Wolfsburg - Einen Musterprofi wie Naldo hätte wohl jeder Trainer gerne im Team. Auch mit mittlerweile 33 Jahren ist der gebürtige Brasilianer, der längst auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, ein Vorbild an Zuverlässigkeit und Leistungsbereitschaft. Vor dem Spiel gegen seinen Ex-Club Werder Bremen spricht der Abwehr-Chef des VfL Wolfsburg über seine Gefühle für Werder, über die schwankenden Leistungen der "Wölfe", über Kevin de Bruyne und Julian Draxler, und über seinen Landsmann Zé Roberto.

bundesliga.de: Naldo, was macht Ihr Rücken, Sie sollen zuletzt ein paar Probleme gehabt haben?

Naldo: Alles in Ordnung! Das ist auskuriert und kein Problem mehr. Ich trainiere längst wieder ganz normal.

bundesliga.de: Am Samstag treffen sie mit den „Wölfen“ auf Ihren Ex-Club Werder. Ist das nach mehr als drei Jahren in Wolfsburg nur noch ein Spiel unter vielen?

Naldo: Nein! Werder und damit auch Spiele gegen Werder werden für mich immer etwas ganz Besonderes sein, egal wie oft wir noch aufeinandertreffen werden. Ich habe sieben Jahre in Bremen gelebt und gespielt, und meine Familie und ich haben uns dort immer super wohl gefühlt. Das vergisst man nicht. Deshalb werden Werder, die Stadt und die Menschen in Bremen immer einen Platz in meinem Herzen haben.

"Ich bin überglücklich in Wolfsburg"

bundesliga.de: Diesem Spiel kommt auch deshalb eine besondere Bedeutung zu, weil es Ihr 20. Pflichtspiel in dieser Saison ist und sich Ihr im Sommer auslaufender Vertrag so um ein Jahr verlängern soll?

Naldo: Das ist faktisch korrekt. Grundsätzlich ist es mir aber sehr wichtig, dass beide Seiten mit der Zusammenarbeit zufrieden und glücklich sind. Nur so macht es Sinn. Ich jedenfalls bin überglücklich in Wolfsburg und möchte noch lange bleiben.

bundesliga.de: Niemand kann sich vorstellen, dass der VfL nicht glücklich sein könnte mit dieser Zusammenarbeit.

Naldo: Das hoffe ich natürlich. Und ich glaube auch, dass Klaus Allofs das ähnlich sieht (lacht). Ich habe vom ersten Tag an versucht, mich gut beim VfL zu integrieren. Dass mir das sehr rasch gelungen ist, verdanke ich besonders meinen Kollegen Marcel Schäfer und Diego Benaglio, die mir die Integration leicht gemacht haben. Ich genieße jeden einzelnen Tag, an dem ich mit der Mannschaft auf dem Platz stehen kann, und ich liebe es, wenn mich die Fans nach dem Training oder in der Stadt fragen, ob sie ein Foto mit mir machen dürfen.

"Fühle mich wie ein junger Spieler"

bundesliga.de: Sie haben bisher jede mögliche Pflichtspielminute absolviert. Werden Sie älter und dennoch immer noch besser?

Naldo: Genau (lacht). Nein, mal ernsthaft, es wäre doch schon toll, wenn ich mein Niveau halten könnte. Bisher sind es in dieser Saison 19 Spiele, das ist wirklich nicht schlecht. Ich bin zwar jetzt 33, fühle mich aber wie ein junger Spieler. Mein Körper spielt mit, aber ich pflege ihn auch jeden Tag, arbeite regelmäßig mit unserem Fitnesstrainer und achte sehr auf die notwendige Regeneration und auf ausreichend Schlaf. Gerade jetzt, während der englischen Wochen, ist das unverzichtbar. Ich bin seit fast 15 Jahren Profi, und wenn mir schwere Verletzungen wie die Knie-Verletzung vor einigen Jahren erspart bleiben, kommen vielleicht noch ein paar dazu.

bundesliga.de: Ihr brasilianischer Landsmann Zé Roberto ist mittlerweile 41, spielt noch immer in der brasilianischen Liga und hat einen Körper, von dem manch Mittzwanziger nur träumen kann.

Naldo: Zé Roberto ist ein Phänomen, ein Vorbild für alle jungen Spieler. Ich glaube, dass er heute immer noch mehr läuft als viele weit jüngere Spieler. Er spielt in Brasilien noch immer auf sehr hohem Niveau. Und Sie haben Recht, er sieht immer noch super aus. (lacht).

"Draxler ist ein Spieler von fantastischer Qualität"

bundesliga.de: Sprechen wir über den VfL: Ihr Club ist Dritter, liegt aber acht Punkte hinter dem BVB und so gar 13 hinter den Bayern. Hat Julian Draxler Recht, wenn er sagt, dass sich die Leistungen nicht anfühlen wie Platz 3?

Naldo: Ja. Es ist uns in dieser Saison noch nicht gelungen, gute Leistungen konstant und über mehrere Wochen abzurufen. Wir haben durchaus einige gute Spiele gemacht, aber eben auch sehr schlechte wie bei den beiden 0:2-Niederlagen in der Champions League in Eindhoven und in der Bundesliga in Mainz. Positiv ist, dass wir trotz der fehlenden Konstanz noch immer Dritter sind. Ausruhen dürfen wir uns darauf aber nicht. Wir müssen auf dem Boden bleiben und schon gegen Werder zeigen, dass wir es in Zukunft wieder besser machen wollen.

bundesliga.de: Wiegen die Abgänge von Kevin de Bruyne und von Ivan Perisic vielleicht doch schwerer als man gehofft hat?

Naldo: Beide haben sehr viel beigetragen zum Erfolg in der vergangenen Saison. Aber man sollte nicht vergessen, dass beide auch eine gewisse Eingewöhnungszeit benötigten, bis sie ihre ganze Klasse abrufen konnten. Wir haben auch in dieser Saison, ohne Kevin und ohne Ivan, einen Kader von sehr großer Qualität. Julian Draxler etwa ist ein immer noch junger Spieler mit fantastischer Qualität, der ein Spiel ganz allein entscheiden kann. Ich bin sicher, dass er seine Möglichkeiten schon bald voll ausschöpfen wird. Und auch André Schürrle, der sein Potenzial ebenfalls noch nicht ganz abrufen konnte, wird uns noch sehr helfen. Aber die beiden sind nur zwei Spieler in einem Team, das auf allen Positionen Qualität hat. Das ist wichtig! Es wäre nicht gut, von nur einem oder zwei Spielern abhängig zu sein.

"Wir müssen den Worten jetzt Taten folgen lassen"

bundesliga.de: Die Mannschaft soll sich kürzlich ohne Trainer und Manager zusammengesetzt und ausgesprochen haben?

Naldo: Das stimmt. Lassen Sie mich aber zuerst sagen, dass die Kritik, die Klaus Allofs und Dieter Hecking in der vergangenen Woche geäußert haben und die letztlich zu unserem Treffen geführt hat, absolut gerechtfertigt war. Das bedeutet überhaupt nicht, dass man kein Vertrauen mehr in die Mannschaft hätte. Im Gegenteil, wir spüren dieses Vertrauen jeden Tag. Aber es war an der Zeit, dass wir uns mal ohne Trainer und Manager getroffen haben und jeder die Chance hatte, seine Meinung zu sagen. Das hat uns weiter zusammengeschweißt. Jetzt müssen wir den Worten aber auch Taten folgen lassen.

Das Gespräch führte Andreas Kötter