Freiburg - Bis zur 83. Minute führt der SC Freiburg mit zwei Toren Vorsprung gegen Hannover. Zu einem Sieg reicht das aber wieder nicht.

Christian Streich, das ist landesweit bekannt, kann an der Außenlinie sehr emotional sein. Weniger bekannt ist, wie geduldig und sachlich er schon unmittelbar nach Spielschluss auch Partien analysiert, die aus Freiburger Sicht unglücklich gelaufen sind.

Das Sonntags-Spiel gegen Hannover 96 ließ allerdings auch den Freiburger Trainer ein wenig sprachlos werden. "Es gibt Dinge, da fehlen auch mir die Erklärungen", gab er nach dem offiziellen Teil der Pressekonferenz zu Protokoll. Warum in dieser Hinrunde immer und immer wieder Konzentrationsmängel dazu führen, dass sicher geglaubte Punkte verschenkt werden, ist wohl letztlich auch nicht zu erklären.

Zehn Punkte wären es mehr...

Umso fataler sind die Folgen. Gäbe es eine Ausnahmereglung, die acht Spiele eines Spieltages nach 90 Minuten, die des SC Freiburg aber nach 87 Minuten beendet sein ließe, läge Freiburg mit 25 Punkten auf Rang 8. In der realen Welt überwintert der SC allerdings auf dem letzten Tabellenplatz. Obwohl die Mannschaft ackert und fightet. Und obwohl sie streckenweise auch sehr ordentlich Fußball spielt, was auch die Trainer der Konkurrenz immer wieder lobend erwähnen.

Gegen Hannover reichte eine 2:0-Führung in der 83. Spielminute nicht aus, um drei Punkte einzufahren. Weil Innenverteidiger Marc-Oliver Kempf zwei Minuten nach seinem Kopfball zum 2:0 dem Hannoveraner Lars Stindl den Ball so zuspielte, dass der daraus prompt eine Torvorlage für Leonardo Bittencourt zauberte. Und weil Torwart Roman Bürki das 2:2 mit einer zentimetergenauen Vorlage auf Joselu vorbereitete, der sich nicht zwei Mal bitten ließ (90+3.). Wesentlich einfacher wäre es gewesen, den Ball unters Tribünendach zu schlagen.

Rückendeckung für Bürki

Über den Unglücksraben wollte nach der Partie dennoch niemand den Stab brechen. "Das sind junge Kerle, aber offensichtlich kann nicht jeder die Konzentration bis zum Ende hochhalten. Daran müssen wir jetzt arbeiten", sagte Streich. Und Mike Frantz stellte sich schützend vor seinen Keeper. "Roman ist jetzt am Ende und wir werden ihn wieder aufrichten. So einfach ist das!" Zumal Bürki in 15 der 17 Freiburger Hinrundenspielen gut bis sensationell gut gehalten hat und zuletzt am vergangenen Dienstag beim 0:2 in der Allianz-Arena eine schlagzeilenträchtige Leistung zeigte.Doch das Zustandekommen des 2:2 mutete so grotesk an, dass Trainer Christian Streich deutliche Worte fand. "Ich weiß nicht, warum Roman in dieser Situation den Ball nicht einfach aufnimmt. Wir haben zwei Eigentore geschossen, und das ist das fünfte Mal, dass ich das in dieser Saison schon sagen muss."

"Symptomatisch für die Hinrunde"

So sah es auch Julian Schuster: "Das ist natürlich symptomatisch für die ganze Hinrunde. Aber es kann auch schnell wieder aufwärts gehen. Es ist schließlich nicht das erste Mal, dass wir solche Erfahrungen machen." Vielleicht, vermutet Streich, braucht es auch "Impulse von außen", um die ein oder andere Verkrampfung zu lösen. Nicht auszuschließen also, dass der SC im Winter noch mal auf dem Transfermarkt aktiv wird.

Dass in der Offensive Handlungsbedarf besteht, ist derweil längst erkannt. Admir Mehmedi ist mit einem einzigen Tor der treffsicherste Freiburger Stürmer, Karim Guédé, Sebastian Freis und Philipp Zulechner gingen bislang leer aus.

Christoph Ruf