Berlin - Nach dem Gigantengipfel ist vor dem Gigantengipfel: Nur einen Tag nach dem im Meisterschaftsrennen womöglich vorentscheidenden richtet sich der Blick bereits auf das nächste Zusammentreffen beider Teams: In genau einem Monat, am 12. Mai, treffen BVB und FCB im Berliner Olympiastadion zum DFB-Pokalfinale erneut aufeinander.

Aus diesem Anlass überbrachte an diesem Donnerstagmittag Klaus Fischer als Vertreter des letztjährigen Pokalsiegers FC Schalke 04 den Cup nach Berlin. Im Rahmen einer aufwändigen Präsentation des DFB übergab der legendäre frühere Nationalstürmer die 52 Zentimeter hohe vergoldete Trophäe an Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit. In dessen Amtssitz, dem Roten Rathaus, ist der 5,7 Kilo schwere "Pott" die nächsten vier Wochen für das interessierte Publikum im altehrwürdigen Wappensaal zu bewundern, ehe er nach dem 33. in Berlin stattfindenden Finale nach Dortmund oder München weiterreist.

Wowereit mit Sympathien für Dortmund



Aus Sicht von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ist der Pokal-Wettbewerb eine "traumhafte Erfolgsgeschichte", seine "Ausstrahlung stärker als Wembley", wo alljährlich das Finale des FA-Cups stattfindet, dem ältesten Fußball-Pokal der Welt. Hausherr Wowereit, als West-Berliner Urgestein von Haus mit dem abstiegsgefährdeten Hauptstadtclub Hertha BSC sympathisierend, blickt dem Pokal-Endspiel gelassen entgegen, ist doch die Hertha bereits im Viertelfinale ausgeschieden: "Natürlich bin ich da eher neutral, bei meinen Sympathien gibt es allerdings leichte Tendenzen für Dortmund", verriet der SPD-Politiker.

Der "königsblaue" Pokalüberbringer Fischer hingegen räumte ein, dass er als Schalker weder mit den Dortmundern noch den Münchnern besonders große Sympathien hege. Der gebürtige Niederbayer begann seine Profikarriere beim FCB-Lokalkonkurrenten 1860 München, hatte seine große Zeit aber bei Schalke 04. Aufgrund seiner Freundschaft mit den Bayern-Granden Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge werde er aber diesmal dem deutschen Rekordmeister die Daumen drücken. "Der BVB spielt guten Fußball", erkannte aber auch Fischer an, "und wird diese Saison verdient Meister".

Nerlinger enttäuscht



Der frühere König des Fallrückziehers drückte damit zugleich die vorherrschende Meinung im Saal über den Titelkampf in der Bundesliga aus. Lediglich die anwesenden Vertreter der beiden Finalisten BVB und FCB wollten davon noch nichts wissen. Bayern-Manager Christian Nerlinger gab zu, nach der am Vorabend "nicht leicht in den Schlaf" gefunden zu haben. "Es war eine dramatische Partie mit einem enttäuschenden Ausgang für uns", beschrieb der gebürtige Dortmunder seine Sicht auf den Sieg des BVB, der damit vier Spieltage vor Schluss sechs Zähler Vorsprung auf die Bayern hat.

"Ein Unentschieden wäre verdient gewesen", fand Nerlinger, dennoch habe man natürlich der Borussia fair "zum Sieg gratuliert". Der Bayern-Manager, als Profi sowohl für die "Roten" als auch für die "Schwarz-Gelben" aktiv, mochte aber noch nicht die Flinte ins Korn werfen: "Wir haben noch ein interessantes Programm vor der Brust", erklärte Nerlinger, "vier Bundesliga-Spiele, die wir alle gewinnen wollen, außerdem das Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid und dann eben das DFB-Pokalfinale". Nerlinger verwies auf zuletzt neun Siege aus zehn Partien. Man sei an der Säbener Straße weiterhin selbstbewusst und blicke nach vorne, noch immer seien schließlich "zwei Titel möglich".

Watzke: "Werbung für die Bundesliga"



Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke war logischerweise wesentlich besser gelaunt als Nerlinger, betonte aber ebenfalls, es sei noch zu früh für Meisterschafts-Gratulationen an den BVB. "Das Spiel gestern stand auf Messers Schneide und hätte auch unentschieden ausgehen können", verwies Watzke auf die guten Torchancen, die die Münchner am Vorabend hatten liegen gelassen. "Natürlich war es ein großer Abend für die Borussia und eine Werbung für die Bundesliga - wie schon das 4:4 zwischen Dortmund und Stuttgart anderthalb Wochen zuvor", freute sich der BVB-Boss.

Mit tiefer Zufriedenheit wagte Watzke einen Blick in die jüngere Vergangenheit seines Clubs. "Wir mussten durch ein ganz tiefes Tal gehen und zwei bis drei Jahre extrem sparen", erinnerte er an seine Anfangszeit als BVB-Geschäftsführer, "infolgedessen hatten wir keine ganz so gute Mannschaft mehr." Noch 2008, als sich Dortmund und München schon einmal im Pokalfinale gegenüberstanden, sei er froh darüber gewesen, nur 1:2 nach Verlängerung verloren zu haben.

Vorteil Dortmund



Das ist inzwischen anders. Die letzten vier Begegnungen in der Bundesliga gewann der BVB allesamt. Auf "fünfzig zu fünfzig" bezifferte Watzke denn auch die Chance auf den ersten Dortmunder Pokalsieg seit 23 Jahren. Als Vorteil für Dortmund, sowohl im Meisterschaftsrennen als auch im Pokal, betrachtet der 52-Jährige die Zusatzbelastung der Bayern in der Champions League. "Die haben jetzt zwei Abnutzungskämpfe gegen Real Madrid vor sich", sagte Watzke. Zwar werde Dortmund nicht alle restlichen vier Ligapartien gewinne, aber Bayern eben auch nicht.

"Natürlich", wagte Watzke etwas offensivere Töne als BVB-Trainer Jürgen Klopp, "wir wollen jetzt Meister werden und am liebsten auch den Pokal gewinnen". Es wäre für die Borussia der erste Double-Sieg überhaupt, während der FC Bayern schon acht Mal innerhalb einer Saison Deutscher Meister und Pokalsieger wurde.

Aus Berlin berichtet André Anchuelo