Sinsheim - Das Duell zwischen der TSG 1899 Hoffenheim und dem FC Liverpool in den Playoffs zur Champions-League-Gruppenphase ist auch ein Duell der beiden deutschen Trainer Julian Nagelsmann und Jürgen Klopp. "The new Klopp" - "Der neue Klopp" überschrieb die englische "Times" ein Portrait im vergangenen Herbst über den jungen Trainer der TSG. Am Vorabend des mit Spannung erwarteten Spiels am Dienstag sprachen die zwei Trainer bei den jeweiligen Pressekonferenzen.

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Beide bewiesen ihr rhetorisches Ausnahmetalent und teilten fast beiläufig ihre generelle Grundeinstellung zu ihrem Beruf und dem Spiel am Dienstag mit. Beide haben den gleichen Berater, beide sind große, wuchtige Männer, durchsetzungsfähig und führungsstark. Und: beide können Mannschaften entwickeln und neigen dazu, ihre Spieler eher mutig als verhalten spielen zu lassen. Das Aufeinandertreffen dieser beiden Trainer und ihrer Mannschaften verspricht Spektakel.

Klopp ist das alte Pferd im Stall

Klopp erzählte, dass er den Werdegang von Julian Nagelsmann genau verfolgt. Er sei froh, dass sein Manager nun ein junges Pferd im Stall habe, er sei ja das Alte, scherzte er. Als Klopp vor 20 Monaten Deutschland Richtung Liverpool verließ, war Nagelsmann noch U 19-Trainer in Hoffenheim. Nun stehen sich diese Trainer in einer wichtigen Champions-League-Begegnung gegenüber. Alleine das zeigt, wie spektakulär Nagelsmann in Hoffenheim nach seiner Berufung im Abstiegskampf vor 18 Monaten reüssiert hat.

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Er kenne seinen 20 Jahre jüngeren Kollegen nicht wirklich, gab der 50 Jahre alte Klopp zu. Aber man schreibe sich schon ab und zu Nachrichten. Nagelsmann erzählte, dass sich die beiden nach der Auslosung Texte geschrieben hätten und beide "Murphys Law" bemüht hätten. Nach diesem Gesetz geht ja alles schief, was nur schief gehen kann. Offenbar haben sich die zwei wohl einen anderen Gegner gewünscht. Und deshalb stellte Nagelsmann grinsend klar: "Wir haben uns natürlich nicht über Taktik unterhalten."

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Die beiden schätzen sich, Klopp sagte: Nagelsmann stehe als Paradebeispiel für einen aufregenden Trainermarkt in Deutschland, mit vielen spannenden jungen Übungsleitern. Von den englischen Journalisten darauf angesprochen, gab Nagelsmann zu bedenken, dass seine Geschichte anders geschrieben worden wäre, sei die TSG in der letzten Saison abgestiegen.  Nach dem ganzen Erfolg in den letzten Monaten sei es aber schon möglich, dass sein Werdegang, der Türöffner für andere, junge Kollegen gewesen sei. Und dennoch: Zuerst sei die mutige Entscheidung der TSG Hoffenheim gestanden, ihm die Chance zu geben. Und die ähnlich jungen Kollegen Hannes Wolf (Stuttgart) oder Domenico Tedesco (Schalke) seien aufgrund ihrer Qualitäten berufen worden - und nicht wegen ihm.

"Die sind gut, wir aber auch"

Das Spiel gegen den FC Liverpool sei eine Belohnung für die Leistung in der Mannschaft in der vergangenen Saison, betonte Nagelsmann und stellte klar: Er sehe seine Elf nicht als den totalen Underdog in diesem Duell, auch wenn Liverpool kleiner Favorit sei. Aber: "Wir wollen ins Konzert der ganz Großen, dann müssen wir auch einen Großen schlagen." Herausfordernd und angriffslustig - auch diese Eigenschaften teilen der Württemberger Klopp und der Oberbayer Nagelsmann. Klopp betonte, den Gegner ganz genau zu kennen: "Wir wissen, wie gut Hoffenheim ist." Die Video-Sequenzen, die er seinen Spielern gezeigt habe, sprächen für sich. Die Nagelsmänner, so Klopp, spielten "guten Fußball, manchmal auch ein bisschen wild und mit taktischen Fouls - da ist alles drin". Aber zu stark wolle er den Gegner nicht reden: "Die sind gut, wir aber auch."

Klopp muss neben den verletzten Adam Lallana und Daniel Sturridge auch auf Spielmacher Philippe Coutinho verzichten. Das sei ein Schlag, gab Klopp zu, aber er konzentriere sich immer auf die Spieler, die ihm zur Verfügung stünden. Und auch, ob Hoffenheim bei der erstmaligen Europapokal-Teilnahme Erfahrung fehle, spiele für ihn keine Rolle. Klopp: "Erfahrung hat mich noch nie interessiert. Ich orientiere mich nicht daran, wie der Gegner heißt, sondern wie er spielt." Und in England interessiere auch niemand, wie viele Einwohner Hoffenheim habe. Er wisse genau, was auf ihn zukomme, schließlich habe er am Aufstieg der Hoffenheimer ja auch ein bisschen mitgewirkt, scherzte Klopp. Im Aufstiegsjahr der TSG in die Bundesliga 2007/2008 habe Hoffenheim sich in der Winterpause ja noch spektakulär verstärkt- so wie heute Paris St. Germain -  und seine Mainzer auf den vierten Platz verwiesen.

Alle schlafen zu Hause

Klopp reifte in Mainz, bevor er in Dortmund Meisterschaften und Pokal gewann - Erfolge, die er nun in Liverpool anstrebt. Nagelsmann trauen viele Experten einen ähnlich erfolgreichen Weg zu. Nagelsmann sagt, er und seine Spieler gingen ihr erstes Champions-League-Spiel an wie ein normales Bundesligaspiel. Das heißt: Alles schlafen zuhause, bevor man sich zur Vorbereitung trifft. Nagelsmann sagt: "Ich bin nicht nervöser als bei einem Bundesligaspiel." Dennoch wird er sein erstes Champions-League-Spiel auch wegen der besonderen Trainerkonstellation wohl eher nie vergessen. Auf sein erstes Mal (in der Champions-League) befragt, meinte Klopp: "Ich hoffe, die Mannschaft spielt morgen besser, als ich damals drauf war." An den Gegner konnte er sich nicht mehr erinnern.

Tobias Schächter