Wolfsburg - "Perfektes Spiel", "Gala-Vorstellung", "bittere Lehrstunde", "Machtdemonstration", "Demontage", wahlweise "beängstigende" oder "erdrückende Dominanz"... - egal ob aus Sicht der Gäste oder der Gastgeber, nach dem 3:1 des FC Bayern München beim VfL Wolfsburg im DFB-Pokal waren alle Lobeshymnen, die die Leistung des Rekordmeisters zu beschreiben versuchten, gerechtfertigt.

Die Bayern haben an diesem Pokalabend klargestellt, wer die Oberhoheit im deutschen Fußball einnimmt. Hoffnungen der Konkurrenz, den schier übermächtigen Bayern wenn schon nicht über eine gesamte Saison Paroli bieten zu können, ihnen aber zumindest in einem K.o.-Spiel wehtun zu können, schoben sie imposant einen Riegel vor.

"Erste Halbzeit wie aus einem Guss"

Der Frage eines spanischen Journalisten, ob "die Bayern zu stark für die Bundesliga" seien, wich Dieter Hecking nicht aus, sondern bejahte sie rundheraus offen und ehrlich. Was sollte der VfL-Trainer auch anderes tun. Kein Abtasten, kein langsames Oberhand gewinnen über einen Gegner, der die Bayern an gleicher Stätte noch mit 4:1 gedemütigt und ihnen nach der Sommerpause mit dem Supercup den ersten Titel der Saison weggeschnappt hatte - von Beginn an schnürten die Roten die Grün-Weißen in der eigenen Hälfte ein.

"Die erste Halbzeit war wie aus einem Guss. So stellt man sich das vor", lobte Doppeltorschütze Thomas Müller sein Team und schickte gleich eine klare Ansage an die Konkurrenz hinterher: "So sind wir nicht zu schlagen."

Wölfe zollen Bayern Respekt

Die Bayern strahlten eine Überlegenheit aus, die dem Gegner allen Respekt abverlangte. "Mit dem 0:3 zur Pause waren wir gut bedient. Das hätten auch fünf oder mehr Tore werden können. Die erste Halbzeit war überragend. Die Bayern haben uns ihr Spiel aufgezwungen", gab Diego Benaglio zu. "Sie haben uns überhaupt nicht spielen lassen." (Interview mit Benaglio.)

Die Enttäuschung nach der Demontage hielt sich nicht nur beim Wölfe-Kapitän in Grenzen, zu deutlich die Überlegenheit der Gäste: "Die Bayern waren heute eine Klasse für sich. Das muss man sportlich fair anerkennen."

"Wir waren nicht eine Minute in der Lage, das Spiel offen zu gestalten. Die Bayern waren cleverer, in allen Belangen besser. Das war frustrierend", schloss sich Bas Dost, der im Januar mit einem Doppelpack die 1:4-Pleite der Bayern eingeleitet hatte, den Lobeshymnen an. Sportdirektor Klaus Allofs konstatierte kurz und knapp "einen Klassenunterschied".

Guardiola "sehr, sehr zufrieden"

Und selbst der nicht leicht zufrieden zu stellende Pep Guardiola beglückwünschte seine Mannschaft. "Wir haben sehr gut mit dem Ball gespielt, mit wenig Ballverlusten. Wir sind sehr, sehr zufrieden." In seinem dritten Jahr bei den Münchners scheint der zweimalige Welttrainer seine Mannschaft so geformt zu haben, wie er sich das vorstellt. Grund genug eigentlich für die von Bayern-Seite erhoffte Unterschrift unter einen neuen Vertrag.

Sein Star-Ensemble hat der Spanier fest im Griff. Hoffnungen der Konkurrenz auf Unruhe im Bayern-Kader angesichts der Hochkaräter, die beim FCB Woche für Woche auf der Bank Platz nehmen müssen, erteilt Arjen Robben eine klare Abfuhr. "Jeder weiß, dass ich immer spielen will. Aber das gilt natürlich auch für jeden anderen in der Mannschaft", so der Holländer, der in Wolfsburg 60 Minuten auf der Bank schmoren musste. "Wir brauchen jeden Spieler und alle Kräfte, um unsere Ziele zu erreichen."

"Die Mannschaft folgt dem Trainer. Man sieht, dass die Spieler genau das umsetzen, was der Trainer von uns will. Das Ergebnis sieht man ja auf dem Platz", stellte auch Philipp Lahm klar. "So macht Fußball einfach Spaß. Im Moment ist es schwer, gegen uns zu gewinnen." Die Konkurrenz fragt sich, wie lange dieser "Moment" wohl dauern wird.

Aus Wolfsburg berichtet Jürgen Blöhs