München - Mit Derbys ist das immer so eine Sache - ein einziges Spiel und der komplette Saisonverlauf scheint kopfzustehen. Bei Bayer Leverkusen könnten einige sicherlich ein Lied davon singen: Keine vier Wochen ist es her, dass sich die "Werkself" gegen den 1. FC Köln eine Niederlage einhandelte, die sich gewaschen hatte. 1:4!

Trotzdem hat sich das Team von Trainer Robin Dutt schnell wieder gefangen. Gleichwohl es beim FC Bayern München erst einmal eine weitere bittere Pleite (0:3) setzte, sorgten in der Folgewoche ein 2:0 über den belgischen Vertreter KRC Genk - der erste "Dreier" in der Champions League - und das 3:1 über den VfL Wolfsburg für die erlösende Wende zum Guten.

13 Punkte zu wenig für Bayers Ambitionen

Die Ausbeute von 13 Punkten nach acht Partien dürfte dennoch zu wenig sein für die Ambitionen des Vize-Meisters. Dabei sind die Ansätze definitiv da. 85 Prozent der Pässe kamen an, knapp 43 Prozent der Torschüsse kamen auf den gegnerischen Kasten. Was fehlt, sind die Durchschlagskraft und Effizienz im Angriff (zehn Tore) sowie Erfahrung und Abgeklärtheit in der Abwehr (elf Gegentreffer).

Hoffnung ist jedoch in Sicht: Denn nun steht auch schon wieder das nächste Derby an. Bei Borussia Mönchengladbach, der Überraschungsmannschaft der aktuellen Saison, erwartet Bayer am Samstagnachmittag auf den ersten Blick eine echte Mammutaufgabe.

Gladbach als "dankbarer" Gegner

Während die Tabelle den auf Rang 3 geführten "Fohlen" die Favoritenrolle zuweist, schlägt die Statistik aber ganz klar zugunsten der Leverkusener aus.

Seit 19 Gastspielen hat die "Werkself" nicht mehr in Gladbach verloren. Als der VfL sich zuletzt am 25. Februar 1989 am damaligen Bökelberg mit 2:0 gegen Bayer durchsetzte, waren viele der heutigen Akteure hüben wie drüben zwar noch gar nicht geboren.

Ballack im Blickpunkt

Michael Ballack schon. Nach vielen Verletzungsproblemen war der 35-Jährige vor der Länderspielpause nicht nur im Begriff, sich endlich einen Platz in der Startelf zu erobern, sondern unterstrich seine Bedeutung für Leverkusen mit Top-Leistungen und Toren.

Für seinen Ex-Trainer Klaus Toppmöller, der die Rheinländer 2002 auf Platz 2, ins DFB-Pokal-Finale und ins Endspiel der "Königsklasse" geführt hatte, gehört der Ex-Nationalspieler auf alle Fälle weiterhin zu den absoluten Schlüsselspielern: "Micha ist taktisch und fußballerisch immer noch ein sensationeller Spieler", sagte der 60-Jährige im exklusiven Gespräch mit bundesliga.de.

Toppmöller glaubt an den "Capitano"

"Er ist auch weiterhin enorm torgefährlich - ich traue ihm noch einiges zu in diesem Jahr." Zumal sein Nachfolger Dutt im Mittelfeld nach dem wochenlangen Ausfall von Renato Augusto (Knie-OP) improvisieren muss - wohl dem, der solche Alternativen hat.

Zum Saisonende erwartet Toppmöller Bayer dann übrigens erneut "auf Platz 2, hinter den Bayern". Rechnerisch ist das allemal drin, nur die Resultate müssten sich dafür schleunigst ändern. Aber was würde sich als Signal einer Aufholjagd wohl besser anbieten, als ein Sieg im Derby?

Stefan Missy