neuen Kapitän ernannte, musste in den ersten drei Pflichtspielen bereits zehn Mal hinter sich greifen. Der ehemalige Nationalkeeper wehrte in den ersten beiden Bundesliga-Spielen lediglich zwei von acht Torschüssen ab - der erhoffte Rückhalt ist er mit dieser Bilanz noch nicht.

Babbel, Chef-Trainer und zugleich Manager bei 1899, wollte Hoffenheim startklar für Europa machen. Entsprechend dieser Zielsetzung baute er den Kader um - mehr Erfahrung sollte es sein. Den 24-jährigen Isaac Vorsah ließ er nach Salzburg ziehen, stattdessen kam mit Delpierre ein 31-Jähriger, der vergangene Saison verletzungsbedingt nur ein einziges Spiel bestreiten konnte. Der Franzose sollte die Abwehr der Hoffenheimer stabilisieren, dabei gab es dort eigentlich gar keinen allzu großen Handlungsbedarf. Mit 47 Gegentoren kassierte Hoffenheim die wenigsten aller Bundesligaclubs ab Platz 8 in der Abschlusstabelle der Vorsaison. Aktuell steht nur der VfB Stuttgart (7 Gegentore) in dieser Hinsicht schlechter da als die TSG (6).

Auch auf der Rechtsverteidigerpostion stimmt es noch nicht. Ex-Kapitän und Führungsspieler Andreas Beck stand zuletzt nicht einmal im Kader. Der stattdessen von Babbel rechts in der Viererkette aufgestellte Stephan Schröck flog bei seinem Bundesliga-Debüt mit Gelb-Rot vom Platz, wird also Sonntag gegen den SC Freiburg ebenso fehlen wie der zweite Gelb-Rot-Sünder des Frankfurt-Spiels, Sejad Salihovic.

Vergessene Comeback-Künste



Babbels Abkehr von seinem favorisierten 4-2-3-1-System hat sich bisher ebenfalls noch nicht ausgezahlt. Zwar verlor Hoffenheim mit dieser taktischen Ausrichtung auch die letzten drei Pflichtspiele der vergangenen Spielzeit, doch auch mit der neuen 4-4-2-Formation, in der Kevin Volland versetzt hinter Derdiyok in der Spitze agiert, gab es drei Niederlagen in den ersten drei Pflichtspielen.

Besonders auffällig an der Hoffenheimer Negativ-Serie ist die Schwäche nach Rückständen. Während die TSG in ihren ersten drei Bundesliga-Spielzeiten 22 Mal nach einem 0:1 noch punkten konnte, taten sie sich bereits in der vergangenen Saison schwer, Spiele umzubiegen. Nur in zwei von 15 Partien sprangen für Hoffenheim am Ende noch Punkte (ein Sieg, ein Remis) nach einem Rückstand heraus.

"Kommen aus dem Loch wieder heraus"



Auch Babbel ist dieser Schwachpunkt, der zuletzt auch gegen Frankfurt offenbar wurde, ein Dorn im Auge. "Wir waren nicht in der Lage, als Mannschaft darauf zu reagieren. Das müssen wir schnellstmöglich lernen, denn wir werden öfter in Rückstand geraten", sagte Babbel nach dem Frankfurt-Spiel.

Rechtsverteidiger Ochs ist sich sicher, dass der Knoten bald platzen wird. "Wir haben eine gute Mannschaft, auch wenn wir das derzeit auf dem Platz nicht umsetzen können. Wir kommen aus dem Loch auch wieder heraus", sagte Ochs. Der letzte Punkterfolg in einem Pflichtspiel gelang den Kraichgauern übrigens beim 0:0 am 31. Spieltag der vergangenen Saison in Freiburg - dem Gegner im nächsten Spiel am Sonntagabend.

Maximilian Lotz