Valencia - Es kam so, wie es sich Gonzalo Castro auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gewünscht hatte. Gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit nahm Bayer Leverkusen beim FC Valencia das Heft in die Hand, die einheimischen Fans quittierten die Leistung ihrer Helden mit Pfiffen. Es lief eigentlich alles für die "Werkself".

Das sah auch Robin Dutt nach dem Spiel so. "Die Stimmung hatte sich schon zu unseren Gunsten gewendet. Aber wir haben das nicht ausnutzen können und Valencia ist wieder zurückgekommen", erklärte der Bayer-Coach. Und wie. Fast aus dem Nichts markierte Roberto Soldado das 2:1. Sidney Sam ließ seinen Gegenspieler Jeremy Mathieu im Rücken entwischen und der Franzose konnte so maßgenau flanken. Bitteres Lehrgeld für Sam, der in Valencia weit unter seinen Möglichkeiten blieb.

Leverkusens Gastgeschenke

Auch Ömer Toprak konnte als direkter Gegenspieler von Soldado dessen Treffer nicht verhindern. "Er startet eine Zehntelsekunde vor mir. Bekommt er den Ball mehr nach vorne gespielt, steht er vielleicht im Abseits. Aber so geht es durch die Mitte und er trifft den Ball gerade so mit der Hacke. Leider entscheiden in so einem Spiel diese Kleinigkeiten", meinte Toprak gegenüber bundesliga.de. Das 3:1 darf dann ebenfalls getrost als Gastgeschenk abgehakt werden.

Zwar stützte sich Torschütze Adel Rami beim Kopfball gegen Bender am Rande des Erlaubten auf, aber der passende Eckball dazu darf niemals passieren. Michal Kadlec ließ sich in Ballbesitz an der eigenen Eckfahne von Soldado wie ein Schuljunge düpieren. Dass der sonst so sichere Torwart Bernd Leno schon nach zehn Sekunden mit einem katastrophalen Schnitzer den ersten Rückstand durch Jonas begünstigt hatte, das konnte Stefan Kießling verdientermaßen zwischenzeitlich zumindest ausgleichen.

Ballack: "Sind zu naiv"

Michael Ballack haderte danach über die vielen individuellen Fehler. " Wir sind am Drücker und kassieren dann unnötig die Tore. Damit machen wir uns vieles kaputt, was wir vorher mühsam aufgebaut haben. Da müssen wir noch dazulernen. In der einen oder anderen Situation sind wir einfach zu naiv und das wird auf diesem Niveau sofort bestraft", sagte Ballack.

Der ehemalige Nationalmannschaftskapitän, der nach seinem Nasenbeinbruch aus dem Freiburg-Spiel mit einer Gesichtsmaske auflief, wirkte im Mestalla zwar sehr präsent, er musste aber zu viel Arbeit in der Defensive verrichten und fehlte so häufig als Anspielstation bei Kontern.

Vorschau auf kommende Aufgaben

Für Bayer Leverkusen beginnt nun das große Zittern um den Einzug in das Achtelfinale der Champions League. Noch hat die "Werkelf" auf Platz 2 eine vielversprechende Ausgangsposition. "Wir sind noch sehr gut dabei. Im Heimspiel gegen Chelsea und auswärts in Genk ist einiges für uns möglich", gibt Leno im bundesliga.de-Interview zu Protokoll.

Zuerst einmal steht aber das nächste Bundesliga-Spiel gegen den Hamburger SV auf dem Programm. Auch da rechnet sich Leno gute Chancen aus: "Es ist nicht so einfach, zwischen der Bundesliga und der Champions League umzuschalten. Wir werden alles daran setzen, um den HSV zu schlagen. Mal schauen, was dabei herauskommt."

Aus Valencia berichtet Michael Reis