Bremen - Die große Frage vor dem Heimspiel gegen den 1. FSV Mainz 05 war, wie würden die Fans des SV Werder Bremen auf Davie Selke reagieren. Die Antwort: hanseatisch nüchtern.

Bei der Bekanntgabe seines Namens bei der Aufstellung und bei seiner Auswechslung gab es Pfiffe vom Publikum, aber auch Applaus von den Fans.

Eichin: "Selke wird seinen Job machen"

Es lief die 62. Spielminute als Davie Selke erlöst wurde. Der 20-Jährige blieb nach seiner Bekanntgabe den Verein zu wechseln, um sich RB Leipzig anzuschließen, blass. Er hatte die wenigsten Ballkontakte seines Teams (19) und war an keinem Bremer Torschuss beteiligt.

Trotzdem glaubt Sportchef Thomas Eichin, dass Selke mental stark genug ist, den Rummel um seine Person wegstecken zu können: "Er wird seinen Job bis zum Ende gut machen. Er hat die Unterstützung des Teams." Auch Trainer Viktor Skripnik zweifelte keine Sekunde an Selkes Einstellung: "Ich habe überhaupt nicht daran gedacht, ihn nicht aufzustellen. Wir haben im Angriff zu ihm auch keine Alternative."

Junuzovic für Selke - danach lief es für besser

Nach der Einwechslung Junuzovics, der vom Trainer eine Pause nach den anstrengenden Länderspielen mit Österreich verordnet bekam, ging ein Ruck durch die Mannschaft. Erstmals seit Mai 2013 saß der 27-Jährige bei Werder auf der Bank.

Als er dann auf dem Spielfeld war, hatte Werder seine beste Phase. Innerhalb von nur neun Minuten gaben die Grün-Weißen sechs Torschüsse ab, in Halbzeit eins hatten sie insgesamt nur fünf.

Trotz Selke-Abgang - Werders Team hat Zukunft

So wie die Werderaner am Ende des Mainz-Spieles auf dem Platz standen, so hätte es Sportchef Thomas Eichin auch gerne in der nächsten Saison. Die Bremer Startelf (inklusive Selke) war 24 Jahre und 320 Tage alt, jünger war sie zuletzt nur beim 2:0 gegen Hertha (18. Spieltag). Jugend forscht weiterhin bei Werder.

Im Fokus für Sportchef Eichin steht jetzt die Vertragsverlängerung von Stürmer-Star Franco di Santo. Nach Selke wäre der Abgang des zweiten Top-Angreifers eine Katastrophe und würde die aufkeimende Euphorie bei den Fans schnell wieder beerdigen. Bei di Santo ist der Ausgang der Gespräche noch offen.

Skripnik mit "Europa League-Quote"

In der Hinrunde hatte Werder Trainer Viktor Skripnik sein Debüt mit einem 2:1-Sieg in Mainz gefeiert und Werder den ersten Dreier der Saison beschert. Ein halbes Jahr später hat der Ukrainer in seiner Amtszeit mit den Hanseaten 31 Punkte in 18 Spielen geholt. Diese Quote ist Europa-League reif.

Doch mit gewohntem Understatement verweisen Skripnik und Co darauf, dass der Klassenerhalt rechnerisch noch nicht in trockenen Tüchern ist: "Das Spiel gegen Mainz hat gezeigt, dass wir noch nicht so weit sind in der Tabelle nach oben zu schauen." Laut Sportchef Thomas Eichin befindet sich Werder nach dem Remis im "Niemandsland" der Tabelle.

Machbares Restprogramm - Fokus auf Stuttgart

Mit 35 Punkten wird Werder mit dem Abstieg nichts mehr zu tun haben, auch wenn Zlatko Junuzovic betonte, dass es bei einem Negativlauf auch ganz schnell wieder nach unten gehen könne. Typisch Werder, geht es für die Verantwortlichen und Spieler erst einmal nach der Devise "safety first". "Hätten wir gegen Mainz gewonnen", so Eichin, "dann hatten wir unser erstes Ziel den Klassenerhalt erreicht." Doch trotz nur einem statt drei Punkte können die Bremer weiterhin auf die Europa-League-Plätze schielen. Der Rückstand auf Platz sechs beträgt nur vier Punkte.

Außerdem sieht das Restprogramm der Bremer lösbar aus. In den nächsten fünf Partien spielen die Bremer bis auf Frankfurt nur gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte (Stuttgart, HSV, Paderborn, Frankfurt, Hannover). Keeper Raphael Wolf, der gegen Mainz mehrmals stark den Rückstand verhinderte, schaut zunächst aber nur auf den nächsten Gegner: "Gegen den VfB müssen wir wieder eine Schippe drauflegen. Das wird ein ganz wichtiges entscheidendes Spiel. Wir hätten gegen Mainz den Klassenerhalt perfekt machen können und es ist ärgerlich, dass wir das nicht geschafft haben."

Aus Bremen berichtet Alexander Barklage