London - Nach dem Schlusspfiff im Emirates-Stadion wussten die Spieler von Borussia Dortmund, bei wem sie sich bedanken mussten. Sie suchten die Nähe zu den gut 4000 nach London mitgereisten Fans, die ihre Helden trotz der schwachen Leistung und der daraus resultierenden Niederlage bis zum Schluss lautstark unterstützt hatten.

Die Enttäuschung nach dem 0:2 war aber nicht nur ihnen, sondern auch den Spielern und Verantwortlichen deutlich anzusehen. Dementsprechend fielen auch die Reaktionen aus. Nationalspieler Matthias Ginter brachte es auf den Punkt: "Wir haben in den letzten Wochen ein paar Fortschritte gemacht, aber dieser Auftritt war ein Rückschritt“.

Sportdirektor Michael Zorc fand ebenfalls klare Worte. "Wir ziehen einfach mal das Positive heraus, dass wir den direkten Vergleich gegen Arsenal nicht verloren haben. Das heißt, ein Unentschieden reicht gegen Anderlecht höchstwahrscheinlich zum Gruppensieg aus. Dann hört es aber auch schon auf mit den positiven Dingen“, so Zorc.

Zwar hatten die Schwarz-Gelben nach einer schwachen ersten Halbzeit im zweiten Durchgang wesentlich mehr Spielanteile, sie schafften es aber nicht, dieses Übergewicht auch in gute Chancen umzumünzen.

"Wir hatten zwar auch noch zwei, drei gute Möglichkeiten, und mit ein wenig Glück hätten wir auch noch den Anschlusstreffer erzielen können, aber im Endeffekt war das kein gutes Spiel von uns. Denn wir haben es nicht geschafft, den Ball in der vordersten Linie zu halten, festzumachen und in die Schnittstellen zu spielen. Da half der viele Ballbesitz im Mittelfeld auch nicht“, analysierte Marcel Schmelzer die Geschehnisse auf dem Rasen. Immerhin: Der Linksverteidiger durfte sich zumindest über seinen ersten Einsatz seit Anfang Oktober freuen.

Zum Abschluss gegen Anderlecht

Den ersten Matchball auf den Gruppensieg hat der BVB damit vergeben. Zum Abschluss steht noch ein Heimspiel gegen den RSC Anderlecht an. „Jetzt müssen wir am letzten Spieltag zu Hause den Gruppensieg unbedingt perfekt machen. Aber: die gleiche Leistung wie heute reicht gegen Anderlecht auch nicht“, stellte Innenverteidiger Neven Subotic treffend fest.

Jürgen Klopp war die Verärgerung über den Auftritt seiner Mannschaft ebenfalls anzumerken. Er versuchte dennoch, den Blick nach vorne zu richten. "Es gab Momente, bei denen man sehen konnte, was wir umsetzen wollten. Doch wir waren nicht konsequent genug. Man kann sich das Glück im Leben auch erkämpfen, und deshalb dürfen wir nicht nachlassen. Wir brauchen Ergebnisse, aber wir brauchen nicht den perfekten Fußball“, erklärte der Dortmunder Trainer.

Während die Dortmunder in der Königsklasse nach vier Siegen aus den ersten vier Spielen schon vor der Reise nach London fürs Achtelfinale qualifiziert waren, wartet die Borussia in der Bundesliga noch auf den großen Durchbruch.

"Wir müssen uns zusammenraufen"

Der soll am Sonntag bei Eintracht Frankfurt her. "Es ist jetzt an der Zeit, dass wir wieder auf die Erfolgsspur zurückfinden. Wir haben gegen Gladbach gezeigt, dass wir es können. Wir müssen es aber endlich wieder auf den Platz bringen. Wir müssen uns zusammenraufen und in Frankfurt nun 90 oder 95 Minuten alles raushauen, um die drei Punkte einzufahren“, forderte Schmelzer.

Eventuell hilft dem BVB ja auch mal eine umgekehrte Reaktion. Das hofft zumindest Michael Zorc: "Bislang haben wir nach Siegen in der Champions League in der Bundesliga nie gewinnen können. Vielleicht ist das diesmal anders.“

Aus London berichtet Michael Reis